Pinneberg
Sportpolitik

Hönke fürchtet Hallenschließungen in Pinneberg

Uwe Hönke, Geschäftsführer des VfL Pinneberg, findet deutliche Worte

Uwe Hönke, Geschäftsführer des VfL Pinneberg, findet deutliche Worte

Foto: Andreas Daebeler / HA

Uwe Hönke, Geschäftsführer des VfL Pinneberg, spricht im Abendblatt-Interview über marode Sportstätten, Kunstrasen und Flüchtlingen.

Pinneberg.  Im Interview mit dem Abendblatt nimmt Uwe Hönke, Geschäftsführer des VfL Pinneberg, kein Blatt vor den Mund. Die Stadt räume dem Sport nicht den angemessenen Stellenwert ein. Geräte und Hallen würden nicht gewartet. Mit der Hängepartie um einen Kunstrasenplatz beraube sich die Stadt einer großen Chance. Geht es um die Flüchtlingsthematik, so appelliert Hönke, zusammenzurücken.

Hamburger Abendblatt: Herr Hönke, die Stadt Pinneberg hat es jahrelang versäumt, ihre Schulen baulich instand zu halten. Das böse Erwachen folgte. Ein 35-Millionen-Desaster. Auf eine Sportentwicklungsplanung wartet man indes vergebens, obwohl die Vereine sie fordern und Mängel bekannt sind. Legt sich Pinneberg das nächste Millionen-Ei ins Nest?

Uwe Hönke: Ein Großteil der Pinneberger Sportstätten ist ja an die Schulen angebunden. Der Zustand dieser Sportstätten wird auch bereits von Schulen bemängelt. Wir sind als Sportvereine sozusagen nur die „Restnutzer“ und dürfen erst nach Schulschluss in die Hallen und auf die Plätze. Die Außenplätze sind bereits begangen worden, allein hier ist der Reparaturstau bereits immens. Bei den Hallen steht diese Begehung nach wie vor aus. Hier wissen wir, dass die Geräte über Jahre nicht ordnungsgemäß gewartet wurden. Und hier reden wir ja nur über die Verwaltung und Pflege des Altbestandes. Also, wir laufen Gefahr, hier den Anschluss zu verlieren. Dies kann verheerende Folgen haben.

Welche Folgen?

Hönke : Nicht gewartete Geräte könnten stillgelegt, Hallen sogar geschlossen werden, wenn die Sicherheit für Nutzer nicht mehr gewährleistet werden kann.

Im benachbarten und viel kleineren Tornesch wurde kürzlich mit dem Torneum ein Top-Sportzentrum eröffnet. Das Umland setzt auf weiche Standortfaktoren. Wird Pinneberg allmählich abgehängt?

Hönke : Es hat den Anschein! Ich gebe zu, dass es Pinneberg aufgrund der finanziellen Situation der Stadt sehr viel schwerer hat. Aber es fällt schwer, den Mitgliedern und unseren Ehrenamtlichen zu vermitteln, warum etwa Heidgraben einen Kunstrasenplatz hat und wir in Pinneberg nicht. Leider wird dem Sport in Pinneberg nicht der Stellenwert eingeräumt, den er verdient. In der städtischen Imagebroschüre „Pinneberg in der Metropolregion“ wirbt unsere Stadt mit Sportevents, die in Hamburg stattfinden. Der lokale Sport, der so unendlich viel für die Bevölkerung Pinnebergs leistet, wird nicht erwähnt. Das ist mehr als nur traurig.

Die wachsende Hockeyabteilung des VfL Pinneberg hat noch immer kein Zuhause. Obwohl über das Thema Kunstrasen schon 2011 unter Bürgermeisterin Kristin Alheit diskutiert wurde. Am Geld liegt’s offenkundig nicht – die Mitglieder der Sparte sammeln fleißig Spenden. Woran hapert es?

