Pinneberg
Pferdesport

Reiten und rocken auf Ostseeinsel Fehmarn

Deichbruch Band Hetlingen

Deichbruch Band Hetlingen

Foto: Melanie Mallon / HA

Die Hetlinger Band Deichbruch tritt beim Pferdefestival auf der Insel auf. Erstmalig gibt es dort Musik. Für Reiter geht es um Punkte.

Hetlingen.  „Auf Fehmarn wird guter Sport mit Livekonzerten von Rockmusikern wie Lotto King Karl kombiniert“, sagt Niels Ostmeier aus Hetlingen. Er tritt mit seinem Band-Kollegen John Walther, 28, beim Fehmarn-Pferde- und Rockfestival auf. Es ist eines der beliebtesten Turniere in Schleswig-Holstein – eben Kult.

Die Veranstaltung, erstmalig mit Musik, sorgt für Hochbetrieb auf Deutschlands pferdeverrücktesten Ostseeinsel. Ostmeier, 23, angehender Anästhesist, war dort schon oft mit seinem Wallach Elite im Parcours. Diesmal steht jedoch die eigene Musik auf dem Programm. „Wir nennen uns seit fünf Jahren Deichbruch, es wäre für uns Hetlinger ein Albtraum, wenn der Deich nicht halten würde“, sagt Ostmeier. „Wir spielen direkt vor und nach dem Auftritt von Lotto King Karl geplant. Schon cool“, sagt er.

Die Pferdetransporter im Kreis Pinneberg sind bereits gepackt. Sättel, Trensen, Gamaschen, Heunetze, Wassertränken plus Schlafsäcke und ein kleiner Grill sind für das Personal verstaut.

Insgesamt reisen mehr als 80 Sportpferde aus dem Kreis Pinneberg für vier Turniertage auf die Insel Fehmarn. Prominente Reiter haben sich für das Festival angemeldet. Darunter Carsten-Otto Nagel aus Wedel, Lilly Matthes aus Friedrichshulde, die Geschwister Rasmus, Jule und Nisse Lüneburg aus Hetlingen, die ihr bisheriges Punkte-Konto der Springserie noch an vier weiteren Orten in Schleswig-Holstein ausbauen möchten. Der Derbysieger von 2014, Nisse Lüneburg, ist mit vier Punkten im Rückstand. Doch von Platz drei kann sich vieles am Wochenende in Bewegung setzen. Nisse Lüneburg hat Startgenehmigungen für sechs Pferde und damit einige Möglichkeiten.

Veranstalter und Organisator ist die pferde-affine Familie Köhlbrandt. In direkter Nachbarschaft der Anlage ist Olympia-Teilnehmer Kai Rüder ansässig, ebenso die internationale Amazone Inga Czwalina. In 45 unterschiedlichen Prüfungen werden junge und erfahrene Pferde präsentiert. 652 Reiter kommen pro Tag zum Wettbewerb. Alejandro Merli Soler aus Spanien, der Pferde für den Elmshorner Reit- und Fahrverein an den Start bringt, will nun auf Platz zwei liegend die Führung dieser Serie übernehmen.

Sieg, Ruhm und Ehre – darum geht es den Reiter-Assen. Für Ostmeier geht es um Musik: Sein Alltag ist straff durchorganisiert, Haupt- und Generalproben werden neben dem Job spontan organisiert. Reitsport und Musik sind für Ostmeier und seinen Bandkollegen, den Berufsreiter John Walther, eine reizvolle Kombination. „Ich glaube die Aufregung kommt spätestens, wenn wir auf der Bühne stehen“, sagt John Walther. Nach dem Auftritt von Lotto King Karl, sei es das Ziel, die ausgelassene Stimmung auf dem Höhepunkt zu halten. Deichbruch hat ein bis zu anderthalb Stunden langes Programm in petto. „Wir haben Gitarre, Gesang und eigene Texten im Gepäck und und freuen uns sehr auf unseren Auftritt“, sagt Ostmeier. „Und wir haben – anders als im Reitsport – nichts zu verlieren.“

Die Texte und Lieder entstehen aus norddeutschen Alltagssituationen heraus, sie handeln etwa von Zechprellern oder XXL-Damen, die nicht in die Normen passen. Etwas verrückt war das Fotoshooting für das Cover des ersten Albums ‚Blanker Hans’ vor fünf Jahren. Mitten im November sind Ostmeier und Walther nur mit Unterhose und Gitarren zwischen Schafen fast zwei Stunden lang auf dem Hetlinger Deich von rechts nach links gerannt. „Wenn ein Schäfer oder Spaziergänger uns gesehen hätte, wären wir geliefert gewesen“, sagt Ostmeier und lacht. „Am nächsten Tag fiel der erste Schnee“, so Ostmeier.

Kleine private Auftritte reichten für Weiterempfehlungen, zum ersten öffentlichen Auftritt kamen nur 80 Gäste. „Erst wollten wir nicht, dann fanden wir es richtig lässig“, sagt Ostmeier. Auf Fehmarn sind auch starke internationale Springreiter präsent. „Das Pferde-und Rockfestival ist jetzt ein wichtiger Termin“, sagt Veranstalter und Vereinschef Hinerk Köhlbrandt. Er ist bekannt dafür, bei Reitveranstaltungen zu experimentieren und neue Wege zu gehen.

Auf der Ostseeinsel können erste Starterplätze für die beliebte Kieler Baltic Horse Show im Oktober 2015 ergattert werden. „Dort zu starten, ist doch ein Traum. Die ganz großen internationalen Reiter kommen an die Kieler Förde, und ich will wieder dabei sein“, sagt Kaderanwärterin Antonia Rother, 19, die für den Reitverein Uetersen an den Start geht und weitere Punkte für die Qualifikation sammeln möchte. Das Finale dieser Serie findet ebenfalls im Oktober bei der Baltic Horse Show statt.

Ranking: 1. Hans-Thorben Rüder (Greven, 28 Punkte) 2. Alejandro Merli Soler (RFV Elmshorn, 26) 3. Nisse Lüneburg (Hetlingen, 24) Weitere Reiter aus dem Kreis: Antonia Rother, Gabi Bauerfeld, Carol-Ann Dassler, Guillermo Gonzales-Alonso, Dominic Wohlers (alle RFV Elmshorn) Manuela Kisse (RFV Lutzhorn); Alesse Koehnke, Jan Hermann und Svea Malin Lienau,
Jule und Rasmus Lüneberg, Kathrin Weiss (alle RFV Uetersen); Lilly Matthes (Friedrichshulde) und
Carsten-Otto Nagel (Wedel/Moorhof).