Pinneberg
Kampfsport

Ein Uetersener ist seit Jahren in Gala-Form

Foto: Frederik Büll / HA

Klaus Petzold begann während des Studiums mit Taekwondo. Zum 50. Geburtstag der Sportart organisiert er in Hamburg ein großes Event.

Uetersen.  Eigentlich sollte es die Kampfsportart Karate werden. „In den 1970er-Jahren waren höchstens Judo, Boxen, Karate oder Kung-Fu bekannt“, sagt Klaus Petzold. 1974 begann der Uetersener, der in Kiel sein Philosophie-Studium aufgenommen hatte, mit der koreanischen Kampfkunst Taekwondo. Eine Verwechslung der Straßen Königsweg und Königsstraße führte Petzold in die Taekwondo-Schule von Hans-Ferdinand Hunkel.

Und damit zu seiner großen Sportliebe. „Ich war sofort total begeistert. Hunkel hat die Übungen vorgemacht und im Anschluss jedem Schüler korrigierend geholfen“, so der Kampfsportler, der damals wegen Rückenproblemen mit dem Gewichtheben aufhören musste.

Seit nun 41 Jahren brennt er für das traditionelle Taekwondo, bei dem unterschiedlichste Hand- und Fußtechniken eingesetzt werden – in der traditionellen Variante „Kontaktlos“. Am Sonnabend, 24. Oktober, veranstaltet Petzold gemeinsam mit anderen Taekwondo-Veteranen in der Sporthalle Hamburg anlässlich des 50. Geburtstag dieser Kampfkunstart in Deutschland eine große, actiongeladene Gala mit zahlreichen Vorträgen und Vorführungen (siehe Infokasten). Rund 130 Erwachsene und 150 Kinder treten auf. Mit dabei sind auch Teilnehmer von Olympia, Europa- oder Weltmeisterschaften. Viele unterschiedliche Verbände haben ihr Kommen angekündigt. Über 600 Tickets sind bereits weg. „Ich möchte nicht zu viel verraten, aber wir werden mit Jugendlichen einen Weltrekord-Versuch im Bereich Bruchtest zeigen“, sagt er.

Petzold selbst ist Träger des sechsten Dan. Neun Meistergrade in der Schwarzgurt-Klasse gibt es. Für einen Aufstieg auf das nächsthöhere Level müssen teilweise bis zu sechs Jahre in Anspruch genommen werden.

Mit nun 60 Jahren hat der Uetersener, der 1987 dort den Prisma-Sportclub eröffnete und der seit 1999 gemeinsam mit Lebensgefährtin Gabi (sie betreut die Rückenschule) im Gesundheitsstudio, Fitness- und Taekwondo-Bereich engagiert ist, keine Ambitionen, das Maximum zu erreichen: „Vom vierten bis zum fünften Dan habe ich mir 19 Jahre Zeit gelassen. Dieses Gejage nach einem höheren Status ging mir irgendwann auf den Senkel.“

Ältester Taekwondo-Kursusteilnehmer in Uetersen ist über 90 Jahre alt

Er habe keine Lust mehr auf weitere Prüfungen. Überhaupt scheint Petzold ein humorvoller, lockerer Typ mit Ecken und Kanten zu sein, ausgestattet mit viel Selbstmotivation, um andere für seinen Sport zu begeistern. „Der Reiz liegt in der Intensität. Zunächst kommt man an seine körperlichen und später dann an die geistigen Grenzen. Der Faktor Mentalität ist im Taekwando riesig“, sagt Petzold, der seit seinem zwölften Lebensjahr Schwimmkurse geleitet hat. Der Antrieb zu lehren hat ihn nie losgelassen. Unzählige veranstaltete Taekwondo-Kurse – auch an Schulen – sind Beweis für seine Leidenschaft.

Der spirituelle Faktor im Taekwondo spielt für Petzold eine eher untergeordnete Rolle. „Während der Einheiten wird sich traditionell begrüßt und verabschiedet. Das Programm wird diszipliniert durchgezogen. Danach können mich Schüler, die mich Ewigkeiten kennen, auch gern wieder Knallkopp nennen“, sagt Petzold und schmunzelt. Täglich macht er seine Übungen – auch im Urlaub. „Sonst würde ich mich unwohl fühlen. Es tut mir und meinem kaputten Rücken einfach gut.“ Es könne bis ins hohe Alter betrieben werden. „Die älteste Kursusteilnehmerin ist 92 Jahre alt“, sagt der Träger der silbernen Ehrennadel der Deutschen Taekwondo Union. Gerade im Alter ist Bewegung wichtig, um die Vitalität zu erhalten. Die Dynamik des Taekwondos sei dafür perfekt, meint Klaus Petzold.

Voller Dynamik und Tatendrang wird er damals in Kiel auch an der falschen Bushaltestelle ausgestiegen sein.