Pinneberg
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Turnier mit „verrückten“ Anekdoten

Von Donnerstag bis Sonnabend kämpfen beim Bert-Meyer-Cup 28 Teams um die inoffizielle Hallen-Kreismeisterschaft

Pinneberg. Den letzten Abend des Jahres verbrachte Roland Lange mit Ehefrau Heike gemütlich beim Silvesterkonzert der Musikschule Pinneberg im Ratssitzungssaal und in einem italienischen Restaurant. „Jetzt gehen die drei verrückten Tage los“, dachte er spontan beim Aufwachen. Der Pensionär, ein Urgestein der Fußball-Sparte des VfL Pinneberg, fiebert dem dritten Bert-Meyer-Cup, für dessen Ablauf er verantwortlich zeichnet, entgegen.

28 Teams kämpfen in der Sporthalle des Theodor-Heuss-Gymnasiums am Thesdorfer Weg um die inoffizielle Kreismeisterschaft im Hallenfußball. Die Kreisliga-Kicker der Sportfreunde Pinneberg bestreiten am Donnerstag, 2. Januar, um 16.45 Uhr das Eröffnungsspiel gegen TuS Borstel (Kreisklasse). Erinnerungen an 2003 kommen auf. Nach Turbulenzen in einem Gruppenspiel schritten die Borsteler kurz vor Schluss vom Parkett und kamen nicht wieder. Es ist nicht die einzige „verrückte“ Anekdote, die sich um die VfL-Turniere rankt. Vor allem, als der Budenzauber (anfänglich in der Jupp-Becker-Halle) noch „Tageblatt-Cup“ hieß, war für jede Menge Gesprächsstoff gesorgt.

2004, die Feuerwehr rückt an. Spieler hatten im sanitären Bereich zu heiß geduscht. Die Dampfentwicklung löst den Feuermelder aus.

2006, Dennis Schultz (jetzt SV Rugenbergen), Torwart der SV Halstenbek-Rellingen, hockt wie ein Häuflein Elend in der Kabine. Der Keeper glaubt, nach einer Roten Karte in Pinneberg für den HSV-Cup am nächsten Tag gesperrt zu sein. Ein Spielausschussmitglied des Hamburger Verbandes bringt in Erfahrung, dass Schultz beim Profi-Turnier für die Hamburger Auswahl mitmachen darf. Die SV Lieth hat Zank mit dem damaligen VfL-Obmann Bodo Bruse. „Nie wieder Pinneberg“, sagte der Klein Nordender Coach Rüdiger Jung. Drei Jahre boykottiert sein Team den Termin. Ab 2010 ist es wieder dabei.

Die Veranstaltung im Jahre 2007 wird durch den Kollaps eines Zuschauers überschattet. Ein Gruppenspiel beim zweiten Qualifikationsturnier wird für 25 Minuten unterbrochen, dann geht es weiter. 2009 wählen die Leser einer Hamburger Fußball-Zeitung das VfL-Turnier zum reizvollsten in ganz Hamburg. Längst hat sich die Zahl der Besucher bei 1500 und mehr eingependelt.

2010 fliegen die Bierbecher aufs Parkett. Ein Spieler von Holsatia/EMTV hat den Ball mit voller Wucht ins Publikum geworfen und dabei einen Zuschauer getroffen. Der Zuschauer läuft aufs Spielfeld und kann nur mit viel Mühe daran gehindert werden, auf den Spieler loszugehen. Der Elmshorner Trainer Peter Meyn stellt sich in die Hallenmitte und entschuldigt sich. Diskussionen um eine Erhöhung der Anzahl von Sicherheitskräften kommen auf. Doch dann bleibt die nächsten drei Jahre alles friedlich.

„Bei uns war schon mehrfach Feuer unterm Dach“, sagt Roland Lange. Der Turnierorganisator meint vor allem die gute Stimmung auf den Rängen und die oft spannungsgeladenen Turnierspiele. VfL-Trainer Michael Fischer wünschte sich so eine Atmosphäre auch einmal bei den Oberliga-Punktspielen. Mit etwas Unbehagen denkt er an die Jahre 2009 und 2010 zurück, als die VfL-Reserve jeweils besser als die Pinneberger Erste abschnitt.

Diesmal wird es für den Cupverteidiger möglicherweise schon schwer, die Gruppenphase zu überstehen. Neben Blau-Weiß 96, dem TSV Uetersen und TBS Pinneberg aus der Landesliga ist Oberliga-Rivale SV Rugenbergen Gegner in der Vorrunde. Gegen die Bönningstedter hatten Fischers Schützlinge das Endspiel um den Liga-Cup des VfR Horst am 29. Dezember 0:2 verloren.

Wem Roland Lange am Ende zum ersten Platz gratuliert, scheint völlig offen zu sein. Sicher ist aber, dass der frühere Torjäger und Trainer danach erst einmal durchschnauft. Ab September 2014 steigt dann wieder die Vorfreude auf den Bert-Meyer-Cup 2015.