Pinneberg
Rhönrad

In diesem Sportgerät geht es nach Cincinnati

Für Yana Looft vom SV Rugenbergen ist es die zweite WM-Teilnahme. Teamkamerad Marcel Schawo war bereits zweimal zuvor bei den Erwachsenen dabei

Für Yana Looft vom SV Rugenbergen ist es die zweite WM-Teilnahme. Teamkamerad Marcel Schawo war bereits zweimal zuvor bei den Erwachsenen dabei

Foto: B.J.A. Treuren / HA

Zwei Turner des SV Rugenbergen nehmen an der diesjährigen Weltmeisterschaften den USA teil und hoffen erneut auf vordere Platzierungen.

Bönningstedt.  Theoretisch findet eine Weltmeisterschaft im Rhönradturnen alle zwei Jahre statt – zuletzt 2015. Weil jedoch 2017 schon das internationale deutsche Turnfest in Berlin gefeiert wird, wurde die Rhönrad-WM in Cincinnati (USA, Bundesstaat Ohio) in den Juni dieses Jahres verlegt.

Die qualifizierten Turner müssen dabei die Kosten weitgehend aus eigener Tasche zahlen. Daher gehen die beiden WM-Fahrer des SV Rugenbergen kreative Wege bei der Finanzierung. Etwa 1800 Euro werden pro Person benötigt. Der Tornescher Marcel Schawo, 22, der in Köln Sportmanagement und Kommunikation studiert, sammelt auf der größten Crowdfunding-Plattform im Sportbereich Spendengeld, um nach zweimal Silber und Gold in der Nationenwertung im vergangenen Jahr bei der WM in Italien erneut in den Kampf um Medaillen eingreifen zu können. Über 900 Euro stehen Schawo bereits zur Verfügung (www.fairplaid.org/#!rhoenradwm).

„In 18 Tagen läuft das Projekt aus. Ich bin zuversichtlich, dass noch ein paar Euro dazukommen“, sagt er. Yana Looft, 24, treibt im privaten Umfeld das Geld für die Reise auf.

Qualifiziert hatte sich Schawo Ende März beim Wettkampf in Bönningstedt. Teamkollegin Yana Looft beendete in der Damen-Konkurrenz diesen Wettkampf – auch wegen einer Krankheitsphase in der Vorbereitunge – auf dem vierten Rang. In der zweiten WM-Qualifikation im hessischen Marburg erreichte sie dann in allen drei Disziplinen Sprung, Spirale und Musik-Kür eine Gesamtpunktzahl von 29,95 Punkten. Mit einem zweiten Platz löste Looft endgültig das WM-Ticket.

2015 gewann Yana Looft bei ihrer WM-Premiere direkt Gold in der Spirale

Insgesamt fünf der neun gemeldeten deutschen Frauen nehmen nun an der WM teil. „Bei den Frauen ist die Konkurrenz viel größer. Für Marcel ist es da auf nationaler Ebene schon etwas einfacher“, kann sich Looft einen kleinen Seitenhieb auf ihren Mannschaftskollegen nicht verkneifen. „Da ist schon etwas dran. Es waren nur fünf Turner dabei, von denen einer verletzungsbedingt die Qualifikation nicht mitgeturnt hat“, sagt Schawo und lächelt. Mit drei weiteren männlichen Teilnehmern geht er für Deutschland in den USA an den Start.

Während es für Schawo bereits die dritte Weltmeisterschaftsteilnahme bei den Erwachsenen ist, startet Looft nun zum zweiten Mal. Allerdings hat die in Hamburg-Langenhorn wohnende Turnerin dem Tornescher etwas voraus: Sie gewann eine Goldmedaille im Einzel. 2015 war Looft weltweit die beste Sportlerin in der Spirale-Wertung. Dabei werden die Übungen auf nur einem der beiden Reifen vollführt.

„Natürlich wäre es schön, wieder eine Medaille zu gewinnen. Auf jeden Fall möchte ich mindestens ein Finale turnen“, sagt sie. Schließlich sei jeder Sportler ehrgeizig – auch wenn schon bereits zwei Goldmedaillen (Mannschaftswettbewerb) herausgesprungen sind. Derzeit ist sie wegen ihres praktischen Semesters im Medizinstudium beruflich ordentlich eingespannt. „Vier- bis fünfmal schaffe ich es aber dennoch zum Training nach Bönningstedt“, sagt Looft. Auch Schawo trainiert in Köln intensiv. „Mit der erneuten Qualifikation für die WM habe ich mein Ziel eigentlich schon erreicht. Nun möchte ich aber zeigen, was ich mir in einem Jahr erarbeitet habe“, sagt er. Wenn dies optimal gelingt und auch den Wertungsrichtern gefällt, könnte es für ihn erneut zu einer Platzierung unter den besten Drei der Welt reichen.

Während bei den beiden SVR-Athleten die Vorfreude allmählich steigt, war die Stimmung bei Trainer Simon Knapp, der üblicherweise seine Schützlinge im deutschen Trainerstab begleitet, sicherlich schon einmal besser. Er wird diesmal zu Hause bleiben müssen. Bundestrainerin Katja Homeyer nominierte drei andere Coaches. Insgesamt sind 120 Sportler aus 15 Nationen bei den diesjährigen Titelkämpfen dabei, die vom 19. bis zum 26. Juni ausgetragen werden.