Pinneberg
Speedway

Motorsport ist selbstverständlich auch Frauensache

Rasanz und Tempo, das lieben die Fans: Am 1. Mai startet in Brokstedt die neue Speedway-Bundesliga-Saison. Mit dabei auch Matthias Kröger aus Bokel (l.)

Rasanz und Tempo, das lieben die Fans: Am 1. Mai startet in Brokstedt die neue Speedway-Bundesliga-Saison. Mit dabei auch Matthias Kröger aus Bokel (l.)

Foto: Schubert

Anja Becker und Birgit Schwarz-Nenninger sind zwei von vielen weiblichen Speedway-Fans. MSC Brokstedt eröffnet die Bundesliga-Saison.

Moorrege/Brokstedt.  Da ist dieses Prickeln, das Anja Becker schon auf der Anfahrt zum Holsteinring in Brokstedt spürt. Und wenn die 34 Jahre Moorregerin auf dem Parkplatz mit ihrer Familie oder Freunden aus dem Auto steigt, ist da auch dieser unbeschreibliche Geruch von Methanol. Sie vernimmt Motorenlärm, nicht weit entfernt wird auf dem Rennoval Staub aufgewirbelt. Anja Becker ist durch und durch Motorsport-Fan, speziell Anhängerin des Speedway, wie er in Brokstedt bei Neumünster professionell läuft.

Weibliche Fans interessiert vor allem das Abschneiden von Matthias Kröger

Wenn am Sonntag, 1. Mai, um 14 Uhr beim MSC Brokstedt die Bundesliga-Saison eröffnet wird, ist die Angestellte eines Moorreger Autohauses selbstverständlich hautnah mit dabei. Eine Frau als direkt Beteiligte in einem knallharten Männersport? Soll man das wirklich glauben? „Man kann“, sagt sie mit Nachdruck. „Mehr Fan als ich kann man kaum sein.“

Anja Becker ist nur eine aus der großen Schar weiblicher Motorsportenthusiasten, die im Kreis Pinneberg wohnen und regelmäßig Veranstaltungen im norddeutschen Raum, speziell die im relativ nahe gelegenen Brokstedt besuchen. „Sobald die Motoren aufheulen, packt einen das Fieber, live dabei zu sein“, bekennt sie. Ihre Schwägerin Daniela Becker, die in Kölln-Reisiek wohnt, denkt ähnlich und ist wie Anja Beckers Freund Daniel Pischke und ihr Bruder Rico Stammgast auf dem Holsteinring. Alle kennen bestens den Bokeler Routinier Matthias Kröger, der seit Jahren fester Bestandteil des Bundesliga-Teams ist.

Die Moorregerin gilt als Riesenfan von Tobias Kroner (Dohren), Kapitän der Bundesliga-Mannschaft. Wichtig für sie: Im Fahrerlager bekomme man problemlos Kontakt zu den verwegenen Motorsportcracks. Die gewähren am Rande des Geschehens unkompliziert Eindrücke in ihren Sport. Auch diese Tatsache zeichne das Umfeld aus. In dem fühlte sich Anja Becker schon als Jugendliche pudelwohl. In ihrem ostdeutschen Heimatort Lübz entdeckte sie die Affinität zum Speedway. Lübz liegt nur rund 15 Kilometer entfernt von Parchim, wo bis heute regelmäßig Veranstaltungen ausgetragen werden. Die damalige DDR galt als Hochburg des Motorradrennsports.

Anja Becker ist eine gute Bekannte von Birgit Schwarz-Nenninger. Die schob noch den Kinderwagen vor sich her, als sie unterwegs zu Schleswig-Holsteins Rennsportpisten wie Brokstedt oder Nordhastedt war. „Fast nirgendwo im Sport geht es so verbindlich und familiär wie beim Speedway zu“, betont die 52-Jährige Elmshornerin, die in früheren Zeiten selbst Motorrad fuhr, allerdings nur ab und zu und dann in der Freizeit.

Ihre Söhne Tim, 25, und Thore Hägemann, 22, sind geradezu vernarrt in diese Art von Motorsportrennen. Tim und Thore lassen vor allem niemals Events in Brokstedt aus, wo sie am Rande des Geschehens für ordentlich Stimmung sorgen und eine eigene Fangemeinschaft („1. Ecke Brokstedt“) gründeten. Birgit Schwarz-Nenninger, Pflege- und Wohnberaterin bei pflege.de: „Ich höre das immer wieder. Egal ob alt oder jung, Speedway spricht auch Frauen an. Sie sind von der Action häufig eher fasziniert, als würden sie beispielsweise beim Fußball zugucken.“

Man darf jetzt gespannt sein, ob die weiblichen Fans des MSC Brokstedt am Sonntag Grund zum Jubeln haben – so wie es vor knapp zwei Jahren beim Gewinn des deutschen Mannschaftstitels gewesen war. Gegner zum Auftakt ist am Sonntag das ST Wolfslake (Brandenburg) 2015 wurde statt der angepeilten Titelverteidigung das Saisonfinale um sage und schreibe einen Punkt verpasst, und der MSC wurde am Ende nur Dritter. Diese Saison soll es dann wieder mit der Meisterschaft klappen. Der Eintritt am Sonntag: 16 und 14 Euro, Kinder unter zwölf Jahren frei.