Pinneberg
Wedel

In der Kreisliga drehen sie auf

Der Beruf geht vor. Warum sich lokale Fußballgrößen wie Thomas Koster gegen eine Oberligakarriere entscheiden

Wedel. Beschäftigt ist er bei einem der weltweit führenden Recycling-Unternehmen und Kupferproduzenten in Hamburg-Georgswerder. Für die Kreisliga-Fußballer des SC Pinneberg ist Thomas Koster sogar Gold wert. In drei siegreichen Partien hat der 27 Jahre alte Mittelfeldspieler schon fünf Treffer erzielt. Die Pinneberger marschieren in der Staffel 8 vorneweg.

Koster zählt zu jenen Akteuren mit Oberliga- oder Landesligaformat, die Beruf und Leistungsfußball nicht in Einklang bringen können und sich deshalb in die Kreisliga zurückziehen. Nachdem er mit dem Wedeler TSV in die höchste Hamburger Spielklasse aufgestiegen war, entschied er sich aus gutem Grund für den SCP. Zwillingsbruder Christian kickt dort seit 2014.

Theoretisch könnte sich der eine die Rote Karte einhandeln und am nächsten Spieltag unter dem Namen des anderen mitwirken, so schwer sind sie auf den ersten Blick zu unterscheiden. Trainer Dirk Kahl erzählt, wie er die Geschwister auseinanderhält. „Thomas ist der Ernsthaftere. Bei Christian entdecke ich immer etwas Spitzbübisches im Gesicht.“ Verwirrend für den Gegner wird es, wenn Kahl die Zwillinge als Doppelsechs einsetzt. Doch Thomas Koster besticht auch mit 100-prozentiger Trainingsbeteiligung. Den Teamgefährten gegenüber und abseits des Rasens tritt er ohne Allüren auf. Wenn es seine Zeit erlaubt, besucht er mit großem Interesse die WTSV-Spiele wie jetzt das 2:2 gegen Barmbek-Uhlenhorst im Elbestadion. „Wir hätten ihn liebend gern weiterverpflichtet“, betonen WTSV-Vorstand Thorsten Zessin und der sportliche Leiter Frank Ockens. Doch Thomas Koster hat sich für einen anderen Werdegang entschieden.

Für kurze Zeit WTSV-Manager und zwei Jahre Torwart in Wedel war
Kadir Katran (33). Der hat sich als Anwalt für Ausländerrecht, Familienrecht und Insolvenzrecht in Hamburg-Osdorf niedergelassen. Aus Verbundenheit zum neuen Trainer Sven Rasmus, mit dem er als Jugendlicher beim SV Osdorfer Born zusammenarbeitete, schloss er sich nach seiner Zeit bei der SV Groß Flottbek dem SuS Waldenau (Staffel 7) an.

Der Keeper mit den guten Fremdsprachenkenntnissen (Englisch, Arabisch, Türkisch) lässt auf dem Rasen die Zahlen für sich sprechen. In drei Partien gab es erst drei Gegentore zu beklagen. Beim 1:0 über den SC Pinneberg II blieb ihm allerdings die Konfrontation mit MikailPekdemir (27) erspart. Der Stürmer fehlt der Pinneberger Zweiten wegen eines Muskelfaserrisses noch drei oder vier Wochen. Trainer Bernd Haladyn weiß noch, wie es dazu kam.
„Wir führen kurz vor Schluss in Osdorf 3:1. Trotzdem haut er sich voll in den Zweikampf rein und verletzt sich.“

Das war indes nicht immer so.
Bei TBS Pinneberg, VfL Pinneberg und in Wedel galt der pfeilschnelle Türke als launische Diva. Haladyn kennt ihn aber gut aus gemeinsamen TBS-Zeiten. „Von mir bekommt er Streicheleinheiten, aber auch mal einen mit.“ Der Aufsteiger freut sich über einen Spieler, der sich bestens einfügte und genauso wie Thomas Koster bei der SCP-Ersten den Unterschied ausmachen kann.

Wer trotzdem glaubt, die Kreisliga habe keine Spielkultur und keine „Namen“ zu bieten, der sollte vielleicht einmal FinnLüneburg (21) in Aktion erleben. Möglich ist das wieder ab Mitte September. Dann wird sich der Stürmer des Hetlinger MTV von einem Schlüsselbeinbruch erholt haben, den er beim Vorbereitungsturnier um den Wanderpokal der Raiffeisenbank Elbmarsch erlitt. Ausrichter HMTV hatte ihm im Turnierheft eine halbe Sonderseite gewidmet. Trainer Guido Krenzk bestätigt dem Medizinstudenten, der nur wegen seines Studiums vom VfL Pinneberg zurückkehrte, „Riesenqualität“.

Die bekommt auch immer wieder Philippe Schümann, Torjäger des Heidgrabener SV (24), bescheinigt. Kritiker kreiden ihm an, dass er nicht seine
Ellenbogen einsetzte, sich 2012 bei der SV Halstenbek-Rellingen zu behaupten. Seine Fans bewundern seine Fähigkeit, Tore ohne Ende aus dem Nichts zu erzielen. Auswärts gegen den TuS Hasloh waren es wieder drei an der Zahl, allerdings siegten die Hasloher 4:3.

Das erfüllt Peter Hidien mit Freude. Der frühere HSV-Profi (62) – Deutscher Meister, DFB-Pokalsieger, Europapokalsieger – ist der stille Star der Kreisliga. Sein inzwischen verstorbener Schwager Rudi Strelow hatte den Quickborner einst in die Nachbargemeinde gelotst. Mit vierjähriger Unterbrechung dient Hidien dem Dorfverein seit zwei Jahrzehnten. Als vor drei
Jahren alles in Trümmern lag, kehrte er als Abteilungsleiter zurück und holte den Hasloher Fußball mit den richtigen
personellen Maßnahmen aus der Versenkung hervor, alles ohne Getöse. Im Februar 2018 ist aber endgültig Schluss.