Elmshorn

Die Tristesse nimmt zu

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Beim FC Elmshorn verfliegt Begeisterung frühererTage. Mühseliges 3:2 über VfL Pinneberg II

Elmshorn. Das Sprecherhäuschen ist verwaist. Niemand bedient die Anzeigentafel. Die vielen weißen Flächen auf der Spielfeldumrandung zeugen vom Verlust einiger Werbepartner. Noch nicht einmal 100 Zuschauer säumen den Rasen. Willkommen in der Tristesse namens Wilhelmstraße.

Vor drei Jahren war rund um den Sportplatz oft kein Parkplatz mehr zu bekommen. Die Fans feierten die Fußballer des FC Elmshorn auf ihrem Weg zum Oberliga-Titelgewinn. Gegner wie der VfL Pinneberg stellten kein Hindernis dar. Die Begeisterung ist verflogen. An diesem trüben Oktober-Abend sind alle schon froh, dass es zu einem Sieg über die VfL-Reserve gereicht hat.

Es gibt Hoffnung, dass den Elmshornern, die sich gesund schrumpfen müssen und sich deshalb vor einem Jahr aus der höchsten Hamburger Spielklasse abmeldeten, wenigstens der Abstieg in die Bezirksliga erspart bleibt. Mit einem 3:2 (1:0)-Erfolg näherten sie sich den unterlegenen Kreisstädtern bis auf einen Zähler an. „Wir haben den FCE wieder zu Leben erweckt“, ärgerte sich VfL II-Coach Patrick Funk an früherer Wirkungsstätte (als Trainer im Nachwuchsbereich).

Eine Idee des Elmshorner Trainers Dennis Gersdorf und ein Doppelschlag brachten die Entscheidung. In der 68. Minute wechselte er Ömer Aygün für Jannik Ruhser ein. Fünf Minuten riss Aygüns perfekter Flachpass über 40 Metern zu Dennis Ghadimi die VfL- Abwehr auf wie ein Skalpell die Haut. Ghadimis Rückpass von rechts verwertete Patrick Hiob eiskalt zum 2:1 (73.).

Oberligaerfahrene Akteure heben dasNiveau des VfL nicht wesentlich an

Beim nächsten Elmshorner Angriff flog Ghadimis „Lupfer“ an die Querstange. Henri Louis Weigand stand goldrichtig – 3:1 (74.). Kurze Zeit später geleitete der Beifall der Teamgefährten Hiob vom Platz. In der 14. Minute hatte der Torjäger schon zwei Gegner an der Strafraumgrenze ausgetanzt und mit einem Schuss ins Eck das 1:0 erzielt. Die Elmshorner wissen, was sie an ihm haben und warum sie ihm die eine oder andere Extravaganz genehmigen.

Zugejubelt wurde an der Wilhelmstraße einst auch Tim Jeske, Protagonist der Meistersaison 2012/13. Der Blondschopf, der sich im Unfrieden vom FCE trennte, wollte groß aufdrehen, daraus wurde nichts. Die Pinneberger hatten den frühzeitigen Ausfall des Stürmers (9./Verdacht auf einen Muskelfaserriss) zu verkraften. „Der Schock über diesen Verlust saß tief. Das war die erste Halbzeit zu sehen“, sagte Patrick Funk.

Später wurden die Pinneberger ein bisschen mutiger, ohne dabei zu überzeugen. Die oberligaerfahrenen Sören Lühr, Hendrik Boesten und Philipp Werning hoben die Qualität des Teams nicht wie erhofft an. Als Danny Lorenzen der Ball eher zufällig vor die Füße fiel, hieß es in der 59. Minute plötzlich 1:1. In der 88. Minute schlug Lorenzen noch eine Flanke vor das Tor, die Hendrik Boesten an die Latte köpfte. Martin Staegemann war mit der Stirn zur Stelle und sorgte mit dem Treffer zum 2:3 für Spannung in einer Partie, der zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon die Luft ausgegangen war.

( wh )

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