Pinneberg
Elmshorn

Das ist die sportlichste Familie des Kreises

Foto: Renata Charlos

Natalie und Tomas Charlos sind erfolgreich im Schwimmen und Tennis, ihre Geschwister waren es auch – Eltern standen stets dahinter.

Elmshorn.  Ihre Gedanken gehen zurück in den August 2014, es war der 13. Noch immer spricht Natalie Charlos nicht gerne über diesen Tag. Bei den Schwimm-Europameisterschaften in Berlin wäre die Elmshorner Langstreckenschwimmerin beinahe ertrunken. Kurz vor dem Ziel im Zehn-Kilometerrennen verlor die 22-Jährige aufgrund von Erschöpfung das Bewusstsein, ehe sie aus dem Wasser gerettet wurde.

Das schlimme Erlebnis von Berlin war ein trauriger Moment, sonst aber gibt es ausschließlich positive Aspekte. Und die gehen die gesamte polnische Familie an, die 1989 aus Danzig nach Deutschland kam. Alle sechs Mitglieder sind irgendwann einmal mit Leistungssport in Berührung gekommen und das ist auch heute noch der Fall, mit Ausnahme von Angelika, 25, die gesundheitsbedingt kürzer trat und mittlerweile Mutter einer acht Monate alten Tochter (Mia) ist.

Wäre der Unfall in Berlin nicht passiert, wäre Natalie Charlos womöglich noch immer im Spitzensport dabei und hätte sich laut ihrer Mutter Renata sicherlich auch für Olympia 2016 in Rio qualifiziert. Die Lehramtsstudentin schwimmt heute jedoch nur noch in der Freizeit und bestreitet keine Wettkämpfe für das Swim-Team Elmshorn oder die polnische Nationalmannschaft mehr. „Ich war nach dem Vorfall in Berlin sehr gehemmt und hätte nie wieder 100 Prozent bei einem Wettkampf geben können“, so die 22-Jährige. Gerade im Sport wären aber eben diese 100 Prozent sehr wichtig. Zudem habe ihr am Ende der Spaß und die Motivation gefehlt, um leistungsbezogen weiterzuschwimmen. Ab und zu trainiert Charlos heute noch mit ihrer alten Trainingsgruppe beim ST Elmshorn, aber nicht mehr wie früher ein- bis zweimal pro Woche. Ganz ohne Sport geht es bei ihr eben doch nicht.

Für ihr Interesse am Schwimmen war zu Beginn der ältere Bruder Martin verantwortlich. Als sie fünf Jahre alt war, schwamm dieser bereits beim Swim-Team. Auch der 27-Jährige agierte leistungsbezogen und stieg im Jahr 2007 sogar mit den Elmshorner Herren in die 2. Bundesliga auf.

Heute sagt Natalie Charlos: „Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt im Wasser. Das ist einfach mein Element.“ 2012 erfüllte sie sich dann ihren Kindheitstraum: die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Auf der Zehn-Kilometer-Strecke landete die für Polen angetretene Sportlerin auf dem achtbaren 15. Platz. Ihre Mutter Renata sieht eine Verbindung zwischen dem Abschneiden bei Olympia und dem Vorfall in Berlin. Auch in London bekam die Langstreckenschwimmerin auf den letzten Metern Probleme, ohne die sie wohl unter den ersten zehn gelandet wäre. Deshalb suchte sie gleich anschließend einen Psychologen auf. Die Angst vor dem Versagen habe in Berlin wohl zu der Ohnmacht geführt.

Tomas und Angelika Charlos haben sich anders als ihre Geschwister beide für Tennis entschieden. Der 20-Jährige guckte seiner Schwester früher häufiger beim Training zu und entdeckte so seine Leidenschaft für den Sport. Knapp 15 Jahre später konnte der für Rot-Weiss Wahlstedt spielende Elmshorner im vergangenen Sommer seine ersten Weltranglistenpunkte holen. Heute studiert Tomas an der Baylor University in Texas (USA). „Es ist für mich eine perfekte Kombination aus Sport und Universität, die es so nirgendwo anders gibt“, sagt Tennis-Ass Charlos. Nachdem er im Dezember einen positiven Bescheid bekommen hatte, ging alles ganz schnell. „Ich bin stolz auf meinen Sohn“, sagt Mutter Renata. „Er ist auf dem richtigen Weg.“

In Texas hat sich der Regionalligaspieler mittlerweile gut eingelebt. „Die Menschen hier sind äußerst hilfsbereit und nett.“ Man fühle sich schnell wohl dort. Den Vormittag verbringt er noch in der Uni, ehe es anschließend auf den Trainingsplatz geht. Am Mittwoch, 18. Mai, kehrt der Elmshorner erst einmal für zwei Monate in seine Heimatstadt zurück und bestreitet im Verlauf des Sommers Punktspiele für seinen aktuellen Verein in Wahlstedt, für den die Saison mit zwei Niederlagen begann. Mit Tomas wird es vielleicht besser. Anschließend geht es zurück in die USA. „Ich möchte mich dort zunächst einmal weiterentwickeln und ein starkes Fundament legen“, so sagt er. Nach Ende des Studiums möchte Charlos sein Glück auf der Profi-Tour versuchen.

Unterstützt wird er dabei von seinen Eltern, die nach der Übersiedlung aus Polen schnell heimisch wurden in Deutschland. „Wir sind alle so stark durch den Sport miteinander verbunden, wie ich es mir vor Jahren kaum vorstellen konnte“, sagt Renata Charlos. Sie ist überzeugt davon, dass Tomas seinen Weg gehen wird, auch wenn es nicht einfach für sie ist, dass ihr Sohn jetzt in den USA lebt. „Aber wenn er glücklich ist, unterstütze ich ihn und drücke ihm die Daumen.“