Pinneberg
Seeth-Ekholt

Die Chefärztin an der Tischtennis-Platte

Die Verbandsliga-Damen des TTC Seeth-Ekholt werden von Carmen Petry unterstützt. Das ehemalige 2. Herren-Team tritt auch in der Verbandsliga an

Seeth-Ekholt.  Carmen Petry rattert die Namen herunter wie ein Topspin-Gewitter. „Sandra Lubke bin ich bei Turnieren und Bezirksmeisterschaften schon begegnet, als sie noch nicht verheiratet war und Ermeling hieß. Tanja Gehm kenne ich mittlerweile privat.“ Die erfahrene Tischtennis-Spielerin aus Marne betritt beim TTC Seeth-Ekholt Neuland. Doch sie klingt so, als sei der neue Club schon vor dem Verbandsliga-Punktspielstart am Freitag, 18. September, um 20 Uhr gegen den Preetzer TSV in ihren Leib und ihre Seele übergegangen.

Beruflich ist Frau Doktor eine Kapazität. Als Chefärztin leitet sie die die Nordsee-Klinik in Friedrichskoog. Schwerpunktmäßig werden dort an Krebs erkrankte Mütter in Begleitung ihrer Kinder betreut und dabei die Annehmlichkeiten eines Hotels geboten. „Hinterher starten Sie wie neu geboren in ein neues Leben“, wirbt die Klinik.

Carmen Petry gewann bei der Tischtennis-Senioren-EM Bronze

Das neue Sportlerleben der Carmen Petry sieht nun so aus, dass sie zu den Heimspielen immer 150 Fahr-Kilometer nach Elmshorn und zurück auf sich nimmt. Auswärts sind es auch mal ein paar Kilometer mehr. Doch hohen Aufwand ist die sportbegeisterte Frau gewohnt, wenn es um ihre Leidenschaft geht. Im Juli machte sie sich den Spaß, an der Europameisterschaft der Seniorinnen in Tampere (Finnland) teilzunehmen. An der Seite von Christa Geist aus Bayern (SV Lengfurt) sprang die Bronzemedaille im Doppel 60 dabei heraus.

Ihre angenehme Art neben der Platte und ihr spielerisches Format („Kontrollierte Offensive“) hatten schon vor lange Zeit das Interesse in Seeth-Ekholt geweckt. „Genau genommen hatten wir seit Jahren an ihr gebaggert“, verrät Spielführerin Sandra Lubke. Diesen Sommer war es soweit, dass die frühere Verbandsligaspielerin des MTV Heide zusagte. Da passte es.

Die Seeth-Ekholterinnen benötigten unbedingt Verstärkung, um sich aus dem Kampf um den Klassenerhalt herauszuhalten. Petry suchte eine neue Herausforderung, nachdem sie mit den Herren des TSV Elpersbüttel aus der 2. Bezirks- in die Kreisliga abgestiegen war. „Große sportliche Alternativen gab es für mich im hohen Norden nicht“, sagt sie.

So orientierte sie sich gen Süden, wobei sie in Elpersbüttel weiterhin trainiert. Zur Saisonvorbereitung aber ließ sie sich mehrfach in der Elmshorner Sporthalle an der Hainholzer Schulstraße blicken. Sandra Lubke ist angetan von der neuen Nummer zwei des Teams. „Mit Carmen spielen wir oben mit“, lautet ihre günstige Zukunftsprognose.

Gutes (Betriebs-)Klima bietet anscheinend nicht nur Friedrichskoog. Auch die hinter Tanja Gehm und Melanie Hachmann an Position fünf gemeldete Birgit Heimann, die in Husum wohnt, bringt Opfer und versprach, mehrere Partien bestreiten zu wollen. Linda Beste, die allerdings aus privaten Gründen kürzer treten muss, kehrte vom Moorreger SV zurück. Eventuelle Lücken können von Melanie Sommer, Janina Poppe-Dechow, Britta Liebold und Jennifer Popowicz geschlossen werden. Die Vorfreude auf eine reibungslose Saison ist spürbar.

Die Männer um Torben Wieckhorst, Bennet Kühne, Barnabe Czichon, Erik Sahlmann, Niklas Wilhelm und Marcel Thiesen aber setzen sich freiwillig einem Stahlbad aus. Bislang als Zweite des TTC, die in der Landesliga Süd nur mühevoll den Klassenerhalt hinbekam, wagen sie sich nun an das Abenteuer Verbandsliga heran. Hintergrund ist, dass die bisherige Erste um das frühere Zweitliga-Ass Kai Engelbrecht nach dem Wechsel von Kreismeister Tobias Wesner zum SC Itzehoe keine Perspektiven für sich in Schleswig-Holsteins höchster Spielklasse sah. Pressesprecher Björn Lorenzen, selbst Spieler der bisherigen Ersten und am 10. September erstmals Vater geworden, erklärt, warum sich die überwiegend jungen Akteure aus der Landesliga nun dem kalten Wasser aussetzen. „Der Club wollte den Startplatz in der Verbandsliga nicht aufgeben. In einer Lagebesprechung waren unsere Landesliga-Spieler dann dafür, die Herausforderung anzunehmen. Alle haben Lust darauf. “

Viel verkehrt könne das B-Team von gestern nicht machen, sondern vielmehr wichtige Erfahrungen sammeln. Bitter, aber logisch, ist, dass die Erste der vergangenen Saison aufgrund zu hoher Leistungskennziffern keinen Ersatz an die neue Erste abstellen darf. Sofern am Ende der sportlich mit Sicherheit desaströsen Saison ein Kuraufenthalt an frischer Luft benötigt wird, hätte Dr. Carmen Petry vielleicht noch ein paar Zimmer frei.