Pinneberg
Elmshorn

Nachspiel vor dem Sportgericht

FC Elmshorn schlägt HR im letzten Oberligatreffen 5:3, muss sich jedoch für unsportliches Fan-Verhalten verantworten

Elmshorn. Ein Melzer kommt (eventuell), ein Melzer geht (wahrscheinlich). Das 5:3 (2:2) über die SV Halstenbek-Rellingen war der letzte Auftritt von Helge Werner Melzer zumindest als Interimscoach der Oberliga-Fußballer des FC Elmshorn. Sohn Merlin, 19, gab als Stürmer sein Herrendebüt, wenn auch nur für drei Minuten. Am 20. Juni legt der Vater zudem sein Präsidentenamt nieder. Als Nachfolger steht Michael Homburg (Vize-Präsident Jugend) bereit.

Bert Ehm will Elmshornern in anderer Funktion zu neuer Blüte verhelfen

Mit einer Träne im Auge habe er mittags vor dem Spiel an die zurückliegenden vier Jahre und fünf Monate gedacht, sagt der scheidende Clubchef. In welchem Umfang er noch beratend für den FCE tätig bleibt, bestimmt die Mitgliederversammlung ebenfalls am 20. Juni. Als zukünftigen sportlichen Leiter installierte Helge Werner Melzer bereits den früheren FCE-Meistercoach Bert Ehm.

Der hatte mal den Wunsch geäußert, „auf der Trainerbank zu sterben“. Nach 35 Jahren an der Seitenlinie reizt ihn aber die Aufgabe, dem FCE in anderer Funktion zu neuer Blüte zu verhelfen. Die Zeit drängt. Als Erstes müssen Melzer und Ehm die Trainersuche zum Abschluss bringen. Dann gilt es, den Kader aufzuforsten.

Bislang stehen erst Dennis Ghadimi, Björn Dohrn (SV Lieth) und Goran Petrekovic-Lonka (Bramfelder SV) als Neuzugänge fest. Dass Melzer junior nach langer Pause wegen einer schweren Knieverletzung sogleich in den Oberliga-Kader rückt, ist unwahrscheinlich. Dem stehen die Verluste der Leistungsträger Fabian Böwig, Jan-Henrik Kaetow, Yannick Sottorf, Kim Helmer und Pascal Eggert, alle vor dem Spielbeginn mit Blumensträußen verabschiedet, gegenüber. Vom Team, das mit Ehm 2012 die Rückkehr in die Oberliga realisierte, bleiben Elmshorn nur noch Patrick Scheidt und Patrick Ziller erhalten.

Der Halstenbeker Sebastien Mankumbani berührte als Letzter von rund 400 Oberliga-Akteuren den Ball. Dann pfiff Schiedsrichter Michael Mond (TSV Siems) die Oberliga-Saison 2013/2014 ab. Die 170 Zuschauer im Krückau-Stadion bedankten sich mit viel Beifall für unterhaltsame 90 Minuten. Allerdings wartet auf die Elmshorner noch ein Nachspiel. Am Dienstag, 27. Mai, muss Michael Homburg dem Sportgericht erklären, warum sich trotz Sicherheitsvorkehrungen im Punktspiel am 13. Mai gegen BU erneut die Freunde der Pyrotechnik (an der Wilhelmstraße) in Szene setzen konnten. Auf den Club wartet nicht zum ersten Mal eine Geldstrafe wegen unsportlichen Verhaltens von Zuschauern. Droht wegen der Anhäufung der Vorkommnisse sogar eine Platzsperre?

Halstenbeker verabschieden sich bei Abschlussfeier von acht Spielern

Die Halstenbeker sagten abends bei ihrer Feier am Jacob-Thode-Platz gleich acht Akteuren Lebewohl. Ligaobmann Thomas Berg bat nach zehn Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit um eine schöpferische Pause. Herzlich fielen die Umarmungen schon während des Spiels aus, als sich Kevin Tittel nach 50 Minuten gegen André Alves Lopes auswechseln ließ. Beide Keeper bekamen so ihr Abschiedsspiel. Weniger Freude daran hatte Alves Lopes, der sich nach Schüssen von Frederic Sarpong (3:2/57.) und Pascal Eggert (4:2/60.) sogleich nach dem Ball in seinem Netz bücken musste. Dabei hatten Nikola Maksimovic (25.) und Sinan Demirci (29.) das Elmshorner 1:0 von Eggert (5.) vorher in eine 2:1-Führung der Halstenbeker verwandelt. Maurizio D` Urso war nach Zillers Querpass eine Stiefelspitze eher als Danijel Suntic am Ball (2:2/39.).

Bert Ehm, lässig (Goldkettchen, Sonnenbrille) auf der obersten Stehtraverse postiert, konnte nicht aus seiner Trainerhaut und äußerte Kritik: „Wieso lässt Helge den Böwig in der ersten Halbzeit vorne spielen? Mit ihm als Sechser waren wir nach der Pause doch wesentlich sattelfester.“ Der Interimscoach sah es nicht so verbissen: „Fabian hat mir erzählt, was für ein toller Spielmacher er früher gewesen ist. In dieser Rolle wollte ich ihn einmal sehen.“ Warum auch nicht? Beinahe wäre Böwig, der sei Karriereende in Aussicht stellte, ein Torerfolg geglückt. Tittel zeigte seine beste Parade im Spiel (35.).

Christian Schümann humpelt zum guten Schluss noch verletzt vom Platz

Ziller mit einem schönen Schuss aus über 20 Metern (5:2/75.) und Jaques de Oliveira mit einem Flugkopfball (5:3/81.) rundeten den bunten Nachmittag ab. Ärgerlich war es für FCE-Betreuer Uwe Wölm, nach dem Ball im Gebüsch zu suchen und so Sarpongs 3:2 zu verpassen. Wesentlich schlimmer erging es aber dem eingewechselten Elmshorner Christian Schümann, der nach einem leichten Schubser umknickte, lange am Boden liegen blieb und schließlich mit schmerzverzerrtem Gesicht Merlin Melzer Platz machte.