Hier wird der Bogen nicht überspannt

Knapp 100 Schützen kämpfen bei den Kreismeisterschaften in Elmshorn um Titelehren. Langjähriger Bogenreferent Uwe Bichel wird verabschiedet

Elmshorn/Holm. Alke Windel spürte wohl schon, dass sie den zeitlichen Rahmen ihrer Laudatio ziemlich großzügig gesteckt hatte. Die Leistungstrainerin für die Bogenschützen beim TSV Holm hatte die besondere Aufgabe übernommen, vor Beginn der Kreismeisterschaften in der Boje-C.-Steffen-Halle von Elmshorn bei der Verabschiedung des langjährigen Kreisbogenreferenten Uwe Bichel (Elmshorn) nette Dankesworte bei ihrer Rede zu formulieren. Und die waren immerhin zwei Seiten lang. Damit sprengte die Holmerin den zeitlichen Rahmen um einiges, sodass die Wettkämpfe am Schießstand mit 98 Aktiven der Region mit einstündiger Verspätung begannen.

Uwe Bichel fühlte sich geehrt nach den Lobes- und Dankesreden. Er erhielt von seinem Nachfolger Jörn Kreimann (Elmshorner Schützengilde) einen Präsentkorb mit zahlreichen Leckereien für seine langjähriges Verdienste in einen Sport, der in der Region all die Jahre im Verborgenen blühte und bisher von einer relativ kleinen Schar von Schützen betrieben wird. Das scheint sich nunmehr nachhaltig zu ändern.

Seit dem Jahr 1990 kümmerte sich Bichel, der der Uetersener Sportgemeinschaft angehört, als Bogenreferent um die Belange der Kreisschützen, die sich in den Folgejahren häufig ausgezeichnet bei größeren Wettkämpfen und Meisterschaften schlugen. Uwe Bichel selbst nahm Anfang der 1970-er Jahre erstmals den Bogen in die Hand und beweist noch heute Zielgenauigkeit und wurde Dritter bei den Senioren (Blankbogen/331 Ringe).

„Er hat viele, die im Laufe der Zeit Leidenschaft für diesen Sport entdeckten, nach vorne gebracht“, sagt Alke Windel stellvertretend für alle Vereinsvertreter im Kreisschützenverband Pinneberg. Der verzeichnet einen erstaunlich regen Zuwachs. Die Zahl der Aktiven und Vereine ist in jüngster Zeit kontinuierlich gestiegen. Beim TSV Holm kam es gar zu einem Mitglieder-Aufnahmestopp während der Hallensaison. Insgesamt gibt es im Kreis zehn Vereine, in dem Bogenschießen angeboten wird. Der jüngste mit den Sportlern des Schützenvereins Tornesch, war bei den Meisterschaften diesmal noch nicht vertreten.

Der nun folgende Generationswechsel wurde in der Elmshorner Halle allen Besuchern klar, die neugierig den Ablauf der Veranstaltung verfolgten. Der Nachwuchs drängt sich in Vordergrund, die Felder in den jeweiligen Altersklassen und Konkurrenzen (Recurve) füllen sich stetig. Da tauchen dann plötzlich Jugendliche wie Peer Dietrichs auf, der gerade mal acht Jahre alt ist und doch selbstbewusst den Bogen spannt, weil er vermutlich schon mal von Robin Hood gelesen oder gehört hat. Der ehrgeizige Knirps startet noch in der tiefsten Klasse der Schüler C und sicherte sich dort den Kreismeistertitel. Er erzielte 498 von 600 möglichen Ringen – eine tolle Leistung.

„Peer ist ein nervenstarker Junge, den so schnell nichts aus der Fassung bringt, und das in der kurzen Zeit von etwa fünf Monaten, in der er dabei ist“, sagte Michael Offermann. Der Pressewart des TSV Holm hatte selbst für die Titelkämpfe gemeldet und belegte in der Klasse der Altersherren den vierten Rang (481 Ringe). In Holm konnte man sich vor allem über den Sieg von Niels Possehn freuen. Bei den Schülern hatte er zunächst Schwierigkeiten mit dem Visier und musste die sogenannte Passe nachschießen. Das ist immer recht aufregend für einen Schützen, weil natürlich alle Konkurrenten und Besucher zusehen können. Der Holmer hatte aber gute Nerven, fast wie aus Stahl und schoss von den erforderlichen drei Pfeilen einen genau ins Gold (10er Wert).

Pech hatte Niels’ Clubkamerad Lars Arved Koopmann, dem ein „Öhrchen“ der Sehne riss und daher „nur“ den zweiten Platz hinter Sieger Possehn erreichte. Im Herren-Einzel (Recurve) siegte Leif Kähler (Uetersener SG), seit Jahren zuverlässig im Vorderfeld anzutreffen. In der Damen-Konkurrenz gewann Antje Lange (ebenfalls USG), sie wurde schon mehrfach Kreismeisterin. Mit je elf Goldmedaillen waren die USG und der TSV Holm erfolgreichste Vereine. Die Elmshorner Schützengilde schaffte acht Titel, der Schützenverein Quickborn auf vier.

Alle Aktiven, die auf den ersten Plätzen eingekommen sind, müssen sich jetzt bis zum Jahresende gedulden, ob sie auch bei den folgenden Landesmeisterschaften (17./18. Dezember) starten dürfen. Erst wenn die Ergebnisse der anderen Kreisverbände ausgewertet sind, rekrutiert sich daraus die genaue Zahl der teilnahmeberechtigten Schützen. Derweil freuen sich die Sportler des TSV Holm schon auf die zweite Augusthälfte des kommenden Jahres. Dann nämlich feiert die Bogensparte des TSV Holm ihren 25. Geburtstag, bei dem ein großes Turnier (Amerika-Runde) im Blickpunkt stehen wird.

Ergebnisse aus Elmshorn unter: kreisschützenverband-pinneberg.de