Pinneberg
Wedel

Versteinerte Mienen bei Wedelern: 4:5-Pleite nach einer 4:1-Führung

„Drei Tage in der Badewanne einweichen lassen, Fleckenentferner dazu geben, anschließend per Hand auswaschen.“

Wedel. So wollen Betreuer Jockel Möller und Ehefrau Ellen die grünen Trikots und die schwarzen Hosen reinigen. Am liebsten hätte Möller die gesamte Kluft allerdings „verbrannt“. Die Landesliga-Fußballer des Wedeler TSV verloren ein denkwürdiges Verfolgerduell auswärts mit dem TuS Osdorf nach einer 4:1-Führung 4:5 (3:0) und müssen sich vom Titelkampf in der Hammonia-Staffel allmählich verabschieden. „Wir spielen die Saison sauber zu Ende“, kündigte Heiko Barthel aus dem Trainerstab an.

Bei grenzwertigen Spielbedingungen lieferten sich beide Teams eine Schlammschlacht im herkömmlichen Sinne. Hendrik Ebbecke lag nach einem Zweikampf ebenso minutenlang am Boden wie Manuel Henkel, dessen Rückennummer 18 danach kaum noch zu lesen war. Aber die Wedeler kämpften vergeblich. In der 90. Minute flog noch ein Flachpass vor ihr Tor. Routinier Antonio Ude (früher FC Elmshorn) hielt den Fuß hin – Sieg für den TuS Osdorf. Der Sportplatz am Blomkamp stand Kopf. Mit versteinerten Gesichtern nahmen die Wedeler die Jubelszenen wahr. Wie konnte das bloß passieren?

In der 54. Minute, als Jan Eggers mit einem traumhaften 20-Meter-Schuss das 4:1 erzielte, sahen sie noch wie die klaren Sieger aus. Dann aber hatte sich alles gegen sie verschworen. Das 2:4 war ein abgefälschter Schuss von Bennet Krause (55.). Beim 3:4 von Benjamin Blume (61.) irrte Keeper Oliver Firgens durch den Strafraum. Als Sascha Blume das 4:4 köpfte, kam der Torwart mit den Fäusten zu spät (80.). Der Torschütze warf Handküsschen ins Publikum. Eine Flanke des Wedelers Thomas Koster küsste die Querstange (87.). Die Zuschauer sahen ein atemberaubendes Spiel mit packenden Szenen.

Es fing schon nach einer Minute und 20 Sekunden damit an, dass sich Ebbecke am Strafraum energisch durchsetzte und per Flachschuss in die linke Ecke das 1:0 des TSV erzielte. In der 14. Minute profitierte Ebbecke von einem Fehler des Osdorfer Torhüters – 2:0. Jan Eggers hatte Pech mit einem Lattenschuss (22.), um in der 26. Minute einen Freistoß aus halblinker Position zum 3:0 zu verwandeln. Sebastian Krabbes ließ nach Ebbeckes Querpass die Topchance zum 4:0 ungenutzt (45.).

Was kommen würde, zeichnete sich in der 49. Minute ab. Felix Schlumbohm gelang mit einem Scharfschuss das 1:3. Es wurde das verrückteste Spiel der bisherigen Saison in der Hammonia-Staffel. „Auch wir auf der Ersatzbank litten Höllenqualen“, sagte Dirk Hellmann, der verletzungsbedingt ebenso wie Mark Hinze und der frühere Osdorfer Tim Jobmann fehlte. „Das zweite Gegentor unmittelbar nach unserem 4:1 war der Knackpunkt. Von da an war jeder Osdorfer Angriff gefährlich“, sagte Heiko Barthel, nicht ohne Stolz aufs eigene Team. „Man kann sich den Fußball des Wedeler TSV wieder ansehen. Das nehmen wir mit aus diesem Spiel, auch wenn wir es verloren haben. “