Pinneberg
Halstenbek

Diese Mannschaft kann Meister werden

SV Halstenbek-Rellingen gewinnt 4:2 beim TuS Dassendorf und thront weiter auf Platz eins der Fußball-Oberliga Hamburg

Halstenbek. Mehrere „Buffer“ der Ersatzspieler und sogar Verbandszeug von Physiotherapeut Viktor Elwein flogen auf den Rasen. Der sonst so unterkühlte Trainer Thomas Bliemeister breitete die Arme aus, als wollte er die ganze Welt umarmen. Die Oberliga-Fußballer der SV Halstenbek-Rellingen und der Trainer- und Betreuerstab ließen ihren Gefühlen freien Lauf.

Just zu einem Zeitpunkt, als Gastgeber TuS Dassendorf das Gipfeltreffen der höchsten Hamburger Spielklasse zu drehen schien, schoss der eingewechselte Enrik Nrecaj nach einem „Zuckerpass“ von Nikola Maksimovic das 3:2 (87. Minute). In der 90. Minute verwertete dann Jan-Marc Schneider ein Zuspiel von Niklas Siebert zum 4:2. TuS-Torwart Christian Gruhne hockte fassungslos am Boden.

Die Halstenbeker feierten den bisherigen Höhepunkt ihres fußballerischen Schaffens. Mit vier Punkten Vorsprung auf den Dassendorfer Titelverteidiger gehen sie ungeschlagen in ihr ominöses 13. Saisonspiel gegen den SC Condor. Manager Detlef Kebbe hat große Träume. „Wir wollen die Meisterschaft und den Pokalsieg.“

Warum auch nicht? Die Spielvereinigung bietet den attraktivsten und effektivsten Oberliga-Fußball. Und sie hat noch ein Ass im Ärmel. Das ist Timo Wieckhoff, von Bliemeister als Führungsspieler eingeplant, der nach einem Muskel- und Sehnenriss im rechten Oberschenkel, erlitten beim Leichtathletik-Abitur Anfang Juni, in ein paar Tagen ins Team-Training zurückkehrt. Wieckhoff fuhr mit den Eltern von Mittelfeldspieler Marlo Steinecke in die Gemeinde am südlichen Rand des Sachsenwaldes.

„Auch mit Jan-Marc Schneider bin ich eng befreundet", teilte der frühere Stürmer der SV Blankenese mit. Über sein gegenwärtiges Team äußerte er sich beim Seitenwechsel begeistert: „Es wird nicht leicht, irgendjemanden aus dieser Mannschaft zu verdrängen.“ Thomas Bliemeister versucht, erst gar keine Unzufriedenheit bei den nicht eingesetzten Akteuren (Steve Elfert, Julian Mentz, Arboleda Sanchez, Marcel Schöttke) aufkommen zu lassen. „Alle sind wichtig. Wir brauchen jeden", betonte der erfahrene Coach in seiner kurzen Ansprache nach dem Abpfiff im Kreis der Spieler.

Bliemeister bezog sich darauf, dass er diesmal verletzungsbedingt Robert Hermanowicz auswechseln musste. Der Innenverteidiger, vor dem Saisonstart intern noch angezweifelt, aber inzwischen einfach nicht wegzudenken, fasste sich in der 80. Minute an den Oberschenkel hinten links – Aufgabe.

Sebastian Krabbes absolvierte seinen ersten Saisoneinsatz. Zuvor hatte Hermanowicz nach einem Freistoß von Siebert den Ball in die rechte Ecke geköpft (27.). Es war das 2:0, nachdem Mladen Tunjic schon in der zweiten Minute nach einem abgewehrten Schuss von Maksimovic das 1:0 der Gäste gelungen war. Die Dassendorfer konnten von Glück sagen, dass sie vor dem Seitenwechsel nicht höher in Rückstand gerieten. Maksimovic passte den Ball mit der Hacke zu Yannick Sottorf, dessen Flanke hauchdünn den Abnehmer (Schneider) verfehlte (32.). Tunjic scheiterte mit einem von Gruhne an Schneider verursachten, glasklaren Foulelfmeter am TuS-Keeper (37.). Schneider brachte in bester Position nur einen Kullerball links am Tor vorbei (45.). Es war die Phase, in der sich die Halstenbeker an ihrem hervorragenden Spiel berauschten und nicht mit letzter Konsequenz die Entscheidung herbeiführten.

Mit der Einwechselung von Dennis Tornieporth und Eric Agyemang rief TuS-Coach Jan Schönteich die Gegenoffensive aus. Tornieporth schlug die Eckbälle, die Sven Möller mit einem tollen Direktschuss von der Strafraumgrenze (49.) und Marcel Stadel per Kopf (70.) zum Ausgleich verwandelten. Die körperliche Überlegenheit der Dassendorfer gab im zweiten Durchgang zu denken.

Dann aber winkte Thomas Bliemeister aus der Gruppe der Ersatzspieler Enrik Nrecaj heran. „Riskier´ was", gab der Coach dem Mann, der Ümit Karakaya ablöste, in der 58. Minute mit auf den Weg. Nrecajs fehlende Spritzigkeit war in der 74. Minute zu sehen, als er den Spurt nach einem Zuspiel von Schneider nicht durchzog. In der 87. Minute machte er alles richtig – und der Jubel kannte keine Grenzen.