Pinneberg
Tennis

Sie treibt ihre Gegnerinnen über den Platz

Foto: Hameister

Die für den Pinneberger TC spielende Sebil Demirbaga ist zweifache U-14-Landesmeisterin und hat einen Bruder, der zwei Jahre beim HSV kickte.

Pinneberg.  Wenn Sibel Demirbaga auf dem Tennisplatz konzentriert an der Grundlinie steht, plötzlich dann die Initiative übernimmt und mit präzisen Vor- und Rückhandtreibschlägen in Aktion tritt, geraten Zuschauer ins Staunen. Die 14 Jahre alte Nachwuchsspielerin des Pinneberger TC versteht die Art Tennis zu spielen um einiges besser als so manches Mädchen ihres Alters in Schleswig-Holstein. Nicht von ungefähr kommt es, dass die in Hamburg-Langenhorn wohnhafte Schülerin sowohl im Freien als auch in der Halle Landesmeisterin in der U 14 ist.

„Sibel ist eines der größten Talente, das wir jemals hatten“, erkannte unlängst schon der zweite PTC-Vorsitzende und Herren-40-Spieler Jörn Hellfritsch, mit dessen Tochter Pauline die rasante Aufsteigerin in der ersten Pinneberger Damenmannschaft (Landesliga) um Punkte kämpft. Ihr Trainer ist seit eineinhalb Jahren Nicolas Hameister. Der kümmert sich auch um zwei andere Nachwuchsakteure im Verein, nämlich Paulines Bruder Lucas Hellfritsch, 17, derzeit Nummer eins in der Landesrangliste der U 17. In Obhut hat er auch Paul Ohde, 16, von der SV Blankenese.

Die kontinuierlich gute Entwicklung seines Schützlings nahm Nicolas Hameister zum Anlass, mit Sibel Demirbaga zu den deutschen Hallenmeisterschaften ins Leistungszentrum nach Essen zu fahren. Auch wenn Sibel – in ihrem Jahrgang ist sie in Deutschland die Nummer 22 – in der Auftaktrunde an der Nürnbergerin Celina Ermann scheiterte, wirkten Spielerin und Coach nicht unzufrieden. Nachdem das PTC-Ass im Sommer bei der DM in Ludwigshafen noch an der jungen Fränkin in zwei Sätzen gescheitert war (5:7, 5:7), ging es diesmal in drei umkämpften Sätzen (6:3, 4:6, 6:2 für Ermann) knapper aus. Im Doppel trat die Spielerin des PTC zusammen mit Maja Lietzau (TEC Waldau Stuttgart) an und verlor im Achtelfinale.

Wenn es auf deutscher Ebene auch noch keinen durchschlagenden Erfolg gegeben hat: Schleswig-Holsteins Ranglistenerste und Trainer Hameister sind ein eingespieltes, gut harmonierendes Team. Er weiß um ihre Stärken und Schwächen, sie weiß all das umzusetzen, was sie vom Coach an Empfehlungen und Tipps im Training und während eines Matches mit auf den Weg bekommt. „In Essen hat sie sich noch nicht belohnt für das, was sie eigentlich zu leisten imstande ist“, sagt Coach Hameister, 28, dessen Bruder Alexander kein Unbekannter im Kreis ist, denn der spielte vor Jahren für die SV Halstenbek-Rellingen und ist heute Trainer bei der SV Blankenese.

Nicolas Hameister, der in Halstenbek zu Hause ist, fährt zweimal die Woche nach Langenhorn, um Sibel abzuholen und mit ihr in der PTC-Halle am Voßbarg intensiv zu trainieren. Schleswig-Holsteins Nummer eins besucht das Sportgymnasium am Heidberg an der Tangstedter Landstraße. Die Schülerin besucht dort die zehnte Klasse und genießt die Vorzüge, die die individuelle schulische Ausbildung mit sich bringt. Hameister: „Sibel hat schnell gelernt, Spaß auf dem Platz zu entwickeln und ist durch und durch Mannschaftssportlerin. Ihre Power ist erstaunlich, sie agiert ausgesprochen schlau und wirft mentale Stärken in die Waagschale.“

Und wie sieht Sibel Demirbaga selbst ihre Zukunft? „Ich würde schon gerne Profi werden“, sagt sie, deren Traum es wäre, eines Tages dem Schweizer Weltranglistenspieler Roger Federer zu begegnen, um mit ihm vielleicht ein paar Bälle zu schlagen. Und wie geht sie in ihrem jungen Alter mit Niederlagen um? „Da hilft Musik hören und laufen gehen. Außerdem ist ein Gespräch mit meinem Trainer hilfreich.“

Sibel Demirbaga findet es gut, dass Nico Hameister auch bemüht ist, andere Jungen und Mädchen – nicht nur vom Pinneberger TC – beim Tennis voranzubringen. Der Halstenbeker, beim PTC für den Leistungsbereich verantwortlich, hält Ausschau in der gesamten Region des Hamburger Nordwestens: „Die besten Jugendlichen sollen auch die besten Ausbildungsmöglichkeiten bekommen“, sagt er. Profitieren von der Zielrichtung konnte inzwischen auch die erste Herrenmannschaft, die schon dreimal hintereinander einen Aufstieg feierte und deren Aufschwung nicht vorbei zu sein scheint – die Nordliga ist das Ziel.

Sibel Demirbaga hat noch einen Bruder, der es ihr vor Jahren fast vorgemacht hätte, wie man Profi werden kann. Der 25-jährige Levent, der heute in der Fußball-Landesliga für den SC Alstertal-Langenhorn spielt, war 2007 zu den HSV-Junioren gewechselt, schaffte bis zur Saison 2008 aber nicht den Sprung in den Profikader.