Pinneberg
Halstenbek

College-Meister will noch einen Cup

Yannick Bräuer kehrt aus Florida zur SV HR zurück. Pokal-Nachholpartie gegen den SC Victoria ist gefährdet

Halstenbek . Bei einem Freistoß von James Aldred steht Yannick Bräuer besser als sein Gegenspieler zum Ball und köpft das 2:0. Lauter Jubel und entzückte Schreie von weiblichen Fans sind im Stadions von Evans bei Atlanta zu hören. Auf dem Spielfeld machen die Teamgefährten Jagd auf den Stürmer der Lynn University, Rückennummer 23. Alle wollen ihn umarmen, zu sehen bei YouTube. „Braeuer“, 27, kehrt als Champion zu den Fußballern von Oberliga-Tabellenführer SV Halstenbek-Rellingen zurück. Am 1. Dezember 2012 hat er mit seinen Kommilitonen das Endspiel der amerikanischen College-Meisterschaft gegen Saginaw Valley aus dem Bundesstaat Michigan 3:2 gewonnen. Bei der Siegerehrung bespritzt er die freudetrunkenen Mannschaftskollegen enthusiastisch aus zwei Wasserflaschen.

Wie wäre es mit ähnlichen Jubelszenen am 30. Mai 2015? Dann ist im Stadion des SC Victoria („Hoheluft“) das Endspiel um den Hamburger Oddset-Pokal vorgesehen. Yannick Bräuer und die Halstenbeker sind noch im Wettbewerb. Am Sonntag, 1. Februar, sollen sie auf dem Jacob-Thode-Platz das Nachholspiel der vierten Runde gegen Victoria, im Punktspielbetrieb ernsthafter Titelkonkurrent, austragen. Eine Woche später, im Achtelfinale, hätten sie im Falle eines Sieges gegen Rugenbergen erneut Heimrecht.

Club-Präsident Hans Jürgen Stammer richtet aber besorgte Blick gen Himmel. Aufgrund der Witterungs- und Platzverhältnisse ist ein Spielausfall nicht unwahrscheinlich. Schon am Freitag, 30. Januar, trifft der zuständige Platzbeauftragte Wilfred Diekert aus Appen, Hamburgs Schiedsrichter-Boss, eine Entscheidung. Hamburgs Spielausschuss-Vorsitzender Joachim Dipner schaute schon am Mittwoch am Thesdorfer Weg vorbei, um sich von den derzeit schlechten Spielbedingungen in Halstenbek selbst an Bild zu machen.

Der Heimkehrer steht auch für Offensiv-Power

Bezirksliga-Spitzenreiter HEBC steht als möglicher Ersatzgegner am Sonntag um 11 Uhr auf dem Reinmüllerplatz (Kunstrasen) bereit. HR-Trainer Thomas Bliemeister macht kein Geheimnis daraus, wo ihm der Anpfiff lieber wäre. „Der Ernstfall kommt für uns zu früh. Wir brauchen unbedingt noch ein oder zwei Vorbereitungsspiele.“ Diese Partien sollen auch dazu dienen, die optimale Position für Bräuer zu finden. Bliemeister denkt über ihn als Ersatz von Nikola Maksimovic, Spielmacher vor der Abwehr, der bei Hamburger Hallenmeisterschaft einen Wadenbeinbruch erlitt, nach. „Das kann er. Er ist ein glänzender Fußballer.“ Allerdings stand Bräuer auch für Offensiv-„Power“ bevor er sich im August 2012 Richtung USA verabschiedete. Bei einer Sichtung auf den Sportplätzen des FC Kalbach in der Nähe von Frankfurt und in Bewerbungsvideos hatte er zuvor extra aus den USA angereiste Trainer, die nach Verstärkungen ihrer College-Teams Ausschau hielten, überzeugt.

Mit einem Stipendium von 30.000 Dollar pro Jahr im Rücken durfte er schließlich im Sonnenstaat Florida sein Studium zum Geschäfts-Administrator fortsetzen. Freundin Antonia begleitete ihn, bezog mit ihm ein Apartment mit Pool in Boca Raton, Vorort von Miami. Das Paar besuchte die Dominikanische Republik und Jamaika. Inzwischen ließ es sich wieder in Ottensen nieder.

Bräuer arbeitete sich einige Monate in seiner Firma als Trainee – Hochschulabsolvent, der von einem Unternehmen systematisch zu einer zukünftigen Führungskraft aufgebaut wird – ein. Jetzt fühlt er sich bereit für den Sprung ins kalte Wasser. Seine Rückkehr tröstet HR ein wenig über das Verletzungspech hinweg, das nach Nikola Maksimovic auch Niklas Siebert (Kreuzbandriss) heimsuchte.