Pinneberg
Halstenbek

Diesmal war Moral gefragt

In Altona macht Oberliga-Spitzenreiter HR nach schwacher erster Halbzeit aus einem 0:2 noch ein 2:2

Halstenbek . Hochburg des Hamburger Amateur-Fußballs ist und bleibt die Adolf-Jäger-Kampfbahn. Altona 93 erfreut sich der größten Fan-Gemeinde. Tabellenführer SV Halstenbek-Rellingen war drauf und dran, die Burg vor 1200 Zuschauern zu stürmen. Nach einem 0:2-Rückstand zum Seitenwechsel brachte der Überraschungs-Erste immerhin ein 2:2 vom Siebten mit. In der Hinrunde noch den FC Elmshorn, Meiendorfer SV und Niendorfer TSV vor Augen scheint den weiter unbesiegten Halstenbekern die Halbzeitmeisterschaft nicht mehr zu nehmen sein. Die Teilnahme an der Hamburger Hallenmeisterschaft hat das Team bereits sicher.

Detlef Kebbe war die Leistung von Schiedsrichter Martin Pfefferkorn ein Dorn im Auge. „Unser Anspruch waren drei Punkte. Doch gegen 14 Mann kannst du nicht gewinnen“, schimpfte der HR-Manager. Der Schiedsrichter des SC Urania pfiff ein Eigentor von Sebastien Clausen wegen eines vorherigen Fouls von HR-Stürmer Jan-Marc Schneider am Gegenspieler zurück (33.). Bei einem Rempler an Schneider forderten die Halstenbeker vergeblich einen Strafstoß (82.). Neutrale Beobachter ohne Vereinsbrille kamen zur Ansicht, dass Pfefferkorn jeweils richtig lag. Yannick Sottorf hatte etwas anderes im Auge, den Finger von Jorge Hernandez nämlich. „Das war eine Tätlichkeit“, sagte der Halstenbeker Verteidiger. Pfefferkorn zeigte Hernandez Rot.

In diesem Moment (77.) drehte sich das Spiel. Mit einem tollen Schuss aus 21 Metern hoch ins linke Eck erzielte Niklas Siebert das Anschlusstor (79.). Sottorf setzte Schneider mit einem gestochenen Flachpass in Szene. Der Vorzeige-Stürmer enteilte seinem Bewacher und traf zum 2:2. Dagegen kam der eingewechselte Nrecaj gegen Torwart Fabiano Curia einen Schritt zu spät (89.). HR blieb am Drücker. Die Nachspielzeit war angebrochen, als Nrecay das Ziel nach einer Flanke von Serhat Ercek verfehlte. Der Ball flog links am Tor vorbei. Zum Schluss zeigten die Altonaer Auflösungserscheinungen.

Dafür bot die Spielvereinigung eine schwache erste Halbzeit wie lange nicht. Gian-Pierre Carallo durfte eine Flanke von Benjamin Lipke ungestört mit der Brust annehmen und zum 1:0 der Gastgeber verwandeln (10.). Auf ähnliche Weise glückte Sven Körner nach vorherigem Abwehrfehler (Robert Hermanowicz) das 2:0 (18.). HR-Trainer Thomas Bliemeister reagierte mit der frühzeitigen Auswechselung von Linksverteidiger Patrick Hoppe und Umstellungen.

Die Gäste gaben in der 58. Minute ein Lebenszeichen von sich. Schneider schoss den Ball nach Sieberts Zuspiel rechts am Tor vorbei. Später machte er es besser. Bliemeister zollte dem Team „Hochachtung und Respekt“. Nach langer Zeit sah Ex-HR-Kapitän Marco Kebbe, 34, wieder ein Spiel der Halstenbeker. Sein Urteil: „Mein Vater hat nicht zu viel versprochen. Diese jungen Wilden begeistern.“