Pinneberg

Wie im Märchen aus 1001 Nacht

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Frank Will

Binnen 101 Minuten beenden die Drittliga-Volleyballer des VfL Pinneberg ihre Pleitenserie gegen Norderstedt mit 3:1

Pinneberg. Nicht 1001 Nacht, sondern genau 101 Minuten benötigten die Drittliga-Volleyballer des VfL Pinneberg, um mit 3:1 (23:25, 26:24, 25:15, 25:19) über den 1. VC Norderstedt in der Jahnhalle den ersten Saisonsieg 2013/14 einzufahren und eine schwarze Serie zu beenden. In den zurückliegenden drei Begegnungen mit dem Erzrivalen aus dem Nachbarkreis Segeberg hatte es ausschließlich Niederlagen gegeben. Diesmal allerdings waren es die Norderstedter, die nach dem letzten Ballwechsel die Köpfe hängen ließen und enttäuscht aufs Parkett sanken, während sich die Pinneberger von 200 Fans auf der Empore feiern ließen.

Den Matchball hatte kurz zuvor der überragende Akteur im schwarz-gelben Trikot zur Chefsache erklärt. Außenangreifer und Kapitän Lars Lydorf, in letzterer Funktion seit kurzem Nachfolger von Stand-by-Spieler Daniel Pötz, krönte seine starke Leistung mit einem krachenden Schmetterball in die gegnerische Feldhälfte, nachdem er kurz zuvor drei Norderstedter am Netz überloppt hatte. Nach Spielende gab sich „die Lok“, wie Lydorf mannschaftsintern genannt wird, gewohnt bescheiden, wurde aber von seinen Teamkameraden in umso höheren Tönen gelobt. Einig waren sich alle darin, dass Lydorf weder vom gegnerischen Block noch von der Feldabwehr zu stoppen gewesen war. Der Matchwinner selbst gab die Komplimente Richtung Team zurück, lobte die Mannschaftsleistung und sprach von einem deutlichen Übergewicht im Bereich Aufschlag/Annahme. „Wir wussten immer, dass wir mit Norderstedt auf Augenhöhe agieren, haben aber zuletzt einfach immer wieder unter unseren Möglichkeiten gespielt“, sagte Lydorf.

Damit war im jüngsten Duell spätestens nach dem verlorenen ersten Satz Schluss. Zu Spielbeginn hatte es allerdings danach ausgesehen, als würde die Misserfolgsserie gegen die Norderstedter fortgeschrieben werden. Die Pinneberger liefen permanent Rückständen nach und verloren den Durchgang dann auch noch aufgrund einer Fehlentscheidung beim Norderstedter Satzball.

Die Wende schafften die Pinneberger mit dem gewonnen zweiten Durchgang. „Es war unglaublich, wie enthusiastisch uns die Zuschauer angefeuert haben, nachdem wir gerade einmal einen Satz denkbar knapp für uns entschieden hatten“, sagte Zuspieler Sebastian Rieck. Immer wieder setzte der TV-Sportjournalist seine Mannschaftskameraden mit klugen Anspielen in Szene. Von diesen profitierten dann bei weitem nicht nur Lydorf, der in Aufschlag, Annahme, Block und Angriff mit einer nahezu 100-prozentigen Quote gleichermaßen brillierte, sondern mit Christian Copf auch der zweite Pinneberger Außenangreifer. Auch Regisseur Rieck machte wenig Aufhebens von seiner Leistung. „Ich habe sicherlich schon einige schlechtere Spiele gemacht.“

Hoch zufrieden war der Pinneberger Trainer Joachim Müller. „Im Außenangriff haben wir heute das Spiel gewonnen", sagte der Coach, der sich allerdings darüber wunderte, dass seine Mannschaft nach einer durchwachsenen Vorbereitung schon zu einem derart frühen Zeitpunkt in der Saison in der Lage gewesen war, eine Topleistung abzurufen. „Es war noch nicht alles Gold, aber doch schon sehr vieles gut.“

Die Auswirkungen der Pinneberger Zermürbungstaktik wurde bereits im dritten Satz offensichtlich. Während sich die Pinneberger in einen Rausch spielten, erlahmte der Widerstandswille der favorisierten Gäste, die diesen Durchgang mit 15:25 abgaben. Zwar bäumten sich die Norderstedter noch einmal auf, führten im vierten Satz sogar phasenweise, kapitulierten dann aber vor dem unbedingten Willen und der Moral der Heimmannschaft. Für Sebastian Rieck waren denn auch drei Faktoren ausschlaggebend dafür, dass sein Team nach der 0:3-Auftaktpleite in Schöneiche den Fehlstart in die neue Spielzeit abwenden konnte. „Wir waren heiß auf den Sieg über Norderstedt, wir waren in Aufschlag und Annahme extrem stark, und wir hatten mit Lars und Chris die überragenden Spieler.“

Besonders stolz sind die Pinneberger darauf, dass sie mit dem VCN einen Gegner besiegt hatten, der auf einzelnen Positionen stärker besetzt ist. „Dass wir als Team auf hohem Niveau agieren können, wissen wir seit Jahren“, sagt Libero Christian Rieck. Nach dem Triumph über die Norderstedter käme es nun darauf an, am Sonnabend, 9. November, auswärts gegen einen starken Gegner zu bestehen. Um 19 Uhr gastiert die VfL-Crew in der Bundeshauptstadt beim Berliner VV, den sie 2012/13 zweimal besiegen konnten.

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