Pinneberg
Radsport

Die Furcht vor dem Besenwagen treibt Kai Schröder an

Kai Schröder will gemeinsam mit dem Team vom Lions Club Ellerbek/Rellingen das Ziel erreichen

Kai Schröder will gemeinsam mit dem Team vom Lions Club Ellerbek/Rellingen das Ziel erreichen

Foto: Frederik Büll / HA

Der Rellinger startet zum vierten Mal bei den Hamburg Cyclassics. Ein Teil des Radrennens führt erneut durch den Kreis Pinneberg

Rellingen.  „Langsamer als durchschnittlich 30 Kilometer pro Stunde sollte man nicht fahren. Vom Besenwagen möchte schließlich niemand gerne eingesammelt werden“, sagt Kai Schröder (42). An diesem Sonntag startet der Rellinger bei den 21. EuroEyes Cyclassics. Angemeldet ist der Inhaber eines Elektrotechnikgeschäfts beim Jedermannrennen für die Königsdisziplin über 160 Kilometer.

„Vielleicht werden es aber dann spontan doch nur noch 60 oder 100 Kilometer“, sagt Schröder, Vizepräsident des vor zehn Jahren gegründeten Lions Club Ellerbek Rellingen. Schließlich könne man – wegen der identischen Startzeit in Hamburg (von 8.10 Uhr an in der Shanghaiallee, am Brooktorkai, im Steintorwall oder in der Steinstraße) – nach 100 Kilometern „einfach links abbiegen und auf der Mönckebergstraße ins Ziel kommen“ oder am Hauptbahnhof „rechts abbiegen“. Dann werden es eben noch einmal 60 Kilometer mehr. „Die Entscheidung wird dann je nach körperlicher Verfassung einfach spontan gefällt“, sagt er.

Fällt die Wahl vor Rennbeginn doch noch auf die Distanz von 60 Kilometern (Alsterglacis in Hamburg, von 7.30 Uhr an), müsste der Rellinger morgens allerdings am richtigen Startort stehen. Zum vierten Mal in Folge nimmt er nun an dem Radrennen, das die Sportler erneut durch den Kreis Pinneberg führt, teil. Diesmal sind aus den Reihen der Wohltätigkeitsorganisation mit Bernd Dankowski und Svenja Gergeleit voraussichtlich drei Freizeitfahrer am Start. „Aufgrund von kleineren Verletzungen und der Ferienzeit kommen wir diesmal nicht auf unseren üblichen Schnitt von sechs bis acht Fahrern“, sagt Schröder.

2012 hatte Bernd Dankowski die Idee, mit dem Lions Club an den Hamburg Cyclassics teilzunehmen und den sozialen Gedanken mit sportlicher Betätigung zu verknüpfen. Spender zahlten für jeden gefahrenen Kilometer pro „Löwen“ bis zu zwei Euro an den Club. „So sind bestimmt schon circa 30.000 Euro für den guten Zweck zusammengekommen“, so Schröder.

Unter anderem wurden – der Schwerpunkt des Clubs liegt auf der Unterstützung der Kinder und Jugend – Erstklässler in der Region mit Fahrradhelmen ausgestattet oder die Neuanschaffung des Jugendbusses – der alte war 2014 durch Brandstiftung in Flammen aufgegangen – in Rellingen mit­finanziert.

„Es ist schon schade, dass wir diesmal wegen unserer geringen Beteiligung bei dem Rennen in dieser Form keine Spendengelder generieren. Das wird sich im kommenden Jahr aber wieder ändern“, sagt der Radsportler.

Vor vier Jahren kaufte sich Schröder ein Rennrad für Einsteiger, trainierte und feierte 2013 seine Cyclassics-Premiere. Er wollte raus aus der Komfortzone. Vorher sei er nie „über 100 Kilometer am Stück Rad gefahren“, sagt Schröder. „Das Schöne an diesem Sport ist doch, dass man auch alleine los kann und dass nicht wie zum Beispiel beim Tennis jemand auf der anderen Seite des Netzes stehen muss.“ Einfach rauf aufs Rad – und los. Erst wurde das Rennrad gekauft, ohne zu wissen, ob diese Sportart ihm überhaupt liegt. Logische Erklärung des Rellingers: „Ohne Rad hätte ich ja nicht fahren können.“

