Pinneberg
Wassersport

„Begeisterung zu wecken ist das Schönste“

Das Boot ist zu Wasser gelassen, es kann losgehen mit dem familiärem Trainingsausflug auf der Krückau: Petra, Finja, Martje, Jolina und Steuermann Peter Westphal (von links)

Das Boot ist zu Wasser gelassen, es kann losgehen mit dem familiärem Trainingsausflug auf der Krückau: Petra, Finja, Martje, Jolina und Steuermann Peter Westphal (von links)

Foto: Meincke

Peter Westphal, Vorsitzender des Elmshorner Ruder-Clubs, über die Millionen-Investitution in einen Sport, der wieder voll im Trend liegt

Elmshorn.  Auf die erste Frage reagiert Peter Westphal eher ratlos. Der Vorsitzende des Elmshorner Ruder-Clubs begrüßt mich am Eingangstor der großen Bootshalle. Und ich habe noch das kurze Gespräch mit meiner Nachbarin im Kopf. Als ich der älteren Dame sagte, ich sei auf dem Weg zu den Ruderern in Elmshorn, erinnerte sich diese spontan: „Als ich noch ruderte, gab es bei denen einen Westphal, den kannte in ganz Norddeutschland jeder, weil er so oft siegte. Aber das ist schon 50 Jahre her.“

Wer aber war dieser Westphal aus Elmshorn, den die Konkurrenz fürchtete? Peter Westphal schweigt und rechnet. „Das muss mein Vater als junger Mann gewesen sein. Dass der so einen Namen im Rudersport hatte, wusste ich nicht einmal.“

Dabei sind die Westphals eine typische Ruderfamilie, wie es sie über drei und vier Generationen so zahlreich vielleicht nur noch in Elmshorn gibt. Auch der Großvater von Peter Westphal, selbst inzwischen seit 27 Jahren Vorstandsmitglied, hat den Ruder-Club schon unterstützt. „Ich habe ganz klassisch als Kielschwein begonnen“, sagt der 46-jährige Enkel lächelnd. „Als kleiner Junge haben mich die Eltern vorne im Kiel mit auf die Wandertouren genommen.“ Als großer Junge fast täglich beim Training im Boot, wurde er stark genug, um an der DM teilnehmen zu können.

Aber für so eine richtige Elmshorner Ruderfamilie reicht die Verbundenheit zum Club an der Krückau noch weiter. „Petra, meine Frau, war Jugendleiterin“, sagt der Vater von drei Töchtern, die auch rudern. „Bei unserer Hochzeit in der Nikolai-Kirche standen draußen 20 Club-Freunde mit Paddeln Spalier. Aber“, fügt Peter Westphal noch an, „wir sind nicht die einzigen in Elmshorn, die dem Ruder-Club über Generationen verbunden sind. Da sind auch die Junges, die Inselmanns, die Focks, die Jansens, die Roggensacks und...“ Stopp. Da kommt ja halb Elmshorn zusammen. „Fast“, sagt der Vorsitzende und lacht.

Inzwischen haben wir an einem kleinen Tisch im Bootshaus Platz genommen. Draußen, am Anleger, stemmen Erik und Bjarne, zwei 15-Jährige, ihre Einer aus dem Wasser. Der triefende Erik ruft schon von Weitem: „Ich habe heute Krebse gefangen.“ Peter Westphal klärt auf. „Das heißt bei uns, er ist baden gegangen. Wenn man das Paddel zu tief eintaucht und dann kräftig zieht, kann das Boot kentern.“

Es waren junge Burschen wie diese, die am 28. Juni 1909 den ERC gründeten. Jetzt, 106 Jahre später, wollen Peter Westphal und seine Mitstreiter eine Einweihung feiern, damit die blau-weiße Clubfahne auch für die nächsten Generationen fröhlich im Wind flattert.

