Pinneberg

Diesmal war ein anderer Zug drin

Positive Reaktionen auf das 2:0 des VfL Pinneberg über SV Rugenbergen. Rückkehrer Thorben Reibe erstmals dabei

Pinneberg. Die Oberliga-Fußballer des VfL Pinneberg haben ihren Thorben Reibe zurück, der beim 2:0 (2:0) über den SV Rugenbergen in der 73. Minute für Alexander Borck eingewechselt und von den VfL-Sympathisanten begeistert in Empfang genommen wurde.

Tut sich noch etwas bei den unterlegenen Bönningstedtern, nachdem sich die gegen ihren Ex-Club noch nicht berücksichtigten Diaz-Zwillinge dem VfL angeschlossen haben? Tatsache ist, dass der beim FC Elmshorn nach Streit in Ungnade gefallene Tim Jeske mehrfach bei Spielen des SV Rugenbergen zugegen war und auch schon mit SVR-Manager Andreas Lätsch Gespräche führte. FCE-Sport-Direktor Helge Werner Melzer dementiert, für den 24 Jahre alten Stürmer eine Ablösesumme von 10.000 Euro gefordert zu haben: "Wir wollen deutlich weniger."

Das klingt nach einem Angebot, sich am Montag, 2. September, letzter Tag der zweiten Wechselperiode, in Verbindung zu setzen. SVR-Co-Trainer Knut Aßmann äußert sich ausweichend: "Unser Kader ist immer noch so gut, dass wir es nicht nötig haben, etwas übers Knie zu brechen." Sponsor Wolfgang Borchert, der entscheidende Mann, gibt sich ebenfalls bedeckt: "Ich sehe es eher so, dass wir am Spielermarkt nicht zwingend aktiv werden müssen."

Ist der Poker eröffnet? Oder verzichten die Bönningstedter tatsächlich auf Aktivitäten? Schließlich förderte die bislang schlechteste Punktspielleistung ja auch eine positive Erkenntnis zu Tage: Nach langer, verletzungsbedingter Pause ist Maik Grabow wieder auf einem guten Weg zu einer festen Größe der Bönningstedter Mannschaft. Seine dynamischen Aktionen in den 23 Minuten, die er mitwirkte, waren fast das Beste, was die Überraschungsmannschaft der ersten drei Spieltage an diesem Abend vor 250 Fans zu bieten hatte. Grabow fehlte wegen eines Knorpelschadens im Knie acht Monate.

Reibes Stern ging unterdessen auf, noch bevor er überhaupt den Rasen betreten hatte. In Sprechchören hatten die Fans schon zu Beginn der zweiten Halbzeit stürmisch seinen Einsatz gefordert. Reibe ging es nach der bitteren Erfahrung, beim FC Elmshorn trotz oft starker Leistungen aufs Abstellgleis geraten zu sein, runter wie Öl: "Die Leute mögen mich in Pinneberg. Das hatte ich schon beim 1:1 mit dem FCE am ersten Spieltag beim VfL gemerkt. Obwohl ich das 1:0 geschossen hatte, waren es hinterher sehr freundschaftliche Gespräche mit den VfL-Fans."

Alles, was der Itzehoer in den wenigen Minuten seines Mitwirkens zeigte, hatte Hand und Fuß. Stets sieht er den besser postierten Mitspieler. Den Ball spielt er schneller und präziser ab als andere. Torgefahr geht von ihm nebenbei auch noch aus. Im Ausnahmeteam des FCE der vergangenen Saison wäre er damit nicht aufgefallen. Im fleißigen, aber biederen Pinneberger Team ist er neben Sascha Richert einer, der sich vom Oberliga-Durchschnitt abhebt. Trainer Michael Fischer verbreitet Zuversicht: "Mit Thorben gehe ich fest von einem einstelliger Tabellenplatz aus."

Mit vier früheren SVR-Spielern (Frost, Vollmer, Dirksen, Brehmer) in der Startelf erwischten die Kreisstädter die Gäste auf dem verkehrten Fuß. Nach einem Ballverlust des diesmal total indisponierten Jan Melich und einem Flachpass Richerts konnte sich Frost die Ecke frei vor SVR-Keeper Dennis Schultz aussuchen. Schon nach einer Viertelstunde hieß es 1:0. Als sich Viktor Streib gegen Richert viel zu zaghaft einsetzte, prallte der Ball zu Flemming Lüneburg. Der jüngere Bruder von Hamburgs Amateur-Fußballer des Jahres, Jan Lüneburg (Eintracht Norderstedt, davor FCE), im Vergleich zur vergangenen Saison ja gar nicht mehr wiederzuerkennen, ließ Schultz mit seinem Schuss in die rechte Ecke keine Chance - 2:0 (30.). "Da ist ein ganz anderer Zug drin als noch beim 0:2 gegen den TuS Dassendorf", freute sich Manfred Wiekhorst, 74, VfL-Verteidiger in den goldenen 60er-Jahren.

Mario Jurkschat per Kopf (48.), Streib, der an VfL-Keeper Tim Brüggemann scheiterte, Pascal Haase mit seinem anschließenden Kopfball (74.) und Madjid Albry, der Dennis von Bastians Querpass verpasste (83.), ließen die Bönningstedter Möglichkeiten ungenutzt. Frank Ockens, früherer Fußball-Koordinator des SV Rugenbergen, der in seiner neuen Aufgabe als Manager des Regionalliga-Neulings SV Eichede aufgeht, war verwundert: "Ich hatte gedacht, dass hier mehr passiert."

Den Verlierern muss allerdings zu Gute gehalten werden, dass ihnen mit Sven Worthmann (Blinddarm-Entzündung), Kevin Beese (verletzt) und Kevin Lohrke (gesperrt) drei Aktivposten der vergangenen Partien bitter fehlten. Jurkschat (Knieprobleme) und Pascal Haase (Grippe) war anzumerken, dass sie nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte antraten - was die überglücklichen Pinneberger nicht davon abhielt, hinterher die Nacht noch zum Tag zu machen.