Die Lions-Club-Mitglieder motivieren sich gegenseitig

Innerhalb der radsportbegeisterten Gruppe der Lions-Club-Mitglieder entwickelte sich eine Dynamik. Man motivierte sich gegenseitig. Gerade die nähere Umgebung mit Haseldorfer Marsch oder Klövensteen sei für Drahtesel-Liebhaber ein schöner Streckenverlauf. „Hier gibt es Ecken, die man im Auto in dieser Form nicht unbedingt kennenlernen kann“, sagt der Diplom-Ingenieur, der in der Woche ein- bis zweimal radelt – insgesamt meist 100 bis 150 Kilometer. Regen nach dem Feierabend durchkreuzt aber auch bisweilen den sportlichen Vorsatz. „Wenn ich aber losfahre und es fängt dann an zu regnen, muss ich da eben durch“, so Schröder.

Eine bestimmte Zeit bei den Cyclassics nimmt er sich nicht vor. „Es geht nicht um olympisches Gold. Wir sind ja schließlich keine Profis. Mein Ziel ist, anzukommen. Möglichst geschlossen als Lions-Club-Team“, sagt der Inhaber des 15-köpfigen Familienbetriebs.

Andere Rennen außer den Cyclassics bestreitet Kai Schröder nicht. „Das läuft bei mir alles eher freizeitorientiert ab. Ich muss nicht 10.000 Kilometer oder so im Jahr abreißen“, sagt er. Schließlich habe er mit seinem anderen Hobby – der Leitung des Geschäfts – auch relativ gut zu tun.

Ab und zu gibt es aber auch Trainingslager mit der Gruppe, beispielsweise im Weserbergland, Sauerland oder in den Alpen. Zuletzt fuhr er mit dem Rad nach Büsum. Der Rückweg wurde dann aber mit dem Auto absolviert. Das fährt bekanntermaßen definitiv schneller als 30 km/h in Richtung des Ziels.

Der Bereich von Schenefeld über Pinneberg, Holm, Wedel zurück nach Blankenese, der von der Rennstrecke eingeschlossen wird, ist am Sonntag während der Sperrungsphase von 6.45 Uhr bis 15 Uhr nur von Hamburg aus über die B431 anfahrbar.

Von Norden her sind wenige Querungen (Hauptstraße/Kiebitzweg, Mühlendamm, Scharmbrooksweg, Halstenbeker Chaussee, K1 zwischen Moordamm und Jappopweg, Schenefelder Landstraße zwischen Brambarg und Voßbarg) zwischen Schenefeld und Pinneberg über die Altonaer Chaussee und die Landstraße Schenefeld Elmshorn möglich. Diese sollten aber wegen der zu erwartenden Behinderungen ebenfalls für die Renndauer gemieden werden.

Vom LSE-Kreisel am Nordende der L103 sind die Aus-/Einfahrten Egger­stedter Weg, Wedeler Weg (Nordeinfahrt) und Westring auch während der Renndauer zu nutzen.

Sperrungsbeginn

6.45 Uhr: Schenefeld: Altonaer Chaussee stadtauswärts, ab Dockenhudener Chaussee/Halstenbeker Chaussee beide Richtungen, Landstraße Schenefeld Elmshorn (LSE), LSE-Kreisel südlicher Teil, Wedeler Weg, Wedeler Chaussee bis Kreisverkehr Lehmweg.

7 Uhr: zusätzlich Lehmweg volle Länge bis Holm Hauptstraße.

7.15 Uhr: Zusätzlich von Holm-Zentrum aus der komplette Verlauf der B431 (Hauptstraße, Wedeler Straße, Holmer Straße, Wedel Rolandstraße) bis Wedel Auststraße, Aust­straße südwärts, Schulauer Straße, Strandweg, Parnaßstraße, Elbstraße, Galgenberg, Tinsdaler Weg bis Stadtgrenze Hamburg.

Das Verkehrsinfotelefon der Polizei Hamburg steht am Sonnabend von 10 bis 18 Uhr und Sonntag, 6.30 Uhr bis 17 Uhr für Streckenberatung zur Verfügung. Telefon 040/428 65 65 65.