Pinneberg

Pferdeseuche Rotz – das ungeliebte Thema

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Melanie Mallon

Drei Ställe im Land standen unter Quarantäne, ein Betrieb bleibt weiter gesperrt

Pinneberg. Vorsichtiger Optimismus bei Reitern und Pferdezüchtern im Kreis Pinneberg: Der Verdacht, dass die hoch gefährliche Pferdeseuche Rotz sich in Schleswig-Holstein ausbreitet, hat sich zunächst nicht bestätigt. Das geht aus den Untersuchungen hervor, die das Landwirtschaftsministerium angeordnet hatte. Allerdings gibt es noch keine endgültige Entwarnung. Zwar hat die Behörde in zwei Reitställen die Quarantäne für deren Pferde aufgehoben, ein weiterer Betrieb bleibt jedoch weiterhin gesperrt.

Das für Tierseuchenbekämpfung zuständige Landwirtschaftsministerium in Kiel hat 70 Pferde untersuchen lassen. Bei den Tests im Friedrich-Löffler-Institut in Jena gab es jedoch in einem Fall ein unklares Ergebnis. Diese Untersuchung wird nun fortgesetzt, eine abschließende Beurteilung ist frühestens in zwei Wochen zu erwarten.

Endgültiges Ergebnis der Untersuchung in drei Wochen

Die Tierseuche Rotz muss schon bei den ersten wagen Symptomen oder anderen Verdachtsmomenten unverzüglich dem Ministerium gemeldet werden. Rotz tritt bei Einhufern wie Pferden, Eseln, Maultieren und Zebras auf und wird über Körpersekrete übertragen. Entzündungen in der Haut, Nasenschleimhaut und Lungen können in Form von Knoten und Geschwüren auftreten.

Die Krankheit verläuft unterschiedlich, sie kann sogar zunächst unerkannt bleiben. Wirksame Impfstoffe und Medikamente gibt es nicht, erkrankte Pferde sterben innerhalb von zwei Wochen. Die Seuche kann auf Menschen übertragen werden. „Bisher war das aber sehr selten der Fall“, sagt Nicola Kabel. „Das gilt selbst dann, wenn die Erkrankung in der Pferdepopulation häufig auftrat“, betont die Sprecherin des schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministeriums in Kiel.

Die Pferdeseuche hatte Reiter, Pferdezüchter und Behörden in Deutschland zuletzt 1956 alarmiert, seitdem galt sie als ausgerottet. „Ich kenne die Krankheiten Herpes und Druse, die immer mal wieder in der Pferdezucht auftreten, aber mit Rotz sind wir in der Vergangenheit nie in Berührung gekommen“, sagt Dressur-Meister Georg Otto Heyser, der an der Dockenhudener Chaussee Chef auf dem Brander Hof ist. Pferde werden nicht mehr routinemäßig auf Rotz untersucht, wenn sie innerhalb von Deutschland oder in Nachbarländer verkauft werden sollen. Tierärztliche Bestimmungen in den USA haben Rotz noch im Standard-Untersuchungsraster.

Schleswig-Holstein geriet ins Visier des Ministeriums, weil ein Pferd aus dem Stall des internationalen Springreiters Hinerk Köhlbrandt auf der Ostseeinsel Fehmarn von Niedersachsen aus einen neuen Besitzer in den USA bekommen sollte. Der Amtstierarzt sah Verdachtsmomente, das Friedrich-Löffler-Institut in Jena untersuchte daraufhin Haut- und Blutproben und bestätigte am 27. Januar die Infektion mit Pferderotz. Das erkrankte Springpferd musste getötet werden.

Schlimmer noch: Für die Hälfte der 20 Pferde im Stall von Hinerk Köhlbrandt stand der Schlachttermin schon fest. „Da hat man so ein Gefühl von Machtlosigkeit“, sagt Köhlbrandt, der seine Pferde auch regelmäßig in Neumünster präsentiert und geschäftliche Verbindungen zu Züchtern im Kreis Pinneberg hat. Gäste brachen urplötzlich den Urlaub in den Ferienwohnungen der Familie ab. „Auf Wunsch vieler Eltern gingen unser Kinder sogar nicht in den Kindergarten“, ergänzt seine Ehefrau Eva-Maria Köhlbrandt. „Die hatten alle Angst vor der Seuche.“

Die Nachricht verbreitete sich unverzüglich in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Reiter und Pferdezüchter reagiert schockiert. Hals über Kopf verließen sie – wie berichtet – mit ihren wertvollen Tieren das Qualifikationsturnier der internationalen Springreiter für die bevorstehenden VR Classics in den Holstenhallen von Neumünster Anfang Februar.

Im Land ist kein weiterer Fall von Herpes aufgetreten

Der wirtschaftliche Schaden wäre enorm, wenn die Pferde im Kreis Pinneberg und ganz Schleswig-Holstein unter Quarantäne gestellt würden. Die Pferdewirtschaft macht in Deutschland einen Gesamtumsatz von rund sechs Milliarden Euro – vom Futter über den Bereiter bis hin zum Tierarzt. Noch ist die Gefahr nicht endgültig gebannt – aber die Hoffnung überwiegt.

Beim Thema Herpes gibt es mittlerweile Entwarnung, wenn nicht sogar Erleichterung, sodass die Pferdesportfreunde wie vorgesehen entspannt nach Neumünster fahren können, wo von Donnerstag, 12. Februar, bis Sonntag, 15. Februar, die VR Classics im Springen und in der Dressur ausgetragen werden. Matthias Karstens, Chef des Pferdesport-Verbandes Schleswig-Holstein: „Es ist kein weiterer Fall von Herpes-Erkrankung aufgetreten. Nach vierwöchiger Inkubationszeit ist davon auszugehen, dass keine weiteren Fälle außer am Ursprungstag Mitte Dezember in Tangstedt (Kreis Stormarn, die Red.) zum Vorschein kommen.“

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