Elmshorn

Die Zauberkraft von Glückspilz „Holly“

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Wolfgang Helm

Melanie Hollerieth sorgt vor jedem Spiel des FC Elmshorn für ein kleines Ritual. Glaube versetzt nach Meinung der Trainergattin Berge im Team

Elmshorn. Vor jedem Spiel des FC Elmshorn ist es dasselbe Ritual. Melanie Hollerieth kniet an der dem Stadioneingang nächsten Eckfahne und legt „Holly“ in den Viertelkreis. Anschließend spricht die Gattin von Trainer Achim Hollerieth beschwörende Worte, die sie nicht verrät: „Sonst verliert der Zauber seine Wirkung.“ Schließlich spuckt sie dreimal auf den Boden, schießt ein Handyfoto und drückt dem wattierten Talisman einen Kuss auf. Zu guter Letzt sendet sie das Bild an ihren geschlossenen Freundeskreis bei Facebook, verbunden mit den besten Wünschen: „Glück voran.“ Dann kann das Spiel beginnen.

„Holly“, das ist der Glückspilz aus Stoff, den Melanie Hollerieth einst von ihrer jüngeren Schwester Laura geschenkt bekam. Wenn die Trainergattin („Ich bin ein verrücktes Huhn.“) das Ritual genau einhält, dann können die Elmshorner Oberliga-Fußballer nicht verlieren. „In meiner Vorstellungskraft ist das jedenfalls so. Wenn man sich etwas fest wünscht, dann geht es auch in Erfüllung, außer im materiellen Bereich. Glaube versetzt Berge“, sagt die sportbegeisterte Frau.

Der legendäre blaue Pullover von Udo Lattek ist in bester Erinnerung

Als die Elmshorner am dritten Spieltag ihre bislang einzige Niederlage (1:4 beim SV Rugenbergen) bezogen, hatte sie vergessen, das Foto an Facebook zu schicken, das fiel ihr hinterher siedend heiß ein. Warum es kürzlich gegen Buchholz 08 nur zu einem 1:1 reichte? „Holly lag im Halbschatten“, spottete die Facebook-Gemeinde.

Melanie Hollerieth aber lässt sich nicht beirren und hofft auf eine ähnliche Dynamik, die der legendäre blaue Pullover von Udo Lattek 1987 nahm. „Den ziehe ich erst wieder aus, wenn wir verlieren“, sagte der Sportdirektor des 1. FC Köln nach dem 1:1 beim Bundesliga-Start in Karlsruhe. 15 Spieltage blieben die Kölner unbesiegt, ehe der Pullover beim 1:2 gegen Werder Bremen seinen Zauber verlor.

Überhaupt: Wer Melanie Hollerieth einen „Spleen“ nachsagt, kennt die Gepflogenheiten der Fußball-Stars noch nicht. Harmlos: Der deutsche Nationalspieler Mario Gomez verzichtet auf das Mitsingen der Nationalhymne, nachdem er vor einer U15 Partie einmal stumm geblieben war und ein Tor erzielt hatte. Bizarr: Der argentinische Nationaltorhüter Sergio Goycochea, Elfmeter-Killer bei der WM 1990, urinierte vor wichtigen Elfmeterschießen auf den Platz. Als Sichtschutz bildeten die Mitspieler einen Kreis um ihn. Er wollte damit den Gegner verunsichern.

Einen aber konnte auch das Ritual mit „Holly“ im 13. Saisonspiel nicht vor Unheil bewahren. Die Elmshorner sind in Gedanken weiterhin bei Pascal Eggert, der seinen Einsatz das 5:0 in Blankenese mit schweren Gesichtsverletzungen bezahlte. „Nach diesem schlimmen Sportunfall war mir unser Ergebnis egal, ganz ehrlich“, sagt Achim Hollerieth. Dem am Mittwoch in der Altonaer Asklepios-Klinik operierten Mittelfeldspieler will er nach Möglichkeit vor dem Heimspiel gegen den SC Condor einen Besuch abstatten.

Gute Platzierung ist keine Hexerei, glaubt der Trainer

Fraglich ist noch das Mitwirken von Jan-Henrik Kaetow, der sich beim Spiel in Blankenese ebenfalls (leicht) verletzte. Den erst zweimal besiegten Farmsenern tritt der Drittplatzierte mit Respekt und sehr ernsthaft gegenüber. „Unser guter Tabellenrang ist keine Hexerei, sondern das Produkt harter Arbeit“, betont der Coach. Für den „Hokuspokus“ fühlt sich wieder Ehefrau Melanie zuständig. Spielbeginn: Freitag, 19.30 Uhr. HA-Tipp: 3:1 für den FC Elmshorn.

Landesliga, Hammonia-Staffel

Blau-Weiß 96 – Wedeler TSV

Eigentlich haben Sebastian Loether (Arbeit) und Daniel Struve (Studium) die Teilnahme abgesagt. „Doch wir werden versuchen sie zu bearbeiten, dass sie schließlich doch kommen“, kündigte Thorsten Zessin aus dem Wedeler Trainerstab an. Der von einer Verletzungsmisere heimgesuchte Tabellenzweite könnte sonst nur 13 Spieler inklusive des Ersatztorhüters aufbieten.

Die seit fünf Partien sieglose Schenefelder Mannschaft plant wieder mit Offensivverteidiger Timm Thau, dessen Rückenbeschwerden abgeklungen sind. Blau-Weiß-Abteilungsleiter Andreas Wilken macht sich im übrigen Hoffnung auf eine Wende im Abstiegskampf. Spielbeginn: Freitag, 19.30 Uhr. HA-Tipp: 1:1.

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