Pinneberg
Speedway

Internationaler Saisonauftakt in Uetersens Partnerstadt

Bereits in der Speedway-Bundesliga präsentierten sich Antonio Lindbäck und Tobias Kroner (vorn) als harmonierendes Duo im Team des MSC Brokstedt

Bereits in der Speedway-Bundesliga präsentierten sich Antonio Lindbäck und Tobias Kroner (vorn) als harmonierendes Duo im Team des MSC Brokstedt

Foto: Schubert

In Wittstock steigt das erste große deutsche Motorsport-Event 2016. Regelmäßige Kontakte untereinander gibt es seit 1990.

Uetersen.  Andrea Hansen darf sich ein relativ entspanntes Wochenende gönnen. Dieses Privileg genießt Uetersens Bürgermeisterin nicht regelmäßig. Dabei hätte auch diese Option möglich sein können: Das Gemeinde-Oberhaupt der Rosenstadt steigt am Sonnabend, 12. März, in ihr Auto und fährt über die Autobahn ins etwa zweieinhalb Stunden entfernte Wittstock an der Dosse. Doch die Bürgermeisterin bleibt zu Hause. Sie hat vom veranstaltenden MSC Wölfe Wittstock auch keine Einladung für die Saisoneröffnung auf dem Heidering mit internationalen Speedwaycracks erhalten (Beginn am Sonnabend um 14 Uhr). Es ist ein Motorsportknüller der Extraklasse.

Uetersen (ca. 18.000 Einwohner) und Wittstock (15.600 Bewohner) sind Partnerstädte, und das seit über 25 Jahren. Wäre das denn kein Grund gewesen, um mal in den rasanten Rennsport hineinzuhorchen? „Ich muss sagen, ich bin eigentlich kein Motorsportfan“, sagt Bürgermeisterin Andrea Hansen. Im Gegensatz übrigens zu Hunderten von Speedway-Enthusiasten, die sich in den Vormittagsstunden auf den Weg in den Westen machten.

Was verbindet Partnerstädte heute noch? Kann es auch der Sport sein? Eher nicht, wenn man sich so umhört. Andrea Hansen: „Eine Städtepartnerschaft ist nicht Bürgermeistern oder Stadtoberen vorbehalten. Bürger entdecken gemeinsam, welche Gemeinsamkeiten sie haben.“ Das beträfe inbesondere soziale und kulturelle Bereiche wie Kunst und Musik, aber auch die Teilnahme an Empfängen oder ähnlichen gesellschaftlichen Anlässen.

Im Oktober vergangenen Jahres gab es so einen: 25 Jahre Städtepartnerschaft – im Jübiläumsjahr der Deutschen Einheit – bildete den Hintergrund zu einem großen Jubiläumsfest, an dem auch Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann und anderen Gäste teilnahmen. Das war auch am Neujahrsempfang 2016 der Fall gewesen. Die Wittstocker ließen es sich nicht nehmen, ein reizvolles Kulturprogramm mit Tänzen einer Musikschule und eines Karnevalclubs zu präsentieren. 2009, im Jahr des 775. Bestehens der Stadt Uetersen, fand ebenfalls ein großer Empfang in der Rosenstadt statt. Andrea Hansen, Fußballfan des FC St. Pauli: „Ich kann mich aber auch an einige Gegenbesuche erinnern, bei denen wir viele schöne Stunden gemeinsam verbracht haben.“

Im Rahmen einer Städtepartnerschaft gegenseitig Anregungen zu geben und Gedanken auszutauschen, das weiß auch die Bürgermeisterin, ist etwas in die Jahre gekommen. Gerade die ältere Generation aber freut sich immer wieder darüber, wenn man bei gemeinsamen Treffen die Vergangenheit wieder aufleben lässt.

Die Gegenwart, das ist am Sonnabend aber erst einmal der Sport, und zwar ein modern inszenierter, bei dem es auch um viel Geld geht. Michael Schubert übernimmt erneut die Rolle des Bahnsprechers. Dem Kommentator aus Moorrege zur Seite steht der frühere und einzige deutsche Speedway-Weltmeister (1983) Egon Müller aus Kiel, der in den Pausen Interviews auf der Bahn führt. Michael Schubert, der 1997 und 2014 zwei Bücher über Uetersen geschrieben hat: „Wir hätten Frau Hansen gern begrüßt. Vielleicht ergibt sich bei einem anderen Motorsportereignis ja die Gelegenheit.“

Motorsport in der brandenburgischen Stadt hat eine lange Tradition, galt Wittstock doch bereits zu Zeiten der DDR als eine der Hochburgen im Bahnsport. Nach der Wende versank der Motorsport dort zwar zunächst in der Bedeutungslosigkeit, doch seit einigen Jahren haben die Macher dem Traditionsclub rund um den Heidering neues Leben eingehaucht. Umfangreiche Umbauarbeiten auf dem Stadiongelände sowie die Errichtung einer neuen Speedway-Bahn bescherten der Uetersener Partnerstadt optimale Bedingungen.