Sportförderung

Die Marseille-Kaserne bleibt eine Medaillenschmiede

Die Umfirmierung der in Appen stationierten Einheit zur Sportfördergruppe Hamburg beschert dem Standort 80 weitere Spitzenathleten in den Disziplinen Rudern, Segeln, Beachvolleyball und Wasserball.

Appen. Wer auf dem Weg von Pinneberg nach Uetersen die Gemeinde Appen durchfährt, kann das Areal der Marseille-Kaserne kaum übersehen. Der 1935 erbaute und 1975 umbenannte Fliegerhorst Uetersen ist heute nicht nur die einzige Unteroffizierschule der Luftwaffe in Deutschland, sondern auch für den Sport von unschätzbarem Wert. 80 Spitzenathleten, darunter Teilnehmer an Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen, tun dort als Sportsoldaten Dienst und haben mit den Erfolgen der Sportfördergruppe der Bundeswehr ihrem Standort zu bundesweiter Popularität verholfen.

Daran wird auch die jetzt erfolgte Umbenennung zur Sportfördergruppe Hamburg nichts ändern, so Kapitän zur See Siegfried Schneider beim Medientag in der Marseille-Kaserne. Aufgrund ihrer geografischen Lage habe die Einheit, eine von 15 Gruppen bundesweit, in den zurückliegenden 18 Jahren als Sportfördergruppe Appen firmiert, obwohl sie militärisch dem Landeskommando Hamburg unterstellt war. Jetzt habe die Bundeswehr daraus die Konsequenzen gezogen und eine Win-win-Situation für alle geschaffen. Schneider: „Hamburg darf sich über 80 zusätzliche Spitzensportler freuen, und wenn unsere Athleten zukünftig um Titel ringen, werden sie mit ihren Erfolgen auch den Namen Hamburgs in die Welt tragen.“

Beachvolleyball-Ass assistiert Innensenator bei Einweihung

Einer Athletin fiel beim Medientag die Hauptrolle zu. Die Hauptgefreite Kira Walkenhorst, eine der besten Beachvolleyballerinnen Deutschlands, enthüllte gemeinsam mit dem Hamburger Innensenator Michael Neumann das Schild der neuen Einheit. Zuvor war die 23 Jahre alte gebürtige Essenerin ebenso wie die Obergefreiten Julia Dudorov (Hockey) und Leonie Meyer (Segeln), Obermaat Erik Heil (Segeln), Stabsunteroffizier Lars Hartig (Rudern) und Stabsunteroffizier Eric Koreng (Beachvolleyball) mit der Commander Coin als Auszeichnung für besondere Arten der Auftragserfüllung geehrt worden.

In Appen hält sich die 1,84 Meter große Außenangreiferin aber ebenso wie ihre Kameraden selten auf. „Man wird uns hier kaum einmal in Sportkleidung antreffen und auch nur in Ausnahmefällen in Uniform“, sagt Kira Walkenhorst, die auf der Beach-Tour mit Partnerin Laura Ludwig (Hamburger SV) als Team Hamburg antritt. Nur ein- bis zweimal pro Jahr gilt es für die Sportsoldatin, eine militärische Weiterbildung zu absolvieren, zudem können Athleten, die sich für jeweils ein Jahr verpflichten, Trainerscheine erwerben. „Das ist für uns eine Option, für die Zeit nach der Karriere vorzusorgen.“

An Beachvolleyball ist für die Hauptgefreite Kira Walkenhorst derzeit allerdings nicht zu denken. Nachdem die 2013 zum besten Neuling und der Spielerin mit dem größten Leistungsschub (Top Rookie and most improved Player) der Beach-Tour gekürt wurde, stoppte das Pfeiffersche Drüsenfieber die Sportsoldatin. „Bis ich wieder fit bin, wird es noch eine Weile dauern.“

Weitspringer verpasst fast die Feierstunde

Ein weiterer deutscher Top-Athlet hätte die Feierstunde um ein Haar verpasst. Weitspringer und Obermaat Sebastian Bayer, als Favorit bei den Leichtathletik-Europameisterschaften im Züricher Letzigrund-Stadion angetreten, machten auf der Rückfahrt aus der Schweiz die Nachwirkungen des Misserfolgs zu schaffen, mit 7,56 Metern den Endkampf verpasst zu haben.

Verarbeitet hatte er seinen Kurzauftritt auch bei der Ankunft in der Marseille-Kaserne noch nicht. „Unglaublich, wie der Wettkampf für mich gelaufen ist“, ärgerte sich der 28 Jahre alte gebürtige Aachener. „Die Bahn war hart, das hat mir mehr zu schaffen gemacht als den Konkurrenten“, sagte der entthronte Titelverteidiger. Ein Fehlversuch zum Auftakt und etliche abgebrochene Spikes taten ein Übriges.

An äußeren Umständen allein wollte der Athlet des Hamburger SV das frühe Aus aber nicht festmachen, sparte vielmehr nicht mit Selbstkritik und bezeichnete seinen Auftritt in Zürich unmittelbar nach dem Wettkampf als „lächerlich und indiskutabel“. Vielleicht aber bringt Sebastian Bayer ein längerer Aufenthalt in seiner Wahlheimat auf andere Gedanken. Vom Leben in Hamburg jedenfalls ist der Rheinländer ebenso angetan wie von den Trainingsbedingungen in der Metropolregion. „Ich wohne seit Januar in Hamburg und bin total begeistert.“ Nur fünf Minuten beträgt die Laufstrecke von seiner Wohnung bis zum Stadtpark, den Standort in Appen kann er in einer knappen halben Stunde mit dem Auto erreichen.