Pinneberg
Wedel

Wedeler rupfen die Tauben

TSV gewinnt das Landesliga-Spitzenspiel beim USC Paloma mit 2:0. „DSDS“-Kandidatin als prominenter Fan

Wedel . Betreuer Jockel Möller hatte die Flasche im Clubheim des USC Paloma besorgt. Zur Feier des Tages gönnten sich die Spielerfrauen- und Freundinnen Sekt aus Plastikbechern. Die Landesliga-Fußballer des Wedeler TSV tankten Selbstvertrauen für die bevorstehenden schweren Aufgaben. Nach einem 2:0 (1:0)-Erfolg beim bisherigen Spitzenreiter USC Paloma sind die Wedeler in der Hammonia-Staffel „heimlicher Tabellenführer“.

Mitten im Sektfrühstück war Walter Zessin aber um eine nüchterne Bestandsaufnahme bemüht. „Wir bleiben entspannt und machen uns keinen Druck“, betonte der Ligaobmann des TSV. Der Schampus wird auch dann nicht kaltgestellt, wenn die Wedeler im nächsten Heimspiel den punktgleichen TuS Osdorf schlagen. Als Titelfavoriten gelten weiterhin andere Teams, ganz besonders der VfL 93.

Aber es prickelt im Wedeler Umfeld. Das ganze Spiel über waren die Anfeuerungsrufe aus dem Block mit den TSV-Fans zu hören. Der Vater von Thorsten Zessin aus dem Wedeler Trainerteam verrät das Geheimnis der plötzlichen Erfolge, nachdem der TSV drei Jahre lang in der Oberliga und Landesliga nur Abstiegskampf zu bieten hatte: „Wir sind jetzt auf vielen Positionen doppelt gut besetzt und können Ausfälle besser als früher verkraften.“ Wie zur Bestätigung seiner Worte erzielte der eingewechselte Björn Kaland nach einem Zuspiel des ebenfalls eingewechselten Hendrik Ebbecke in der 90. Minute das erlösende 2:0. Für die kommende Saison ist die Verpflichtung eines gestandenen Oberliga-Spielers bereits perfekt.

Verteidiger Sebastian Loether, der im vergangenen Sommer den Weg ins Elbestadion fand, erzählt, warum es Spaß macht, für das Wedeler Team zu kicken: „Die dritte Halbzeit ist im Amateur-Fußball sehr wichtig. Bei uns steht nach dem Abpfiff immer ein Kasten Bier in der Kabine. Der Zusammenhalt macht uns stark.“ Für trockenen Humor sorgt neuerdings Mittelfeldspieler Jan Eggers, der einen Schlag von Jannik Dreyer ins Gesicht abbekam, sich aber wieder hochrappelte und mit einem Blick zur Bank mit der weiblichen Begleitung „heute Abend eine Massage“ einforderte. Gemeint war Freundin Vanessa Valera Rojas aus Tornesch, die bei der Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) die Jury um Dieter Bohlen bislang überzeugte und sich Hoffnung auf einen Plattenvertrag sowie 500.000 Euro für den ersten Platz machen darf.

Die Wedeler präsentierten auf dem Grandplatz der „Tauben“ an der Brucknerstraße keinen Superstar und auch keine Fußball-Symphonie, aber Teamgeist und Biss in den Zweikämpfen. Glück hatten sie in der sechsten Minute, als die linke Hand von Paloma-Spieler Sven Drews bei einem Flankenball von Mark Hinze zum Ball zuckte. Es gab Strafstoß, den Christopher Dobirr zum 1:0 der Gäste verwandelte. Anton Freundt und Jan Eggers hatten die Chancen, die Führung auszubauen. „Die erste Halbzeit von uns war klasse“, urteilte Thorsten Zessin.

Ein Signal sendete dann Freundt aus, indem schon nach drei Minuten aus der Halbzeitpause aufs Spielfeld zurückkehrte und sich mit Dehnübungen die Wartezeit auf die Teamgefährten vertrieb. „Ich habe Leistenprobleme. Wenn ich mich jetzt hinsetze, geht gar nichts mehr“, sagte der Stürmer, der dann immerhin noch bis zur 76. Minute durchhielt. Überhaupt legt Heiko Barthel, der sich beim TSV die Trainerarbeit mit Thorsten Zessin teilt und früher als Anführer des VfL Pinneberg weder sich noch die Gegner schonte, Wert darauf, auf die Zähne zu beißen. „Drei andere haben auch Aua“, ermahnte er Verteidiger Davor Celic, der offenbar kurz davor stand, um seine Auswechselung zu bitten. Kompromisslos bekämpften Celic und Nebenleute den USC-Endpurt. Eine Torchance gestatteten sie den Gastgebern nur in der 74. Minute, als Visar Galuca einen Eckball neben das Tor köpfte. Manager Kadir Katran schwenkte vor Freude den Eiskoffer in der Luft, als Kaland die endgültige Entscheidung herbeiführte. „Schade, dass es kein Sonnabend ist“, ärgerte sich Sebastian Loether. Sonst wäre es noch eine Party bis in die frühen Morgenstunden geworden.