Pinneberg
Basketball

Talent des SC Rist glänzt in Nationalmannschaft

Geschichte geschrieben: Louis Olinde (r.) feiert mit seinen Teamkameraden den ersten Sieg Deutschlands bei diesem prestigeträchtigen Nachwuchsturnier

Geschichte geschrieben: Louis Olinde (r.) feiert mit seinen Teamkameraden den ersten Sieg Deutschlands bei diesem prestigeträchtigen Nachwuchsturnier

Foto: DBB / HA

Wedels Louis Olinde siegt mit der deutschen U-18-Auswahl bei hochkarätigem Turnier in Mannheim und strebt eine Karriere als Profi an.

Wedel.  Im Leben von Louis Olinde, 18, dreht sich so gut wie alles um Basketball. Bereits morgens steht er vor Schulbeginn eineinhalb Stunden in der Sporthalle. Der Hamburger besucht die Eliteschule des Sports am Alten Teichweg und wirft für gleich drei Mannschaften Bälle durch den Korb – für den SC Rist in der Pro B, eine Spielklasse höher bei den Hamburg Towers und zusätzlich noch für die Piraten Hamburg in der Nachwuchs-Bundesliga. Der 2,05-Meter große Basketballer, der sowohl auf dem Flügel als auch in Korbnähe eingesetzt wird, gilt bundesweit als eines der größten Nachwuchstalente und setzte mit der U-18-Nationalmannschaft zuletzt auch international ein Ausrufezeichen.

Erstmalig gewann Deutschland bei der 28. Auflage das traditionsreiche Albert-Schweitzer-Turnier in Mannheim, an dem 12 Nationen teilnahmen. „Das ist bisher mein größter Erfolg“, sagt Olinde, der vor zwei Jahren mit der U 16 Siebter bei einer EM geworden war. Im Finale gewann Deutschland 70:65 gegen Serbien. Er steuerte in 25 Minuten Einsatzzeit zehn Punkte, acht Rebounds und zwei Ballgewinne bei. „Zu Beginn des Turniers lief es für das Team gut, für mich persönlich eher weniger. Aber im weiteren Verlauf habe ich mich gesteigert und immer mehr gespielt.“

In der Vorbereitung reiste er mit dem Zug sogar noch nach Herten, um den SC Rist in der Abstiegsrunde zu unterstützen. Für das kürzlich 18 Jahre alt gewordene Talent ist dieses Transportmittel vom Wohnort Hamburg-Winterhude aus ohnehin derzeit erste Wahl. In drei Wochen stehen die Abiturprüfungen an. Er hat die Profile Sport, Biologie und Politik gewählt. Erst nach dem Anschluss wird der Führerschein in Angriff genommen.

Bei vier Trainingseinheiten nachmittags nach der Schule und den Spielen am Wochenende ist der Terminkalender stets gut gefüllt. „Klar gibt es auch mal Tage, an denen ich wenig Lust auf Training habe. Aber wenn man sich dann aufrafft, macht es doch wieder Spaß“, sagt der Nationalspieler. Wöchentlich bekommt Olinde einen Plan, ob er in Wedel oder Wilhelmsburg am Mannschaftstraining teilnimmt. Die wenige Freizeit wird mit der Freundin oder der Playstation verbracht. „Manchmal ruhe ich mich auch einfach nur aus und höre Musik“, sagt Olinde, der sich mit zehn Jahren gegen Schwimmen und für Basketball entschied.

Seine Lieblingsmannschaft sind die Los Angeles Lakers. Im US-Bundesstaat Kalifornien begann Vater Wilbert seine Basketball-Karriere, die ihn als Teamkapitän des ASC Göttingen in den 1980er Jahren – gemeinsam mit Holger Geschwindner, Entdecker von Dirk Nowitzki – zu drei deutschen Meisterschaften und zwei Pokalsiegen führte. Auch Mutter Ursula spielte einst Basketball in der 2. Liga für die BG Göttingen. „Klar gibt mein Vater mir mal Tipps, aber sonst mischt er sich nicht ein“, so Olinde. Nach dem erfolgreichen Abitur möchte er sich die „nächsten zwei, drei Jahre“ komplett der sportlichen Karriere widmen. „Falls es nicht klappt, habe ich ja immer noch das Abitur als Grundlage. Einen konkreten Plan B habe ich noch nicht.“ Denkbar wäre auch ein Fernstudium parallel zum Basketball.

Trainer Michael Claxton prophezeit dem Talent eine große Zukunft

Geht es nach dem Wedeler Trainer Michael Claxton, habe Olinde das Potenzial, „auf einem sehr hohen Level zu spielen“. Trotz seines jungen Alters tritt er furchtlos und selbstbewusst auf und stellt sich auch durchsetzungsfähig dem Konkurrenzkampf um Spielzeit mit den eigenen Teamkameraden. „Gerade in dieser Saison hat er sich enorm weiterentwickelt. Er ist ein sagenhaftes Talent“, lobt der Rist-Coach.

Für die Towers kam er bisher in drei Partien zum Einsatz. Beim SC Rist spielt Olinde fast 20 Minuten im Schnitt, erzielt 5,9 Punkte und greift sich 3,8 Korbabpraller. „Die Werte sind okay. Aber besser geht es natürlich immer“, meint der Basketballer. Möglicherweise trumpft er schon bei seinem kommenden Einsatz für die Wedeler in den Play-downs auf. Der SC Rist (18 Punkte) spielt als Tabellenerster am Sonnabend, 9. April, in der Steinberghalle um 19 Uhr gegen den Letzten EN Baskets Schwelm (zwölf Punkte). „Mit dem Klassenerhalt sieht es gut aus“, sagt Olinde. Ein weiterer Sieg wäre wichtig. Schließlich hat Louis Olinde sich gerade an den Erfolg gewöhnt.