Pinneberg
Fußball

Die früher Belächelten liegen voll im Trend

Das gab es noch nie: Während die  Moorreger samt Anhang und Betreuern jubeln, präsentiert ihnen Mitspieler Lars Rose noch einen Kopfstand bei seiner fetzigen Breakdance-Einlage

Das gab es noch nie: Während die Moorreger samt Anhang und Betreuern jubeln, präsentiert ihnen Mitspieler Lars Rose noch einen Kopfstand bei seiner fetzigen Breakdance-Einlage

Foto: Helm

Fußball-Kreisliga-Aufsteiger Moorreger SV gewinnt den Pokal der Raiffeisenbank Elbmarsch vor dem Hetlinger MTV. 2025 Besucher zu Gast in Haseldorf.

Haseldorf.  Am Morgen danach wirkte Marvin Hoffmann klar im Kopf. „Wir werden hart arbeiten müssen, um der Punktrunde erfolgreich zu sein“, mahnte der Torjäger, 20, des Moorreger SV. Vorerst aber schweben die MSV-Kicker, 2014 in die Kreisliga zurückgekehrt, im siebten Himmel. Beim 21. Turnier um den Wanderpokal der Raiffeisenbank Elbmarsch waren sie erstmals der (souveräne) Sieger. Im abschließenden Turnierspiel schlugen sie Vorjahressieger TSV Heist mit 6:1. Es war der vierte Sieg im vierten Auftritt. Mehr ging nicht.

Feier bis in die frühen Morgenstunden – vorher Sektdusche für den Trainer

Die ganze Überlegenheit der Moorreger kam gegen die Heister in der 69. Minute zum Ausdruck. Lässig umkurvte Hoffmann Gegenspieler Timo Diercksen. Keeper Kevin Krepele streckte und reckte sich nach dem Flachschuss in seine rechte Ecke vergeblich. Es war der Treffer, der Hoffmann noch fehlte, den Torjäger-Pokal sicher in seinen Besitz zu bringen. Beim 4:1 über den TSV Holm waren ihm sogar drei Treffer gelungen.

Es wurde eine lange Nacht im Schlosspark-Stadion von Gastgeber TV Haseldorf, der sich als zehnfacher Cup-Gewinner diesmal punktlos mit dem letzten Rang begnügen musste. „Die Party ging bis drei Uhr morgens“, erzählt Marvin Hoffmann. Noch auf dem Rasen spritzte der Sekt. Trainer Arne Frank konnte nicht entkommen, als ihm Verteidiger Christoph Wilksch das prickelnde Getränk über das blaue Jeanshemd goss. Dann nahmen alle einen kräftigen Schluck. Der Pokal musste es sich gefallen lassen, von innen mit Korn und Cola befeuchtet zu werden. Obmann Mathias Jürs schnappte sich den Henkeltopf und brachte die Trophäe in Sicherheit.

TVH-Obmann Jörg Dalecki machte gute Miene zum schlechten Spiel der Haseldorfer. Die Kulisse stimmte trotz der desolaten Auftritte der Gastgeber. „Man kann zufrieden sein“, sagte Dalecki angesichts 514 Zuschauern am letzten Turnierabend. Insgesamt entrichteten 2025 Besucher Eintrittsgeld. Bei Bratwurst und Bier fühlten sich alle wohl, zumal das Wetter letztlich mitspielte. Sportplatz-Sprecher Boje Richter schaute 20 Stunden in die Sonne und fühlte sich „wie im Solarium“. Missklänge? Fehlanzeige.

TVH-Kapitän Joris Lüchau war der einzige, der sich (beim 0:3 gegen den MSV) einen Platzverweis (Gelb-Rote Karte) einhandelte. „ Ich hatte es mir deftiger vorgestellt“, sagte Andree Otto, neuer Coach des TSV Holm, der erstmals dem Turnier beiwohnte. Ein paar kleine Verletzungen gab es zu beklagen, offenbar nichts Schlimmes. Wie geht es dem Moorreger Torwart Lukas Nickels, der gegen den TSV Heist umknickte und gegen Jan-Niklas Bohl ausgewechselt werden musste? Marvin Hoffmann muss lachen. „So, wie der gefeiert hat, ist es nichts Dramatisches.“

Beim Turnier-Gastgeber gehören die glorreichen Zeiten der Vergangenheit an

Zum Lachen ist allerdings nicht den Haseldorfern zumute. Nach dem Abstieg in die Kreisklasse droht mangels Spielermasse nämlich der Ausstieg aus dem Punktspielbetrieb. „Uns haben einige plötzliche Abgänge die Beine weggerissen“, sagt Jörg Dalecki. Tapfer zogen Sturmass Wito Wegner, nach einem Kreuzbandriss noch lange nicht der Alte, und Torben Feldmann ihre Bahnen.

Die Brötchen mit Burgunderbraten, die sie zu den Fans trugen, fanden reißenden Absatz. Die fetten sportlichen TVH-Jahre sind trotz der willkommenen Einnahmen vorbei. Das gilt auch für den in die Kreisliga abgestiegen TSV Holm und den TSV Heist, der sich wie der TVH in die Kreisklasse verabschiedete. Plötzlich liegen zwischen Wedel und Uetersen die früher belächelten Teams des Moorreger SV und des Hetlinger MTV (Turnierzweiter) im Trend.

Turnierspiele: TV Haseldorf – TSV Heist 0:3 (0:1 Marcel Bastide/21., 0:2 Ronny Strube/65, 0:3 Rafael Vazquez/69.), TSV Holm – Moorreger SV 1:4 (0:1 Marvin Hoffmann/3., 0:2 Hoffmann/34., 0:3 Philipp Kaiser/38., 0:4 Hoffmann/43., 1:4 Eigentor/65.), Hetlinger MTV – Moorreger SV 1:2 (1:0 Philipp Drews/12., 1:1 Christian Posern/17./, 1:2 Christoph Prüßing/58.), TSV Holm – TV Haseldorf 5:0 (1:0 Hannes Großmann/16., 2:0 Großmann/21., 3:0 Kevein Kleinwort/25., 4:0 Großmann/32.), TSV Holm – TSV Heist 1:1 (1:0 Kleinwort/44, 1:1 Martin Brügmann/50.), TV Haseldorf – Hetlinger MTV 1:2 (0:1 Drews/42., 0:2 Marco Hein/63., 1:2 Lüchau/66., Foulelfmeter),.
Moorreger SV – TV Haseldorf 3:0 (1:0 Till Teetzen/4., Eigentor, 2:0 Hoffmann/57., 3:0 Jonas Kaiser/62.), TSV Heist – Hetliner MTV 0:2 (0:1 Hein/45., 0:2 Drews/51.), Moorreger SV – TSV Heist 6:1 (1:0 Florian Bloch/3., Foulelfmeter, 2:0 Paul Sarapa/7., 3:0 Philipp Zink/24., Foulelfmeter), 3:1 Hauke Suhl/48., 4:1 Prüßing/53., 5:1 Philipp Kaiser/58., 6:1 Hoffmann/69.), Hetlinger MTV – TSV Holm 1:1 (1:0 Alexander Bandholt/33., 1:1 Großmann/35., Foulelfmeter).