Pinneberg
Fußball

Aus der Bezirksliga-West geht es in die 1. Liga

Drei Mexican Girls: Kapitänin Gaone (v.l.), Tumisang und Frederike Preissner sind vor einem Testspiel bestens gelaunt

Drei Mexican Girls: Kapitänin Gaone (v.l.), Tumisang und Frederike Preissner sind vor einem Testspiel bestens gelaunt

Foto: Privat / HA

Die Elmshornerin Frederike Preissner macht den Freiwilligendienst weltwärts in Botswana. Dort spielt sie Fußball bei den Mexican Girls.

Gaborone/Elmshorn.  Ihr Reiseziel Gaborone im afrikanischen Botswana erreichte Frederike Preissner erst verspätet. Der Anschlussflug von Paris nach Johannesburg wurde gestrichen, dadurch verpasste die Elmshornerin auch den Flieger in die Hauptstadt Botswanas. „Das Erste, das mir auffiel und mich wunderte, war der Linksverkehr“, berichtet sie. Die nächsten elf Monate wird Gaborone ihre Heimat sein. Sie leistet in einem Kindergarten und einer Vorschule einen Freiwilligendienst weltwärts ab – und spielt in der ersten botswanischen Frauen-Liga Fußball.

In Deutschland war Preissner acht Jahre beim FC Elmshorn aktiv. Die 19-Jährige hat etliche Jugendmannschaften durchlaufen, ehe sie in die erste Frauenmannschaft aufstieg. Dort hat sie bis zu ihrem Aufenthalt in Afrika auch trainiert und in der Bezirksliga West gespielt.

In Botswana kickt die fußballerische Allrounderin jetzt nebenbei in der National First Division South. Ihr Verein Mexican Girls, der in der vergangenen Saison den elften Tabellenplatz von zwölf Teams belegte, startet am kommenden Wochenende in die aktuelle Saison. Sie lernte die Mannschaft kennen, als sie abends joggen ging und dabei das Training beobachtete. „Es ist eine typische Frauenmannschaft. Der Trainer hat es nicht immer leicht mit uns.“, erzählt sie. Es wird sehr gern und viel geredet während des Trainings. Zwar wird untereinander viel in der Landessprache Setswana kommuniziert, aber die Übungen erklärt immer jemand auf Englisch. „Man kann das Spiel hier nicht mit dem deutschen Frauenfußball vergleichen, es ist körperbetonter und härter.“ Deswegen habe der Trainer ihr geraten ebenfalls aggressiver zu spielen.

Mit der fleischbetonten Ernährung hat die Vegetarierin so ihre Probleme

Noch ist allerdings unklar ob die Mittelfeldspielerin, die in der vergangenen Saison auch in der Abwehrzentrale gespielt hat, zu diesem Zeitpunkt schon pflichtspielberechtigt sein wird. Da es nicht einfach ist, eine international geltende Spielberechtigung zu bekommen, wird aktuell über eine Gastspiel-Lizenz für die Deutsche nachgedacht. In den letzten Testspielen wurde sie aber schon eingesetzt und konnte dabei sogar einen Treffer bei der 1:4 Niederlage vergangene Woche erzielen.

Die 19-Jährige arbeitet während ihres Aufenthaltes im Süden Afrikas in der Urban Murphy Pre-School. In diesem Kindergarten gibt es vier Klassen, die nach Altersgruppen aufgeteilt sind. Insgesamt rund 150 Kinder besuchen die Vorschule, an der acht Lehrer unterrichten. Nach der Eingewöhnungsphase arbeitet sie nun voraussichtlich bis zum Ende ihres Aufenthaltes in der Gruppe der Jüngsten, die zwischen zwei und drei Jahren alt sind. Hauptsächlich malt oder spielt sie mit den Kindern und unterstützt die Kleinen mittags beim Essen.

Problematisch ist lediglich ihre vegetarische Ernährungsweise, denn in der Gastfamilie und bei der Arbeit wird mindestens einmal am Tag Fleisch gegessen. „Bis jetzt konnte ich aber mein vegetarisches Leben weiterführen“, sagt die ehemalige Trampolin-Springerin. Täglich fährt Preissner zusammen mit ihrer vierjährigen Gastschwester Omorolo mit dem Schulbus zur sieben Kilometer entfernten Schule.

Der Schultag beginnt mit einem gemeinschaftlichen Gebet und anschließendem Singen aller Kinder. Wenn die Exil-Elmshornerin dann am späten Nachmittag wieder zuhause in ihrer fünfköpfigen Gastfamilie ankommt, geht es für sie viermal die Woche sofort weiter zum Training zu den Mexican Girls. Danach hat sie dann noch etwas Freizeit, in der sie entweder Musik hört, liest oder mit ihren Gastgeschwistern Thero, 16, und Lebu, 20, in der Küche zusammen sitzt. Thero ist auch derjenige, der in seiner Freizeit gern mit ihr auf einem der Fußballplätze, die sich gegenüber des Hauses befinden, kickt. Die Gastmutter hat eine kleine Schneiderei, in der sie Kleider und Röcke näht und verkauft. Ihr Mann besitzt einen Kiosk, in dem er Süßigkeiten und Getränke anbietet. Schon jetzt wird Preissner von den beiden als viertes Kind angesehen und dementsprechend auch behandelt. „Meine Gastmutter möchte morgens immer meine T-Shirts bügeln, damit ich ordentlich in die Schule gehe.“, sagt sie.

In ihrer neuen Heimat ist es nicht schwer neue Kontakte zu knüpfen. „Man muss nur auf die Menschen zugehen, aber häufig machen sie das auch von sich aus.“ Frederike Preissner fühlt sich schon jetzt wohl. „Natürlich vermisse ich meine Freunde und Familie in Deutschland, aber mir fehlt es hier an nichts. Ich mag Botswana, ich mag die Kultur und die Offenheit der Menschen“, sagt Preissner, die schon einen Teil der guten Grundstimmung der Afrikaner verinnerlicht hat: „Ich mag das Singen und Tanzen.“ Eventuell wird beides in den nächsten Torjubel eingebaut. Am liebsten in einem Pflichtspiel.