Bönningstedt

Raus aus der Mini-Krise

Oberligist SV Rugenbergen bezwingt nach drei Pleiten den SC Vier- und Marschlande 4:0. Rühmann trifft zweimal

Bönningstedt. Nach Spielende trug Oliver Martin einen Pappteller voll mit Bratwürstchen, eingewickelt in Alu-Folie, Richtung Kabine. „Das ist für die Mannschaft, wie immer, wenn etwas übrig bleibt, mit freundlichem Gruß vom Personal am Grillstand“, erzählte der 19 Jahre alte Verteidiger. Die Fans des SC Vier- und Marschlande gaben ihren Senf dazu. Schimpfend und kopfschüttelnd traten sie den langen Heimweg an.

„Selten zuvor hatte ich einen so entspannten Nachmittag“, sagte Ralf Palapies, Trainer des SV Rugenbergen. Der Gegner war nicht mehr als ein Happen für zwischendurch. Mit einem 4:0 (2:0) über die Gäste aus dem Osten Hamburgs schossen sich die Bönningstedter Oberliga-Fußballer nach drei punktlosen Auftritten aus der Mini-Krise. Oliver Martin durfte nicht nur die Würstchen tragen, sondern auch noch fünf Minuten auf dem Feld mitwirken. Ebenso kam Tim Moritz, ebenfalls 19, zu seinem (neunminütigem) Oberliga-Debüt. Beide Stammkräfte der SVR-Zweiten (Bezirksliga) hoffen, dass sie recht bald wieder Berücksichtigung finden. Als Vorbild könnte ihnen der gleichaltrige Hendrik Rühmann dienen. An dessen Stammplatz als rechter Verteidiger mit Drang nach vorn gibt es zunächst nichts zu rütteln, nachdem er der Partie am Sonnabend mit seinen ersten beiden Oberligatreffern seinen Stempel aufdrückte.

Elegant erzielte das Eigengewächs, das in Bönningstedt wohnt, dort im Kindergarten ein freiwilliges soziales Jahr leistet und seit dem fünften Lebensjahr für den SVR kickt, das 2:0. Nach einem Doppelpass mit Pascal Haase umkurvte Rühmann den Torwart und schlenzte den Ball dann gekonnt in die Maschen (33.). Nach Haases Querpass setzte er sich beim 4:0 wie ein Mittelstürmer in Szene (71.). Rühmann scheint eine Entwicklung zu nehmen wie Kevin Lohrke, der Verteidiger-Kollege auf der linken Seite. Lohrke, 21, benötigte vor zwei Jahren auch nur wenige Spiele, sich einen Stammplatz erobern. In Abwesenheit von Jan Melich führte er das Team gegen den SC Vier- und Marschlande als Kapitän aufs Feld, so viel zu seinem Stellenwert mittlerweile.

Gegner kam mit der Empfehlung von zwei 3:3 gegen HR und Dassendorf

Außer Melich standen auch Mario Jurkschat, der nach seiner Knieoperation weiterhin auf Gehhilfen angewiesen ist, Dominik Ratzuweit, Timo Vanselow, Maik Grabow und Madjid Albry nicht zur Verfügung. Sven Worthmann erschien berufsbedingt verspätet und wirkte nur die letzten 26 Minuten mit. Ralf Palapies hatte gar keine andere Wahl, als die Reservebank mit drei Akteuren aus der Bezirksliga zu bestücken. Dass er gleich zwei davon ohne schlechtes Gewissen einsetzen konnte, hätte er sich vorher nicht träumen lassen. Schließlich kam der SC Vier- und Marschlande mit der Empfehlung eines 3:3 gegen Spitzenreiter TuS Dassendorf angereist.

Davor bereitete das Team auch der SV HR (3:3) und Meister FC Elmshorn (1:3) Schwierigkeiten. Ihr Torjäger Dustin Siegmund machte mit schon zehn Saisontreffern von sich reden. Doch dann war SVR-Stürmer Pascal Haase der bessere Siegmund. Die Oberliga-Untauglichkeit der Gäste-Abwehr an diesem Tag stellte Haase schon in der 14. Minute als Schütze des 1:0 nach einem Solo unter Beweis. Zum 2:0 und 4:0 lieferte er die Vorarbeit. Der Seitenscheitel von SVR-Innenverteidiger Dennis Schmidt saß auch beim Abpfiff noch perfekt, so wenig forderte ihn Siegmund.

Zwischendurch servierte ein gegnerischer Verteidiger die Tor-Vorlage zum 3:0 wie Oliver Martin später die Schinkenkrakauer. Max Scholz suchte sich die Ecke aus (64.). Höhnischer Beifall der eigenen Fans begleiteter einen Querschläger von SC-Torwart Axel Möring, den Fans im Kreis Pinneberg noch aus seiner Landesliga-Zeit beim TuS Holstein Quickborn in guter Erinnerung, eine Minute später. Im Spiel davor waren die Bönningstedter noch die „armen Würstchen“.

Wie die Mannschaft das 0:7 beim SV Curslack-Neuengamme wegsteckte, das rief Begeisterung bei Trainer Ralf Palapies hervor: „Toll, einfach nur toll.“ Am Ende hätte es ein deutlicherer Erfolg sein können, zumal der Gegner die letzten zehn Minuten aufgrund einer Schulterverletzung von Sebastian Spiewak in Unterzahl absolvierte. Da taugte der SC Vier- und Marschlande nur noch als Kanonenfutter.