Pinneberg

Sportfreunde Pinneberg - Keine Panik an der Müssentwiete

Früherer Finanzvorstand Dieter Staben räumt Fehler bei Kassenführung ein. Steuerschulden sind beglichen.

Pinneberg. Gestern, 27. Juni, um 12 Uhr hatte Dieter Staben einen Termin bei seiner Anwältin in Tornesch. "Was darf ich jetzt noch in der Öffentlichkeit sagen und was nicht?", das war eine der Fragen, die der frühere Geschäftsführer und Finanzvorstand von Sportfreunde Pinneberg mit dem Rechtsbeistand erörterte. Im Raum steht der Vorwurf, als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Fußballer in Pinneberg Nord gegen Steuergesetze verstoßen zu haben. Die Vereinsvorsitzende Petra Springer erstattete für den Club Selbstanzeige beim Finanzamt Elmshorn und legte ihr Amt nieder. "Da wurde doch aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Ich fühle mich diffamiert", beschwert sich Staben.

Unumwunden gibt er Fehler in den Einnahme-Überschussrechnungen der Jahre 2010, 2011 und 2012 zu. Er habe schlichtweg nicht gewusst, wie er Einnahmen am Tresen im Gemeinschaftsraum des Clubgebäudes an der Müssentwiete und am Kiosk auf dem Sportplatz voneinander trennen sollte. Das sei kompliziert gewesen, zumal sich der Tresen der Getränke vom Kiosk bediente. Daraus sei dann im Laufe der Jahre eine "Nebenkasse" entstanden.

Vereinschefin und Stellvertreter stellten ihr Amt zur Verfügung

Die damit verbundenen Nachforderungen des Finanzamtes in Höhe von "unter 2000 Euro" habe er am 24. Juni aus Vereinsmitteln beglichen. Auch nach seinem Rücktritt am 17. Mai aufgrund interner Unstimmigkeiten hätte er weiterhin für den Verein gearbeitet und über die entsprechende Bankvollmacht verfügt. Staben kam damit seinem Versprechen nach, das er trotz seines Rücktritts leistete: "Ich stehe dem Vereinsvorstand weiterhin mit meinem Rat zur Verfügung." Erst am 30. Juni habe er sich endgültig zurückziehen wollen.

Der Stein kam ins Rollen, als die am 26. Februar 2013 zur Chefin gewählte Petra Springer Stabens Buchhaltung überprüfte und Ungereimtheiten entdeckte. Um selbst nicht in Haftung genommen zu werden, sei ihr bei einer Rücksprache mit einer Juristin und einem Steuerberater geraten worden, ihr Amt ebenso wie Stellvertreter Harri Niewindt sofort zur Verfügung zu stellen sowie die Unterlagen beim Finanzamt einzureichen.

Staben weist jegliche persönliche Bereicherung strikt von sich

"Man hätte mit mir Rücksprache halten und gemeinsam eine Lösung finden können", wunderte sich Staben in einer ersten Stellungnahme. Seine Folgerung aus Petra Springers Vorgehensweise: "Sie war mit dem Amt überfordert und suchte nur nach einem Vorwand, sich aus dem Staub zu machen." Nach seiner Rückkehr aus Tornesch hörte sich das dann anders an: "Ich hatte versucht, offen und ehrlich Stellung zu beziehen. Jetzt aber warte ich einfach ab und sage ich zur Sache gar nichts mehr, nur so viel: Ich bleibe Mitglied bei Sportfreunde Pinneberg. Dieser Verein, für den ich über zehn Jahre hart gearbeitet habe, ist und bleibt mein Verein."

Schöne Momente wie am 28. Mai 2011, als Sportfreunde den "Panik-Cup" ausrichtete und sich Dieter Staben ein Autogramm von Stargast Udo Lindenberg geben ließ, sind unvergessen. Das eigene Ansehen sieht der 72 Jahre alte Uetersener, der jegliche persönliche Bereicherung strikt von sich weist, jedoch stark beschädigt: "Was meinen Sie, was in meiner Firma los ist, für die ich nebenberuflich als Kundenbetreuer tätig bin? Außerdem ist natürlich meine Familie stark in Mitleidenschaft gezogen." Petra Springer, Harri Niewindt und Sportwart Andy Marten waren für eine Stellungnahme in der Zwischenzeit nicht zu erreichen.

Unverdrossen drehten unterdessen zwölf Sportfreunde-Kicker ihre Trainingsrunden. Dass Spieler von einer so genannten "schwarzen Kasse" profitiert haben könnten, hält Jens Meyer, 29, für ausgeschlossen. "In den vier Jahren hier habe ich nicht einen Cent an Aufwandsentschädigungen, geschweige denn ein Handgeld erhalten, sondern immer brav meinen Mitgliedsbeitrag entrichtet", versichert der Teamkapitän. Mit den Vorgängen in der Vereinsführung sei er nicht vertraut. So wie immer bereite man sich auf die bevorstehende Punktrunde vor, zumal sich anbahnt, dass der Club nicht lange beschlussunfähig bleibt.

Demnächst sollen eine Mitgliederversammlung einberufen und ein neuer Vorstand gewählt werden, wobei ein Sponsor bereits angedeutet hat, selbst Verantwortung zu übernehmen. "Sportfreunde Pinneberg darf nicht sterben", wünscht sich sogar die sportliche Konkurrenz in der Kreisstadt, die dem etwa 150 Mitglieder zählenden Verein mit dem vierblättrigen Kleeblatt in seinem Wappen neidlos wichtige und ausgezeichnete Nachwuchsarbeit bescheinigt.