Pinneberg
Fußball

Das ist geballte Mädchenpower

Nicht nur beim Training schießen sie aus vollen Rohren: Dank ihrer Treffsicherheit in den Punktspielen schafften es die Kickerinnen des VfL bis in die Verbandsliga

Nicht nur beim Training schießen sie aus vollen Rohren: Dank ihrer Treffsicherheit in den Punktspielen schafften es die Kickerinnen des VfL bis in die Verbandsliga

Foto: Meincke Kalle

Mehr als 100 junge Fußballerinnen spielen beim Großverein VfL Pinneberg Fußball – und die Tendenz ist weiterhin zunehmend.

Pinneberg.  Mittwochabend, 18 Uhr. Während im Fernsehen die Europameisterschaft mit Portugal gegen Ungarn (3:3) läuft, sind im Stadion 1 im Fahlt Hütchen, Stangen und kleine Tore aufgestellt. Das Training für die C-Jugend (Löwinnen) des VfL Pinneberg steht an. Trainer Sven Lempfert erwartet die Spielerinnen, zur Begrüßung gibt’s ein lockeres Abklatschen mit der Faust. Danach rollen die Bälle auf dem Rasen.

Die C-Jugend trifft nächste Saison auf HSV und St. Pauli

Die erste C-Mannschaft hat in der vorherigen Saison den vierten Platz in der höchsten Spielklasse erreicht. In der kommenden Spielzeit geht es für das Team in die neugegründete Verbandsliga. Die Gegner heißen dann HSV, St. Pauli oder ETV. „Damit sind wir die einzige weibliche Nachwuchsmannschaft im Kreis, die Leistungsfußball spielt“, sagt Lempfert. Als erklärtes Ziel gibt der Trainer das gesicherte Mittelfeld aus.

Parallel zur C-Jugend trainieren die D- und E-Junioren auf der anderen Feldhälfte. Insgesamt gibt es beim VfL mittlerweile acht Mannschaften. Von G- bis B-Jugend kicken „Löwinnen“ von vier bis 16 Jahren im Verein. Als neugewählter Jugendleiter ist Sven Lempfert nicht nur Trainer, sondern auch Initiator und Kopf des nunmehr vier Jahre alten Projekts Mädchenfußball. „In der F-Jugend hatten wir zwei Mädchen in der Mannschaft. Ich fand es schade, dass es für sie bei uns kein eigenes Angebot gab.“ Das zu ändern, war anfangs nicht einfach. Mit einer kleinen Mannschaft von gerade einmal acht gemeldeten Spielern der F-Jugend auf einem Fünfer-Feld war die erste Saison rein zahlenmäßig eine Herausforderung. Auch sonst mussten Lempfert & Co. einige Steine aus dem Weg räumen: „Wir haben in zehn Jahre alten Trikots gespielt, kaum Sponsoren gefunden. Selbst der Verein hat uns belächelt.“ Doch mit der Zeit wuchs die Nachfrage, immer mehr Mannschaften unterschiedlichen Alters wurden für den Spielbetrieb angemeldet.

Heute kommen Spielerinnen von anderen Vereinen zu den Löwinnen. Celina aus der B-Jugend ist eine davon. Die Offensivkraft mischt seit einem halben Jahr beim VfL mit. Zuvor hat sie beim SCP gespielt. Als sich ihre Mannschaft auflöste, kam sie durch Freundinnen zum Lokalkontrahenten. Angefangen hat sie vor sieben Jahren, zunächst in einer Jungenmannschaft. „Da gab es aber immer wieder Stress. Bei Auswärtsspielen zum Beispiel bekamen wir als Mädchen häufig keine Extra-Kabine“, sagt die 15-Jährige, die als Co-Trainerin bei der E-Jugend bereits Verantwortung übernimmt. Bei den Mädchen fühlt sie sich wohl.

Dass Mädchen und Jungen anders ticken, weiß Sven Lempfert: „Männer haben in der Physis natürlich Vorteile gegenüber Frauen. Dafür erlebe ich Mädchen beim Training sehr lernfähig und auch disziplinierter.“ Als Organisator stellte er außerdem fest, dass Mädchen „mehr Entertainment“ brauchen.

Löwinnen-Cup Mitte Juli beim TuS Borstel wird ein Highlight

Das fängt schon beim Training an: In dieser Einheit versucht sich jeweils eine Gruppe im Fußballtennis. Ein Netz ist dazu direkt am Rasenboden gespannt. Ansonsten gibt es immer wieder besondere Aktionen. Dazu gehören Fahrten zu Turnieren, aber auch zu anderen Veranstaltungen wie dem Champions-League-Finale der Frauen in Berlin 2015. Das nächste große Heimevent steht am Wochenende des 16. und 17. Juli auf den Plätzen des TuS Borstel an. Beim Löwinnen-Cup werden 60 Teams bei sieben Turnieren um den Pokal kämpfen. Davor steigt am Sonnabend von 11 bis 14 Uhr auf demselben Gelände der Tag des Mädchenfußballs. Mit dem DFB-Fußballabzeichen und Trainingsangeboten bietet sich Interessierten – vor allem der Jahrgänge 2005 bis 2012 – die Möglichkeit zum Mitmachen. Während sich der TuS Borstel dadurch die Gründung einer ersten Mannschaft erhofft, bleibt der VfL offen für Verstärkungen.

Weiter wachsen, so lautet die Marschroute für die Zukunft: „Wir streben Durchgängigkeit der Teams von der G-Jugend bis in den Damenbereich an“, erklärt Sven Lempfert seine Ziele.
www.pinneberger-loewen.de.