Pinneberg
Hetlingen

Welche Macken hast du, Nisse?

Der zweifache und jüngste Derbysieger in der Geschichte des Springsports stand auf dem Hof seiner Eltern Schülern Rede und Antwort

Hetlingen. Eine Seefahrt, die war lustig, ganz bestimmt für 13 auserwählte Schüler der Oberschule Steinkirchen im Landkreis Stade. Die Gruppe fuhr mit der Fähre vom Anleger Lühe über die Elbe nach Wilkomm-Höft in Wedel, um einem prominenten Sportler einen Besuch abzustatten. Nisse Lüneburg, der aktuelle Derbysieger der Springreiter in Klein Flottbek, stellte sich den neugierigen Fragen der Pennäler, die hochgradig interessiert waren und ausgetüftelte Fragen mitgebracht hatten.

Einen internationalen Topreiter hautnah in Hetlingen auf dem Hof Idenburg mit seiner Familie zu treffen, ist natürlich für jeden „Nachwuchsreporter“ ein Traum. Die elf bis zwölf Jahre alten Mädchen und Jungen waren völlig aus dem Häuschen und aufgeregt. „Ist Nisse Lüneburg schon da? Ich glaube, wir haben ihn gesehen“, sagen Luca und Kevin, beide elf Jahre jung, ganz keck. Gerade ist der zweifache und gleichzeitig jüngste Derbysieger Nisse Lüneburg aus Wedel (Stall Moorhof) mit weiteren Turniererfolgen und Schleifen von Fehmarn zurückgekehrt.

Es rücken die jungen Nachwuchsmoderatoren und Filmemacher mit rund 100 Fragen und einem Schnelligkeitsquiz an. Fragen über Fragen stehen druckreif auf Karteikarten. „Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass die Schüler in der Aufregung die eigene Handschrift nicht mehr lesen können“, sagt Initiator Christof Rupprecht von der federführenden Projektleitung sportXperten. „Fragen, die wir vorher gemeinsam bearbeitet haben, drucken die Jugendlichen auf Karteikarten aus.“

Karin Lüneburg, verantwortlich für Zucht und Haltung der Stuten und Fohlen, hatte eine Sitzecke eingerichtet. Sie war total gespannt. „Eigentlich können wir uns ja fast über die Elbe sehen“, ruft sie in die Runde. „Seht ihr den Leuchtturm? Da liegt ungefähr eure Schule.“

Der erfahrene ARD-Sportchef Walter Johannsen ist auch vor Ort. Der Hamburger, der in der Vergangenheit bei vielen Olympischen Spielen und Fußball-Ereignissen im TV kommentierte, ist ehrenamtlich für sportXperten tätig. „Meine Frau machte mich auf das Jugendprojekt aufmerksam. Für mich ist es eine wichtige und sinnvolle Aufgabe im Ruhestand.“ Der Medien-Mann erteilt leise Anweisung: „Ton und Bild sind jetzt wichtig, konzentriert euch. Wo steht die Sonne? Haben wir mit Licht, Wind und Schatten Probleme? Überprüft die Positionen genau.“ Kamera, Stativ, Mikrofon – alles war für den großen Augenblick platziert.

Marvin, elf Jahre, darf die ersten Fragen stellen und sorgte für Erheiterung: „Frau Lüneburg, was ist leichter, fünf Kinder erziehen oder die Aufzucht mit den jährlich über 14 Fohlen?“ Diese charmante Frage war mit einem Lachen erledigt: „Ich glaube, meine Kinder sind einfacher zu handeln. Beides bereitet aber große Freude. Die Fohlenaufzucht ist mit viel Einsatz und Hoffnung verbunden. Jeden Tag bin ich auf drei verschiedenen Weiden und kontrolliere über 100 Pferde, Gastvierbeiner von Freuden, Züchtern und Kunden mitgerechnet.“

Die elf Jahre alte Eileen hat weitere Fragen: „Wird das Fohlen hier ein Sportpferd für die große Nummer? Und warum der Name Pulvermanns Grab?“ Die jungen Reporter hinterfragen in verschiedener Teamarbeit alles ganz genau.

Eileen: „Ist Derbysieger Calle Cool immer cool?“ Nisse Lüneburg: „Im Herzen ist er recht sensibel, er ist 17 Jahre alt und für Turniere vorab nicht vorgesehen. Trainingsrunden mit Ausritten stehen im Mittelpunkt. Den Pferdenamen habe ich mir nicht ausgesucht, sondern die Züchter aus Dithmarschen.“

Die besten Spring- und Dressurpferde werden mit Preisanfragen neugierig abgefragt, wieviel ein Weltpferd wie Totilas oder Casall kosten könnte. Diese heikle Frage umging Nisse mit seiner Mutter ganz geschickt, denn was hilft ein Top-Pferd im Stall, das sich nur speziell reiten lässt? Plötzlich sind die Schüler beim Thema „Macken“, direkt an Nisse Lüneburg gerichtet: „Meine größte Macke sind Pferde, es dreht sich den ganzen Tag nur um Pferde, für euch ist das alles vielleicht nicht vorstellbar. Nachwuchs begutachten, Abstammung studieren, Zucht und die Vorfahren sind uns wichtig. Ein Pferd für Olympia zu züchten, ist auch für uns ein Traum.“

Es taucht noch die unverblümte Frage auf, wie oft denn ein guter Reiter vom Pferd falle: „Oh, auf dem Turnierabreiteplatz passierte es erst vor kurzem. Vor dem Turnierstart auf Fehmarn flog ich aus dem Sattel. Ich bin froh, dass alles ohne Folgen blieb. Meine Stürze zähle ich mittlerweile nicht mehr. “

Zum Abschluss hatte Marie noch Quizfragen im Rucksack versteckt, Mutter Karin und Sohn Nisse hatten im Wechsel jeweils 30 Sekunden, Zeit für Fragen wie diese: Was ergibt 18 mal 18, dann: das englische Wort für Hinweis. Oder: Warum können Vögel fliegen, was wird im Winter warm und wird schnell flüssig und was ist schwarz und liegt unter einem Baum? Da herrschte Spannung und fröhliches Lachen mit lustigen Antworten: Das Schwarze unter dem Baum ist im Sommer der Maulwurf? Mein Hund? Ganz falsch – der Schatten.

Danach war Schluss mit dem Interview. Die Fähre wartete und es ging mit jeder Menge toller Eindrücke zurück ans andere Elbufer.