Schenefeld

Die Jungs machen einfach gute Laune

Landesliga-Fußballer von Blau-Weiß 96 zeichnen Talent und Begeisterungsfähigkeit aus. Trainer Selcuk Turan beschwört vor dem anstehenden Saisonbeginn Teamgeist und Fairplay.

Schenefeld . "Stell du dich hier hin, du da hin": Beim Foto-Termin geriet Abteilungsleiter Andreas Wilcken in Wallung. So eine Vielzahl junger Spieler, die meisten Baujahr 91 bis 94, zu organisieren, ist "wie einen Sack Flöhe hüten". Dafür juckt und kribbelt es wieder in den Zehen. Die Landesliga-Fußballer von Blau-Weiß 96 können gar nicht abwarten, dass es losgeht.

Spontan drückte Thies Raschke seinem jüngeren Bruder Sören einen Schmatzer auf die linke Wange. So wollen die Schenefelder in Zukunft ihre Tore feiern. Gejubelt wurde schon beim Ergo-Cup des SC Alstertal-Langenhorn. Auf dem Weg ins Finale räumten Marcel Jobmann und seine Teamgefährten auch Oberliga-Clubs aus dem Weg. In den Testspielen erzielte Jobmann Treffer ohne Ende, doch im Finale des Ergo-Cups verschoss er einen spielentscheidenden Elfmeter. Wie konnte das passieren? Jobmann wirkt verlegen, die Teamgefährten prusten los. Sie wissen ganz genau, dass diese Frage nicht ernst gemeint war.

Dann lassen alle ihren Übermut noch an Trainer Selcuk Turan aus, den sie auf Händen tragen (oder auf den Arm nehmen?) und dabei am Haarzopf ziehen. Turan lässt alles mit sich geschehen. Diese Jungs, die machen ihm einfach nur gute Laune. Das innige Verhältnis kommt oft bei Punktspielen zum Ausdruck. Seinen bisherigen Kapitän Eico Westphal umarmte Turan nach jeder Auswechselung liebevoll. Nach wichtigen Toren rennen alle in seine ausgebreiteten Arme. Immer wieder beschwört Turan den Teamgeist und das Fairplay. Wer da ausschert, hat allerdings schlechte Karten. Als ein Spieler vergangene Serie den Gegner provozierte und so Rangeleien auf dem Rasen auslöste, wurde er aufgefordert, sich einen neuen Club zu suchen.

Spannend wird die Frage, welcher der nahezu gleichwertigen Torleute sich durchsetzt: der etablierte Fabian Jensen oder Patrick Marciniak, der sogar mal ein Angebot der SV Halstenbek-Rellingen ausschlug? Der nicht immer sattelfesten Defensive könnte Jannik Swennosen Halt geben. Vom VfL Pinneberg begleitete ihn Diego Ballester-Martinez. Gerrit Gomoll kehrte vom SV Lurup zurück, Jesper Cordes (Eintracht Rellingen) soll der nächste nach den Raschke-Brüdern und Jobmann (alle SuS Waldenau) sein, der aus der Kreisliga kommt und in der Landesliga Fuß fasst. Genau das ist Blau-Weiß 96: Ein Ausbildungsverein, mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Viele Schenefelder Talente haben sich sogar in der Oberliga durchgesetzt. Das strebt nun auch Christian Rohweder an, der zu Germania Schnelsen wechselte - der einzige große sportliche Verlust.

Das Aufgebot:

Tor: Patrick Marciniak, Florian Jensen; Abwehr: Lennard Behrends, Lars Briewig, Emre Isilak, Jan Düllberg, Enes Köksal, Sören Raschke, Mahmut Shirdel, Patrick Wolst, Timm Thau; Mittelfeld: Ferdinand Adelmann, Robin Duah Agyman, Adulai Balde, Diego Ballester-Martinez, Jan-Niclas Galke, Florian Härter, Marc Eggerstedt, Gerrit Gomoll, Dennis Grzesik, Aydin Shahin, Eike Westphal, Jannik Swennosen; Angriff: Fabio Bandow, Timo Carstens, Jesper Cordes, Marcel Jobmann, Thies Raschke, Guedo Toure.

HA-Prognose: Der sechste Rang in der Hammonia-Staffel vergangene Serie ist der Maßstab. Den wollen die Schenefelder verbessern. Das schaffen sie.