Hönke : Über das Thema wird sogar noch viel länger diskutiert. Der VfL Pinneberg will mit seiner Hockeyabteilung 300.000 Euro in die Sportinfrastruktur der Stadt Pinneberg investieren. Die profitiert dadurch, dass auch die Schulen, Kindergärten und Jugendeinrichtungen diese Anlage mit nutzen können. Die Stadt muss sich endlich bekennen und dem Verein eine Fläche zuweisen, dann kann es losgehen. Wir könnten ein leuchtendes Beispiel setzen, dass Pinneberg mit seinen Bürgern und Vereinen in der Lage ist, in finanziell schwierigen Zeiten kreative Lösungen zu finden. Ich hoffe auf die Ratsversammlung am 8. Oktober.

Droht sonst die Abwanderung der Sparte nach Rellingen?

Hönke : Das ist denkbar. Und die Politiker wissen dies. Es hat informelle Gespräche mit dem Rellinger Turnverein gegeben. In unseser tollen Stadt verkaufen Hockeykinder Kuchen, um das Projekt zu finanzieren. Das könnte Beispiel für ehrenamtliches Engagement zu Gunsten der Allgemeinheit sein.

An einem Thema kommen wir nicht vorbei. Auch Pinneberg sieht sich einer rasant wachsenden Zahl von Flüchtlingen gegenüber. Welche Rolle kommt Sportvereinen zu, wenn es um deren Integration geht? Was kann und will der VfL leisten und was tut der Verein bereits?

Hönke : Im Sport brauchen wir keine neue Willkommenskultur, wir leben sie bereits seit vielen Jahren! Für uns ist es selbstverständlich, dass wir uns um die Schwächeren und Schutzlosen kümmern. Da ist der gemeinwohloriente Sport die größte und stärkste Solidargemeinschaft in unserem Land. Wir kooperieren mit dem Diakonieverein Migration. Beim VfL können die Flüchtlinge beitragsfrei Sport treiben, Versicherungsschutz ist über eine Initiative unseres Landessportverbandes gegeben. Darüber hinaus wollen wir Patenschaften initiieren, Kleiderbörsen mit Sportklamotten organisieren und Integrationsfeste durchführen.

Die Lage bei der Unterbringung von Asylbewerbern spitzt sich zu. Sporthallen könnten in den Fokus rücken. Wäre der VfL bereit, zur Not zurückzustehen und Hallenzeiten zu opfern, wenn es im Winter hart auf hart kommt?

Hönke : Gerade im Winter spitzt sich die Situation in den Hallen zu, da ab Herbst auch die Außensportarten wie Hockey, Leichtathletik, Faustball und Jugendfußball ihre Hallensaison beginnen. Da müssen wir ohnehin schon alle zusammenrücken. Ich bin der Überzeugung, dass es in Pinneberg ausreichend Kapazitäten gibt, die genutzt werden können. Aber sollte es hart auf hart kommen, werden natürlich auch wir konstruktiv an Lösungen mitarbeiten. Ich kann da nur auf das bemerkenswerte Statement von Freiburgs Trainer Christian Streich verweisen, das er Mitte September vor einem anstehenden Spiel abgegeben hat. Die Partie trat dabei völlig in den Hintergrund, weil es eben wichtigeres gibt.

Der VfL hat – wie andere Sportvereine – einen Wandel durchgemacht. Klassische Mannschaftssportarten sind auf dem Rückzug, Fitness spielt eine immer wichtigere Rolle. Wo sehen Sie den Club 2020? Kann man sich dann überhaupt noch eine Fußballsparte leisten?

Hönke : Mein Ziel ist es ganz klar, den klassischen Sportverein als Solidargemeinschaft mit seinen traditionellen Abteilungen zu erhalten! Hierzu müssen wir aber neue Wege gehen. Als „Gemischtwarenladen“ wie es der VfL Pinneberg ist, ist dies ungleich schwieriger als in Monovereinen. Zudem begegnen uns als Großverein die Menschen mit einer ganz anderen Erwartungshaltung. Dieser gerecht zu werden und gleichzeitig unsere Werte zu vermitteln, ist eine unendlich spannende Aufgabe. Ja, auch 2020 wird bei uns noch Fußball gespielt und zwar unter einem gemeinsamen Dach „VfL Pinneberg“ mit Fitness, Rehabilitationssport, Kinderturnen, Leichtathletik und vielem anderen mehr.