Pinneberg
Benefiz-Turnier

Der Fußball als friedensstiftendes Element

Beim Wedeler Friedenscup bildeten die Teilnehmer ein Peace-Zeichen und hielten eine Schweigeminute ab

Beim Wedeler Friedenscup bildeten die Teilnehmer ein Peace-Zeichen und hielten eine Schweigeminute ab

Foto: Privat

Zum 14. Wedeler Friedenscup kamen mehr als 300 Sportler aus ganz Deutschland, um ein Zeichen für gegenseitigen Respekt und Toleranz zu setzen

Wedel. Wenn Volkan Inak nach seiner Herkunft gefragt wird, antwortet er, dass er „aus seiner Mama“ komme. Dies ist nicht nur aus biologischer Sicht richtig, sondern beschreibt auch sehr treffend, worum es dem Organisator, 26, im Kern beim Wedeler Friedenscup geht. Alle Menschen haben den gleichen Ursprung und sollten sich gegenseitig respektieren und friedvoll miteinander umgehen.

Im Alter von zwölf Jahren wollte der Wedeler, der mittlerweile in Essen Lehramtsstudent für Mathematik und Sozialwissenschaften ist, 2001 nach den Terroranschlägen am 11. September ein Zeichen für den Frieden in der Welt setzen. In einer Wedeler Kirche versammelten sich einst Muslime, Christen und Juden, um gemeinsam zu beten. Davon tief beeindruckt, begann Inak, dessen familiäre Wurzeln in einem kurdischen Gebiet in der Osttürkei liegen, mit der Organisation eines Hallenfußball-Turniers, um gemeinsam mit anderen Sport zu treiben, dabei soziale Projekte zu unterstützen und die Teilnehmer für den Frieden zu sensibilisieren. In einem Brief wandte er sich damals an den mittlerweile verstorbenen Ex-Bürgermeister Wedels, Diethart Kahlert, und erläuterte seine Idee. Fortan erhielt Inak die volle Unterstützung der Stadtgremien.

Von Jahr zu Jahr wurde die Veranstaltung größer. Am Pfingstwochenende ließen sich mehr als 300 Teilnehmer auch von den Nachwirkungen des Bahnstreiks nicht beirren und kamen zum 14. Wedeler Friedenscup, der unter dem Motto „Refugees welcome – Hier steht niemand im Abseits“ ausgetragen wurde. Jeder Flüchtling ist in Deutschland willkommen, niemand soll ausgegrenzt werden. Das Team „We are one“ setzte sich aus Flüchtlingen aus Wedel und Pinneberg zusammen.

„Natürlich erfüllt mich die Entwicklung des Cups mit Stolz. Die Teams kommen aus allen 16 Bundesländern“, sagt der Initiator, dessen kurdischer Vorname Ardil ist. Sogar aus Österreich reiste ein Spieler an.

Bevor es jedoch sportlich wurde, standen noch Workshops an. Die Teilnehmer tauschten sich über gesellschaftspolitische Themen wie beispielsweise „Hooligans gegen Salafisten“, „Rechtsextremismus und ausgeprägter Antisemitismus in Fußballstadien“ oder „Patriotismus, Nationalismus, Rassismus“ aus. Die Sportler bildeten ihr traditionelles Peace-Zeichen und gedachten in einer Schweigeminute Opfern von Verfolgung, Kriegen und Rassismus. Wedels Stadtpräsidentin Renate Palm eröffnete das Turnier in der Steinberghalle. „Ich bin begeistert von dem Einsatz der jungen Leute für den Frieden. Volkan Inak hat seine Auszeichnungen völlig zu Recht bekommen“, so Palm. 2007 erhielt der gebürtige Hamburger die Ehrennadel der Stadt Wedel, vor zwei Jahren wurde er mit dem Integrationspreis des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet.

Das Team„Kick für den Frieden“ gewann den diesjährigen Friedenscup

Und dann rollte für die 24 Mannschaften der Ball über den Hallenboden. Bei jedem Team musste laut Reglement immer eine Spielerin auf dem Feld stehen. Im Endspiel setzte sich die Mannschaft „Kick für den Frieden“ gegen „Kein Mensch ist illegal“ mit 2:0 im Neunmeterschießen durch, nachdem die vorangegangene reguläre Spielzeit torlos geblieben war. Als fairstes Team wurde der Dritte „Django United“ ausgezeichnet. Fairster Spieler war Jan Philip Händel, der trotz mäßigen Turnierverlaufs seine Mitstreiter immer wieder motivierte und fürsorglich in den Arm nahm. „Erst beim Friedenscup wurde mir klar, wie enorm stark die Wirkung einer Veranstaltung für den Frieden und gegen die Diskriminierung sein kann“, so Biniam Asgedom aus Frankfurt. Der sportliche Erfolg war für alle Mannschaften ohnehin nebensächlich. Neben dem Spaß am Sport und der kulturellen Verbindung aller Nationen, gemeinsam ein Zeichen für den Frieden zu setzen, ging es auch darum, Geld für karitative Zwecke zu generieren. Rund 3500 Euro kamen zusammen.

Vier Organisationen, die sich und ihre Arbeit beim Benefiz-Turnier vorstellten, bekommen finanzielle Zuwendungen. Our Bridge kümmert sich um Patenschaften alleinstehender Hilfsbedürftiger, die vor Ort im Nordirak Unterstützung erhalten. Die Radebeuler Sozialprojekte, die sich in Radebeul und Dresden unter anderem um minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge kümmern, profitieren ebenfalls von den Spenden, die Zuschauer, Teilnehmer und Firmen dem Veranstalter überreichten. Ferner wird den zahlreichen Wedeler Flüchtlingsvereinen geholfen und das Projekt „Sea-Watch“ unterstützt. Dabei rettet ein Motorsegel-Boot in Seenot geratene Flüchtlingen auf dem Mittelmeer.