Pinneberg
Wedel

Das große Staunen in Wedel: 298 Fans in einem Testspiel

Wedel. Eine kleine Schiefertafel an der Schulauerstraße wies auf das Spiel hin. Viel mehr Werbung hatten die Landesliga-Fußballer des Wedeler TSV nicht nötig. 298 zahlende Fans wohnten der freundschaftlichen Begegnung mit dem HFC Falke (4:0/0:0) bei. WTSV-Ligaobmann Walter Zessin freute sich. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir in einem Testspiel gegen einen Nicht-Bundesligisten jemals so eine Kulisse hatten.“

Die bisherigen WTSV-Spieler Dirk Hellmann und Christopher Dobirr trainieren jetzt die Mannschaft des Hamburger Clubs, der aus Unzufriedenheit mit der Umwandlung des HSV in eine Aktien-Gesellschaft ins Leben gerufen wurde. Das bewegte den einen oder anderen Wedeler, der Partie einen Besuch abzustatten. Die Mehrzahl der Zuschauer trug aber Trikots mit dem Schriftzug „HFC Falke“. An den Zäunen und Barrieren waren bunte Plakate angebracht. Bei jeder halbwegs gelungenen Aktion hallten Schlachtrufe über den Rasen.

Ein Hauch von Volkspark wehte über den Sportplatz. Alles blieb friedlich und entspannt, obwohl sich zahlreiche HFC-Fans via Facebook zum Vorglühen in einer Wedeler Gaststätte an der Bahnhofsstraße verabredet hatten. Am Ende säumten ein paar Holsten-Knollen am Straßenrand ihre Route. Wo der Club endet, der gemäß den Statuten ganz unten (Kreisklasse) beginnt, und wie lange die Euphorie letztlich anhält, bleibt offen. Angepeilt wird eines Tages die Oberliga. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Das stellten Sebastian Gonzalez (47., 60.), Mark Hinze (57.) und Jan Eggers (75.) mit ihren Torerfolgen nach der Pause schon mal klar.

Christopher Dobirr, der mit der Rückennummer drei bei den Gästen in der Verteidigung zum Einsatz kam, blieb den Wedelern als Manager erhalten. Er hatte immerhin vor dem Anpfiff ein kleines Erfolgserlebnis verbucht. Staffelrivale TBS Pinneberg erklärte nämlich sein Einverständnis, dass die Wedeler drei bisherige, offiziell aber erst am 1. Juli spielberechtigte TBS-Akteure, einsetzen durfte. Ansonsten sind die Gespräche mit den Kreisstädtern ins Stocken geraten. Den Abwehrspielern Sonay Hayran und Abdullah Yilmaz wurde zwar die Freigabe erteilt. Für Stürmer Aytac Erman und den „Sechser“ Christopher Eibl erhebt TBS nach Aussage von Walter Zessin allerdings „zu hohe Forderungen, wie in der 3. Liga“.

Als Folge davon werden die Wedeler beide Akteure nun mit einem Amateurvertrag (Arbeitslohn: mindestens 250 Euro pro Monat) ausstatten. TBS müsste sie dann ohne finanzielle Entschädigung ziehen lassen.