Pinneberg
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Der VfL Pinneberg ringt Altona 93 im Regen nieder

Kampf war Trumpf in diesem intensiven Duell an der Fahltsweide: Der Pinneberger Jan-Philipp Zimmermann (r.) gewinnt den Zweikampf mit Altonas Kemo Kranich

Foto: Meincke Kalle

Kampf war Trumpf in diesem intensiven Duell an der Fahltsweide: Der Pinneberger Jan-Philipp Zimmermann (r.) gewinnt den Zweikampf mit Altonas Kemo Kranich

Oberligist gewinnt Nachholspiel gegen die seit 14 Partien unbesiegten Hamburger 2:0. Team verlässt dadurch vorläufig Abstiegsränge.

Pinneberg.  Die Kleinsten im Kader waren die Größten. Von Rechtsaußen Luis Diaz und Rechtsverteidiger Daniel Diaz, je 1,74 Meter, ging beim 2:0 (0:0) des VfL Pinneberg über Altona 93 die Initialzündung aus. Daniel Diaz, den zu diesem Zeitpunkt offenbar nichts mehr hinten hielt, brachte den Mut zu gefährlichen Distanzschüssen (70., 77., 80.) auf. Zwillingsbruder Luis tickte ähnlich und hielt ebenfalls einfach mal drauf. Von einem Gegenspieler abgefälscht landete der Ball bei AFC-Keeper Joshua du Preez im Netz.

In der 81. Minute hatten die Pinneberger Oberliga-Fußballer die heiß ersehnte Führung. Jubelnd schlug der Torschütze die Eckfahne aus dem Boden. Der eingewechselte Fabian Knottnerus krönte die taktische und kämpferische Glanzleistung des VfL an diesem Abend mit dem Treffer zum 2:0 (88.). Vom linken Torpfosten sprang der Ball über die Torlinie. "Endlich hatten wir mal das Glück, das uns so oft fehlte", freute sich Spielertrainer Thorben Reibe, der sich darauf beschränkte, die letzten elf Minuten mitzuwirken. Den bisherigen Viertletzten Buxtehuder SV haben die Pinneberger damit zunächst überflügelt. Nun kommt es darauf an, auch im Auswärtstreffen am Sonnabend um 14 Uhr beim Fünftletzten Meiendorfer SV zu bestehen.

Der frühere Ligaobmann David Fock malt das Schreckensszenario für die Oberligateams im Abstiegskampf an die Wand. "St. Pauli II und HSV II schaffen den Klassenerhalt in der Regionalliga nicht, Altona steigt nicht auf. Dann hast du plötzlich vier Absteiger aus der Oberliga Hamburg."

Tablettweise schleppten die AFC-Fans die Bierbecher unter das Tribünendach. Endlich einmal war Leben im Stadion am Rosengarten. Nach dem Abpfiff standen sie am Ausgang und begleiteten ihre Lieblinge mit Beifall in die Kabine. Mit anderen Worten: Schlecht haben die Altonaer, die mit der Empfehlung von 14 Partien in Folge ohne Niederlage angetreten waren, nicht gespielt. Kemo Kranich (früher Wedeler TSV) schlug eine Traumflanke von rechts in den Strafraum. Teamgefährte Jan-Luca Segedi wuchtete den Ball mit der Stirn an die Querstange. Im strömenden Regen blieb den Pinnebergern die kalte Dusche unmittelbar vor dem Seitenwechsel erspart.

Der VfL Pinneberg ist seit nunmehr 463 Minuten ohne Gegentreffer

Ansonsten klebte der überragende Tim Vollmer wie Pattex an den Fersen Kranichs. "Schweiß, Leidenschaft, Blut und Kampf um jeden Grashalm", hatte er vor dem Anpfiff gefordert. Der Pinneberger Abwehrchef ging mit gutem Beispiel voran. "Als Kapitän musste er das auch", sagte sein Vater Uwe, früherer Trainer des SC Egenbüttel. Die Teamgefährten zogen mit. Linksverteidiger Steffen Maaß zeigte gnadenlose Härte gegen sich und andere. Offensivspieler Dario Ivanko sank nach einem "Bauchschuss" zu Boden.

Seit nunmehr 463 Minuten sind die Pinneberger ohne Gegentor. Das verdankten sie auch Keeper Norman Baese, der zu Beginn mit verunglückten Abstößen etwas Kopfschütteln ausgelöst hatte. In der 50. Minute leistete sich Luis Diaz einen Ballverlust am eigenen Strafraum. Ali Moslehe hatte freies Schussfeld. Baese warf sich ihm entgegen und lenkte den Ball irgendwie mit den Füßen zur Seite. In der 56. Minute nahm der Ball bei einem Dropkick von Felix Brügmann auf dem nassen Boden enorm an Fahrt auf.

Baese tauchte in seine linke Ecke und bereinigte die Gefahr im Stile eines Könners. Zehn Minuten später verschätzte sich der Schlussmann jedoch bei einem Eckball. Beim Nachschuss von Benjamin Lipke stockte den VfL-Fans der Atem. Erst hielt Christian Dirksen kurz vor der eigenen Torlinie den Kopf hin. Dann prallte der Ball sofort an Tim Vollmers Schädel. Auch in dieser Szene kamen die Pinneberger mit dem Schrecken davon. Die Kugel flog nicht ins Netz, sondern über das Tor. "Wir hätten 3:0 führen müssen", ärgerte sich Altonas sportlicher Leiter Andreas Klobedanz, von 2000 bis 2005 Coach des TSV Uetersen.

Diskussionswürdig war allerdings die Szene in der 58.Minute. Nach einem Kopfball-Zuspiel von Sascha Richert strebte Tim Jeske dem AFC-Gehäuse entgegen. Den leichten Trikotzupfer von Gegenspieler Ronny Buchholz hätte der Schiedsrichter auch mit einem Strafstoß ahnden können. Jeske brachte keinen vernünftigen Abschluss mehr zustande. Was ist bloß los mit ihm? Zu Zeiten beim FC Elmshorn hätte er über so einen Kontakt nur gelacht und sich vom Weg vom Torerfolg nicht so leicht abbringen lassen.

VfL Pinneberg: Baese - D. Diaz, Vollmer, Zimmermann, Maaß - Kulicke (79. Reibe), Richert - L. Diaz, Ivanko (58. Dirksen), Jeske (65. Knottnerus) - Borck. Tore: 1:0 L. Diaz (81.), 2:0 Knottnerus (88.). Schiedsrichter: Porsch (Barsbütteler SV) – Zuschauer: 250. Unterhaltungswert: mittel bis hoch.

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