Pinneberg
Rellingen

„Habe fest ans Comeback geglaubt“

Tennistalent Svea Crohn ist erst 15. Ihre sportliche Entwicklung wird wegen Rückenbeschwerden fast zwei Jahre blockiert

Rellingen. Es war um die Jahreswende, da gerieten beim traditionellen Weihnachtsturnier des TC Ellerbek so manche Tennisfreunde ins Schwärmen. Allseits bekannt war Svea Crohn noch nicht jedem Zuschauer, doch das hat sich grundlegend geändert. Die erst 15 Jahre alte Rellingerin trumpfte in der Damen-Konkurrenz in einer Manier auf, die Außenstehende beeindruckte. Fortsetzung folgt.

Erst im Finale fand die Schülerin des Wolfgang-Borchert-Gymnasiums in Halstenbek (10. Klasse) ihre Meisterin und unterlag der 20 Jahre älteren Daniela Löchter (SC Unna) in drei Sätzen (5:10 im Match-Tiebreak des dritten Satzes). Für Svea Crohn soll dieser Achtungserfolg ein erster Versuch sein, in der deutschen Rangliste wieder ein Stück voran zu kommen. Gesundheitliche Probleme hatten diese Ambitionen für längere Zeit unmöglich gemacht.

Rückblick ins Frühjahr 2013, eine für das junge Mädchen lästige Leidensgeschichte nimmt ihren Anfang. Immer wieder klagt Svea über heftige Rückenschmerzen. Niemand kann sich erklären, was los ist. Am wenigstens sie selbst, die mit 13 körperlich schon enorm weit ist und zudem einen enorm fitten Eindruck macht.

Sie hatte Angst, dass es mit 13 Jahren im Tennis schon vorbei sein könnte

Tennis ist schon mit sieben Jahren ihr Lieblingssport, den sie beim TC Egenbüttel aufnimmt. Sollte nur sechs Jahre später, mit 13, plötzlich schon alles vorbei sein? Nein, das durfte einfach nicht sein, denkt sich das blonde Tennistalent, doch sie kommt nicht umhin: Immer wieder muss sie Turniere absagen, auch an Punktspielauftritte bei ihrem ehemaligen Verein TC Prisdorf ist nicht zu denken.

Eines Tages stellte sich während eines Arztbesuches heraus: Svea Crohn, die am 9. Februar Geburtstag feiert, leidet an einer angeborenen Gleitwirbelproblematik im Rückgrat, das heißt, dass sich Wirbel bei gewissen körperlichen Belastungen verschieben können – vor allem beim Tennis ist das die Gefahr. „Von heute auf morgen war Schluss mit Tennis“, sagt Svea. Sie vertraute sich einem Physiotherapeuten aus Schnelsen an, der erkannte: Rückenschonung und gleichzeitiges Fitnesstraining würden helfen. Derzeit trifft man die durchtrainierte sportliche Rellingerin, die in der deutschen Rangliste schon mal auf Platz 19 ihrer Altersklasse stand und heute nur noch um Platz 300 rangiert, im Schnitt zweimal die Woche an den Geräten des Racket-Centers Schenefeld. „Spezifisches Rückentraining absolviere ich regelmäßig zu Hause“, sagt sie.

Die gesundheitlichen Probleme traten auf, nachdem Svea Crohn dem TC Prisdorf im Frühsommer 2013 den Rücken gekehrt hatte. Der Verein hatte seine Damenmannschaft damals wegen personeller Schwierigkeiten vom Spielbetrieb der Nordliga zurückgezogen. Sveas Trainer war damals Leif Martens, der zur SV Blankenese wechselte und seinen Schützling gleich mitnahm. Dort spielt sie zusammen mit ihrer früheren Prisdorfer Clubkameradin Isabel von Stryk, und zwar in der Nordliga (Sommer) und Oberliga (Winter).

Bleibt sie von Verletzungen verschont, wird sie fleißig Punkte sammeln

Auch wenn das talentierte junge Mädchen aufgrund ihrer relativ niedrigen LK-Nummer 8 „nur“ an Position sechs gemeldet ist, planen die Mitspielerinnen Punkte der Teamkameradin ein. Trotz ihres jungen Alters agiert sie ausgesprochen clever, weiß ihre Rivalinnen zum richtigen Zeitpunkt unter Druck zu setzen. Auffallend dabei ihr kraftvolles, konsequentes Spiel mit beidhändiger Vor- und Rückhand. Die Rellingerin, die einen zwei Jahre älteren Bruder hat – Lasse, 17, er spielt Fußball – hofft nach bestandenem Turnier einen Berufsweg einzuschlagen, der etwas mit Tennis zu tun hat. Ansonsten gilt ihr Interesse der Kunst, Mode und Sportwissenschaften allgemein.

In den letzten Tagen befasste sich Svea mit all dem übrigens weniger, wollte vielmehr unbedingt ihren Grippevirus bekämpfen. Die Vernunft siegte, obwohl sie sich gestern wieder besser fühlte. Sie sagte die Teilnahme an einem Wildcard-ITF-Turnier des Hamburger Tennisverbandes ab und ging statt zum Training zur Schule, um für eine Mathematik-Klausur zu lernen.