Halstenbek

„Wir wollen Meister werden“

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Wolfgang Helm

Nach fast einjähriger Verletzungspause ebnet Tim Jeske dem VfL Pinneberg den Weg zurück an die Oberliga-Tabellenspitze. 3:1-Derbysieg bei SV HR

Halstenbek . „Der Kampf hat sich gelohnt“, sagt Tim Jeske, 26. Elf Monate und drei Wochen, nachdem er in Diensten des VfR Horst einen Kreuzbandriss erlitt, kann der Stürmer wieder lachen. Im Oberliga-Spitzenspiel auswärts gegen die SV Halstenbek-Rellingen (3:1) tauchte Jeske erstmals in der Startelf des VfL Pinneberg auf.

In der 38. Minute verwandelte er einen Flankenball von Alexander Borck im Hechtsprung per Kopf zum 1:0. Obwohl er das Spiel nicht durchstand und in der 70. Minute gegen Sören Badermann ausgewechselt wurde, könnte sich der 8. März 2015 so positiv in seinen Kopf brennen wie der 28. März 2014 negativ. Die Pinneberger Fußballer übernahmen wieder die Führung in der höchsten Hamburger Spielklasse. „Die wollen wir nicht mehr hergeben. Wir wollen Meister werden“, betonte Jeske im Gespräch mit einer Schar von Reportern, die ihn nach dem Abpfiff umlagerte.

Erneuter Reinfall ist ein schwerer Schlag für HR-Verantwortliche

Umso isolierter hockten zu diesem Zeitpunkt der Halstenbeker Manager Detlef Kebbe und Ligaobmann Thomas Berg auf der Trainerbank neben dem Sprecherhäuschen. Diesen neuerlichen Reinfall musste das Duo erst einmal sacken lassen. Von der Begeisterung der Hinrunde, als die Spielvereinigung ihr Publikum regelmäßig beglückte und verzückte, ist nichts mehr übrig. Kebbes Wintereinkäufe spielen noch nicht die erhoffte Rolle. Der Ausfall der schwer verletzten Nikola Maksimovic, Niklas Siebert und Robert Hermanowicz ist nach wie vor nicht verarbeitet.

Torjäger Jan-Marc Schneider, sowie die Dirigenten Marlo Steinecke und Ümit Karakaya stecken böse im Formtief, um nur drei zu nennen. In fünf Pflichtspielen blieben die Abonnementssieger zwischen August und Dezember ohne jedes Erfolgserlebnis. Trainer Thomas Bliemeister ist mehr denn je gefragt, die Misere abzustellen. Dabei half der Coach zum Beispiel Nunes Correia Junior, so gut er konnte. Bei einem Eckball von Serhat Ercek zeigte Bliemeister dem jungen Defensivspieler genau den Laufweg zum Tor auf. „Ein paar Schritte zurück, dabei immer auf den Ball achten.“ Correia kam zum Kopfball. Ein Pinneberger Gegenspieler warf sich dazwischen, sonst hätten die Halstenbeker vielleicht 1:0 geführt (26.).

Jeske deutete seine Gefährlichkeit erstmals vier Minuten später an, als er von Rechtsaußen in den Strafraum kurvte. Ein Halstenbeker Verteidiger schlug den Ball von der Torlinie. In der 38. Minute aber ging es alles zu schnell für die Gastgeber. Bei Jeskes erfolgreichem Torabschluss wurde ihre Defensive von Sascha Richert (Seitenwechsel) und Alexander Borck klassisch aus den Angeln gehoben. VfL-Coach Michael Fischer saß währenddessen im Familienkreis und gratulierte nicht nur seinem Vater zum 70. Geburtstag, sondern sich selbst zu Jeskes Verpflichtung. Nicht wenige hatten ihm davon aufgrund dessen schwerer Verletzung abgeraten. Fischer setzte sich gegen interne Widerstände durch: „Wir nehmen ihn trotzdem, unbedingt.“

Trainer Fischer beim 70. des Vaters – Assistent Scharnberg bestens instruiert

Alle Maßnahmen auf dem gut besuchten Jacob-Thode-Platz waren genau mit seinem Assistenten Börje Scharnberg abgesprochen, auch die Einwechslung von Flemming Lüneburg für Philipp Werning (53.). Als hätte jemand Puderzucker auf den Kuchen gestreut. Lüneburg fügte sich mit einem Direktpass zu Fabian Knottnerus glänzend ein. Knottnerus, der sich immer besser macht, ließ Patrick Hoppe wie eine Fahnenstange stehen und schoss den Ball aus Rechtsaußenposition flach in die linke Ecke – 2:0 für den VfL.

Der Halstenbeker Yinar Arboleda Sanchez, ab der 62. Minute Nachfolger von Timo Wieckoff, erzeugte mit einem Kopfballtreffer nach einem Freistoß von Yannick Sottorf wieder Hoffnung im Halstenbeker Lager (1:2/72.). Dann hatte Scharnberg mit der Hereinnahme von Torben Reibe in der 78. Minute wieder das richtige Gespür für den Moment. Nach Lüneburgs Eckball lieferte Reibe die Kopfball-Vorarbeit, die Tim Vollmer mit wilder Entschlossenheit zum 3:1 der Pinneberger nutzte (81.).

Die Halstenbeker gaben sich geschlagen. Für Schiedsrichter Michael Ehrenfort (TuRa Harksheide), der vier Gelbe Karten verteilte, war es nach manchen Tumulten mit Beteiligung der Kreisrivalen während der Hallensaison „ein Derby, das mich vor keine Probleme stellte“. Zu den gröberen Aktionen zählte noch der Klaps auf Jeskes Hinterkopf, mit dem VfL-Verteidiger Steffen Maaß den früheren Meister-Stürmer des FC Elmshorn(2012/2013) bei dessen Auswechselung freundschaftlich vom Rasen geleitete.

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