Rund 250.000 Euro hat der Club bisher eingesammelt und zusammengespart

Noch fällt der Blick aus dem Fenster des Bootshauses auf einen großen, matschigen Flecken kahler Erde. Hier hat über Jahrzehnte das alte Clubhaus gestanden. Und hier soll bis zum Winter das neue aufgebaut werden. „Wir hoffen, dass in den nächsten Tagen die Pfähle in den Boden gerammt werden können, auf denen unser modernes Vereinshaus aufgebaut wird“, sagt Peter Westphal und blickt auf die leere Fläche. „Das ist unser wichtigster Beitrag, um unseren Verein in eine sichere Zukunft zu steuern. Dafür arbeiten und sparen wir seit Jahren.“

Der Neubau wird knapp eine Million Euro verschlingen. „Rund 250.000 Euro haben wir bis heute eingesammelt und zusammengespart“, sagt der Vorsitzende der Verwaltung, wie das wichtigste Ehrenamt in der internen Organisation heißt. „Rund 400.000 Euro Fördergeld werden wir von der Stadt Elmshorn, vom Kreis und Landessport-bund dazubekommen. Den Rest, rund 250.000 Euro müssen wir finanzieren.“

Man muss nicht lange rechnen, um zu begreifen: Für einen kleinen Spezialverein mit rund 300 Mitgliedern gehört viel Mut dazu, ein solches Projekt anzupacken und zu verwirklichen. Und in dem Gespräch wird einem bewusst, es ist wohl vor allem dieser ruhige Peter Westphal, dem die Vereinsmitglieder vertrauten, als er versprach: „Gemeinsam packen wir das.“

Bei der Gründung des ERC Anfang des vergangenen Jahrhunderts war Rudern ein elitärer Sport. Das aber ist lange her. Rudern kommt wieder groß in Mode. „Der Sport entspricht dem Zeitgeist“, sagt Peter Westphal. „Rudern kann man vor allem auch im fortgeschrittenen Alter noch schnell lernen. Es ist ein idealer Fitnesssport, und zwar für alle Altersklassen. Dazu ist man in der Natur, sieht Fischreiher und Seeadler. Drei Seehunde haben wir bei unserem letzten Familienausflug hier an der Elbe beobachtet. Unsere Mitgliedszahlen steigen jedenfalls – auch bei den Kindern und Jugendlichen.“

Rudern als Höchstleistungssport kann eine einsame Sache sein

Schließlich war nicht nur der Vater von Peter Westphal vor mehr als 50 Jahren als Sportler schon eine norddeutsche Größe. Etwa 15 Mädchen und Jungen zählt der Leistungskader. Rudern auf der Krückau können die Elmshorner übrigens nur, wenn die Elbe Hochwasser führt. „Im Sommer klettere ich daher schon um fünf Uhr morgens in den Einer und trainiere“, erzählt Till Cleve, 15, der zum Landeskader zählt. Carina Hein, eine angehende Meteorologin, nimmt sich vor, in ihrem letzten Jahr bei den deutschen Hochschulmeisterschaften platziert zu sein. „Selbst an Heiligabend und an Silvester habe ich auf dem Wasser trainiert“, so die Leichtgewichts-Ruderin.

Rudern als Hochleistungssport, das ist nicht nur eine harte, sondern zum größten Teil auch einsame Sache. Fragt man die ehrgeizigen jungen Frauen und jungen Männer aber, was sie am meisten an ihrem Sport lieben, hört man einhellig: „Geselligkeit und Miteinander.“ Für Freizeitruderer und Wanderfahrer gilt das erst recht. „Aber im Verein geht nie etwas von allein“, sagt Peter Westphal, „Man muss immer wieder anstoßen und mit der Arbeit beginnen. So kann man aber auch viel in Bewegung bringen und vor allem, man kann Begeisterung wecken.“

In den Booten unterwegs sein, für ein paar Stunden, ein paar Tage und auch Wochen, macht enormen Spaß. Mit Ehefrau Petra und mit den Töchtern Finja, 15, Martje, 12, und Jolina, 9, ist er am liebsten unterwegs. Peter Westphal sagt: „Wir haben Deutschland vom Wasser aus kennengelernt.“