Pinneberg
Wedel

Auf eine steife Brise eingestellt

Die Wassersportler des Segelvereins Wedel-Schulau wollen sich für die 2. Bundesliga qualifizieren

Wedel. Die Aussicht auf einen Startplatz in der Bundesliga für die kommende Saison gab einem Sextett des Segelvereins Wedel-Schulau (SVWS) für die Relegation reichlich (Rücken-)Wind. Um ihr großes Ziel zu erreichen, überließen Julius Raithel, Johannes Zoller, Stefan Hüners, Yorck Frese, Andreas Milow und Kolja Mischok denn auch nichts dem Zufall. Ein ganzes Wochenende probten sie auf der Flensburger Förde in der Nähe von Glücksburg den Ernstfall auf demselben Kurs, auf dem an diesem Wochenende noch bis Sonntag, 6. April, die Qualifikationsregatta zur Segel-Bundesliga mit Booten der Typen J-70 und J-80 ausgefahren wird.

Zehn Stunden auf dem Wasser präpariert die Crew für die Premiere

Dabei bekamen die Wedeler schon einmal einen Vorgeschmack auf das, was ihnen bei den entscheidenden Wettfahrten bevorstehen könnte. Zunächst mussten sich die Bundesliga-Aspiranten von der Elbe im freien Training bei dichtem Nebel mit den zur Verfügung gestellten Booten vertraut machen. Es folgten Trainingsrennen gegen andere Bundesliga-Teams, bei denen jeder Durchgang wie auch bei der Relegation nur neun bis 15 Minuten dauerte. So konnten viele Starts und Tonnen-Manöver geübt werden. Am Abschlusstag der Vorbereitung erlaubte den Wedelern zudem ein leichter, aber konstanter Wind das Trainieren von Wenden, Halsen und Tonnenrundungen.

Nach insgesamt zehn Stunden auf dem Wasser sieht sich das Team des SVWS nun bestens präpariert für die Qualifikationsregatta am Wochenende, zumal nunmehr auch die Crew für die entscheidenden Wettfahrten steht. „Stefan Hüners, Andreas Milow, Johannes Zoller und Julius Raithel werden alles daran setzen, dem Verein einen Startplatz in der 2. Segel-Bundesliga zu sichern“, sagt Sven Pahnke, Jugendobmann der Segelvereins Wedel-Schulau.

Eine erfolgreiche Qualifikation vor Glücksburg wäre der größte sportliche Erfolg für den Club, der 1936 von Wedeler und Schulauer Seglern gegründet wurde und seitdem sein Domizil am Schulauer Hafen hat. Mitte der 1960-er Jahre wurde das Vereinszentrum an den jetzigen Standort am Strandbaddamm verlegt und existiert seit den 1970-er Jahren in seiner heutigen Form. Zur Zeit zählt der Verein knapp 500 Mitglieder aller Altersgruppen.

Jugendarbeit, Förderung des Segelsports und Ausbildung stehen seit jeher hoch im Kurs beim SVWS, und davon könnte der Club jetzt profitieren. Die Anfang der 1970-er Jahre gegründete Jugendgruppe verfügt mittlerweile über eine Flotte von 50 Booten. Einen Schwerpunkt der Ausbildung bilden dabei nach wie vor der Umgang mit Optimisten für die Einsteiger, die Teeny-Jollen als Umsteigemöglichkeit in die Zweimann-Bootsklassen und die Piraten. In den drei Optimisten-Kursen erlernen derzeit 40 Jugendliche das Segeln. Ein wesentlicher Teil der Ausbildung besteht darin, den Sportlern Werte wie Verantwortung und Teamgeist zu vermitteln. „Über die seglerische Grundausbildung und den Breitensport folgt später meist der Einstieg ins Regattasegeln“, sagt Pahnke.

Der Wedeler Club möchte den Segelsport noch populärer machen

Eine verlockende sportliche Perspektive eröffnete den Wedeler und Schulauer Seglern die Einführung einer 2. Bundesliga zur kommenden Saison. „Das Format der neuen Klasse ist sehr ansprechend, da das Wettkampfgeschehen mit nur drei Regatten überschaubar ist und bei allen Fahrten unterschiedliche Crews eingesetzt werden können“, sagt Sven Pahnke. Allerdings verblieb den SVWS-Sportlern aufgrund der kurzen Zeitspanne zwischen der Abgabe einer Meldung (Mitte Januar) und der Relegation kaum Zeit für eine ausgiebige Vorbereitung. Dank eigenen Engagements und einiger Spenden war es der Crew dann aber doch gelungen, das Angebot des Deutschen Hochseesportverbandes Hansa (DHH) anzunehmen und an einem Trainingswochenende teilzunehmen.

Mit der Bewerbung für einen Platz in der Bundesliga verfolgt der SVWS indes nicht nur sportliche Ziele. Der Club möchte Segeln und Segelausbildung in Wedel und Umgebung noch populärer machen. Zudem sollen Junioren und Regatta-Segler zusätzliche Möglichkeiten zur Ausübung dieses Sports in einem attraktiven, anspruchsvollen Umfeld geboten werden. Auch den Zusammenhalt im Verein könnte eine erfolgreiche Bundesliga-Relegation weiter stärken, da alle teilnehmenden Sportler unter ihrer Clubflagge segeln.

Die Konkurrenz, der sich die Wedeler Crew vor Glücksburg erwehren muss, ist groß. „Insgesamt haben sich 61 Vereine mit 250 Seglern aus dem gesamten Bundesgebiet für die Teilnahme an der Relegation zur Segel-Bundesliga beworben, nur das Saarland und Sachsen sind nicht vertreten", sagt Pahnke. Ausgefahren wird die Relegation auf vom Veranstalter gestellten Booten, jede Besatzung besteht aus vier Seglern (Steuermann und drei Crew-Mitglieder). Die Gesamt-Relegation besteht aus zehn Rennen (Flights), in denen auf je neun einzelnen Wettfahrten jeder Verein einmal segeln muss. Vor jeder Fahrt werden die Boote getauscht, sodass am Ende alle Crews einmal gegeneinander angetreten sind. Über die abschließende Platzierung entscheidet eine Punktwertung. Die ersten fünf Teams haben einen Platz in der höchsten Klasse sicher, die folgenden 18 dürfen für die 2. Bundesliga planen.

Ob die Wedeler und Schulauer zu denjenigen gehören, die prominenten Gegnern wie Michael Marcour (Herrschinger Segelclub/Bayern), der bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles die Silbermedaille in der Starboot-Klasse gewonnen hatte, Paroli bieten können, wird sich zeigen. Die Chancen auf einen freien Platz in der 2. Bundesliga taxiert Sven Pahnke immerhin auf 50:50. „Abgerechnet wird jedenfalls erst nach der abschließenden Wettfahrt.“