Appen

Der Turnier-Chef, eine Football-Legende

Toni Meinhardt spielte für die Hamburger Blue Devils in der Bundesliga und ist heute Organisator beim Stadtwerke Pinneberg-Cup im Tennis.

Appen. Mit der Familie war noch einmal eine Woche Relaxen auf Mallorca angesagt. Die nächsten Tage werden nämlich intensiv für Toni Meinhardt. Der Sportwart des Pinneberger Tennis-Clubs kehrte gestern Abend zurück von der Urlaubsinsel und schlüpft nun in eine Rolle hinein, in der der 34-Jährige mithelfen möchte, dem Tennissport in der Region zu einem Aufschwung zu verhelfen. Von Freitag, 19. Juli, bis Sonntag, 21. Juli, findet auf der Anlage des PTC am Voßbarg zum vierten Mal der Stadtwerke Pinneberg-Cup statt, ein Turnier mit internationaler Beteiligung und attraktiven Preisgeldern (Dotierung 4700 Euro, drei Konkurrenzen). Zuschauern bietet sich die Möglichkeit, hochklassige Spiele in einer entspannten und gleichzeitig professionellen Atmosphäre zu verfolgen.

Toni Meinhardt ist Turnierleiter beim Stadtwerke Pinneberg-Cup. Das bedeutet für ihn in diesen Tagen: Alles will bis ins Kleinste organisiert sein, er muss an alles denken: Pressekonferenz, Auslosung, Platzpflege, Cateringservice bestellen, Organisieren der Schiedsrichter, Helfer instruieren, Unterbringung der Spieler. "Ja, da kommt einiges auf mich zu, es wird aber Spaß machen", sagt Meinhardt, dem die positive Resonanz des vergangenen Jahres trotz teilweise katastrophaler Witterungsbedingungen noch in angenehmer Erinnerung ist.

Der Turnierchef ist tennisbegeistert, durch und durch. Und doch gibt es eine Sportart, die ihm seit rund 13 Jahren mehr vertraut ist, weil sie seinem Naturell eher entspricht. Kein anderer Mannschaftssport hat Meinhardt mehr gefesselt als Football. Er gehörte sogar zu den Besten im Norden, nachdem er im Jahr 1999 seine Heimatstadt Dresden verlassen hatte, um sich im Hamburger Umland eine neue Zukunft aufzubauen.

Der Vater half damals mit, dass der Sohn sportlich Fuß fassen konnte. Horst Meinhardt, 1976 deutscher Meister im Eisschnellauf und zum Leistungskader der ehemaligen DDR zählend (er spielte auch Eishockey beim ESC Dresden), war zu jener Zeit Fitnesstrainer bei den Hamburg Blue Devils und stellte den Kontakt zum Traditionsverein in Sachen Football her. Toni Meinhardt gilt als vorzüglicher, fangsicherer Spieler in seiner Position des Wide Reciever. Das hatte sich bei den Devils bis nach ganz oben durchgesprochen.

"Von da an ging es ganz zügig. Ich erlebte eine wundervolle Zeit als Footballspieler", sagt der Inhaber einer Zeitarbeitsfirma für Bodenpersonal an Flughäfen in ganz Deutschland, die derzeit 115 Angestellte beschäftigt. "Auf höchstem Niveau zu spielen, hat mich schon immer gereizt." Meinhardt, von der Statur her keineswegs bullig, sondern eher athletisch, drahtig und kraftvoll wirkend, würde sich noch heute zutrauen, in einer relativ hohen Klasse in einem Sport anzutreten, vor dem viele angesichts der Härte viel Respekt haben. Der Appener ist ein emotionaler Mensch und hebt hervor: "Ich habe mir schon immer gesagt, wennschon - dennschon, halbe Sachen gibt es für mich nicht."

Es folgten erfolgreiche Jahre bei den Devils. Er war mit der Hamburger Bundesliga-Mannschaft deutscher Meister 2001, 2002 und 2003, Vizemeister 2004 und 2006 sowie Vizemeister in der Euroleague. Einer der Höhepunkte überhaupt in seiner Laufbahn war am 8. Juli 2000, an seinem 21. Geburtstag, ein Spiel vor 30.000 Zuschauern in der damaligen AOL-Arena gegen ein mit NFL-Akteuren besetztes Profi-Collegeteam, in dem die Devils nur knapp mit 14:17 den kürzeren zogen. "Was für eine Begeisterung für Football war das damals", schwärmt Toni Meinhardt fast etwas wehmütig.

Doch die fetten Jahre waren eines Tages vorbei. Die Devils standen plötzlich vor wirtschaftlichen Problemen, mussten finanziell abspecken, die Sponsoren liefen weg. Mittlerweile sind die Devils immerhin wieder in die Bundesliga zurückgekehrt. Es dauerte bis zum Jahre 2008, bis sich Toni Meinhardt sagte, dass es jetzt genug sei: Dreimal in der Woche Training, viele Stunden im Fitnessstudio, von April bis Oktober Saison mit bis zu 18 Begegnungen. "Solch ein Programm kann man nicht endlose Jahre durchhalten", findet Meinhardt, für den sich in dieser Zeit auch die private Situation änderte. Er lernte Vanessa Stünckel kennen, die beim PTC Tennis spielt, womit auch die Verbindung zu diesem Sport geschaffen war. Heute tritt der Turnierboss, der mit seiner Frau einen fußballbegeisterten, fünf Jahre alten Sohn namens Elias hat, für die 2. Herren 30 des PTC in der Bezirksklasse an. Außerdem ist da noch ein weiteres Hobby: Golf.

Football lässt den Macher hinter den Kulissen freilich nicht los. Meinhardt verfolgt das Geschehen bei den Devils, wurde von deren Manager Max von Garnier unlängst sogar gefragt, ob er vielleicht Interesse an diesem Posten hätte. Der Appener lehnte ab.

Aktionen wie folgende kürzlich reizen ihn aber weiter. In der Adolf-Jäger-Kampfbahn in Altona fand ein Revivalmatch zwischen den "Legenden" der Blue Devils (20. Geburtstag) und dem aktuellen Team des Clubs statt. Nach einem Zwischenstand von 7:7 stand es am Ende 30:7 für den Favoriten.

Toni Meinhardt findet das Ergebnis nicht weiter tragisch. Für ihn ist es jetzt erst mal wichtig, den Stadtwerke Pinneberg-Cup der Tennis-Cracks zu einem Erfolg werden zu lassen. Und der wäre dann auch ein bisschen sein eigener.