Oberliga Hamburg

FC Elmshorn verzichtet auf den Aufstieg in Regionalliga

Hamburger Meister verzichtet auf die Teilnahme an der Aufstiegsrunde. Finanzielle Gründe sollen ausschlaggebend sein.

Elmshorn. Trainer Achim Hollerieth und die Oberliga-Fußballer des FC Elmshorn sind vor den Kopf geschlagen. Wie Sport-Direktor Helge Werner Melzer bestätigte, geht die Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord ohne den souveränen Meister der höchsten Hamburger Spielklasse über die Bühne. Der Verein kann zur nächsten Saison kein regionalligataugliches Stadion garantieren. Anstelle der Elmshorner spielt der Tabellenvierte Eintracht Norderstedt die Relegation. "Die Enttäuschung in unseren Reihen kann ich verstehen", sagt Melzer. Im selben Atemzug spendet er Trost: "2014 versuchen wir es wieder. Bis dahin ist das Stadion am Krückaupark umgebaut."

Bewegte Tage und Stunden liegen hinter dem Elmshorner Fußball, aber der Reihe nach. "Keine Spekulationen, kein Fass aufmachen", hatte Melzer einen Tag nach dem Oddset-Pokalfinale noch gebeten. Es war klar herauszuhören: Der Sportdirektor wünschte sich den Spielraum, mal Luft zu holen und alle Gedanken in Ruhe zu sortieren, zumal ihm noch die 1:2-Niederlage der Elmshorner gegen den SC Victoria im Kopf herumspukte. Gleichzeitig begann aber die Gerüchteküche zu brodeln: Verzichtet der FCE auf seine Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Regionalliga, weil er kein taugliches Stadion anbieten kann? Schließlich war zu dem Zeitpunkt noch keine Einigung mit der FTSV Fortuna Elmshorn über die zukünftige Nutzung des Sportgeländes an der Wilhelmstraße erfolgt (das Abendblatt berichtete). "Wenn wir nicht übereinkommen, wird der FTSV-Vorstand auch nicht den notwendigen Umbaumaßnahmen an der Wilhelmstraße zustimmen", hatte Melzer eingeräumt. Das Krückau-Stadion als mögliche Alternative kann vom Norddeutschen Fußball-Verband zusammen mit der Stadt erst nach dem Ende der Aufstiegsrunde in Augenschein genommen werden. Anwohner sollen bereits gegen die Ausrichtung von Regionalliga-Spielen protestiert haben. Erster Stadtrat Volker Hatje meldete sich zu Wort: "Wir haben großes Interesse, dass der Sport in Elmshorn funktioniert Aber wir können gegenwärtig nicht einschätzen, welche baurechtlichen Anforderungen entstehen würden." Das Angebot ausgerechnet des Finalgegners, alle Heimspiele im Victoria-Stadion Hoheluft auszutragen, war für Melzer freundlich gemeint, aber keine Überlegung wert: "Als Elmshorner können wir, das eine oder andere Sicherheitsspiel ausgeklammert, unmöglich in Hamburg antreten."

Gerne hätte sich Melzer mit einer endgültigen Entscheidung noch einige Tage und Gesprächsrunden mehr Zeit gelassen. Das wäre aber der Mannschaft von Eintracht Norderstedt gegenüber nur schwer zu verantworten gewesen. Als einziger Club neben dem FCE hatte der SC Eintracht die Zulassung für die Regionalliga beantragt und auch bewilligt bekommen. Am Donnerstagvormittag, meldete sich Melzer dann bei Eintracht-Präsident Reenald Koch und erklärte den Verzicht der Elmshorner auf die Teilnahme an der Relegation. Daraufhin stornierten die Norderstedter ihre geplante Mallorca-Reise. Klarheit herrschte damit aber nicht, sondern Verwirrung, weil sich Melzer nachmittags trotz seines Telefonats mit Reenald Koch mit den Vertretern des Hauptvereins und der Stadt an einen Tisch setzte. Hatte er noch eine plötzliche Idee, den Kickern den zweiten Saison-Höhepunkt nach dem Pokal-Finale zu retten? Stunden um Stunden verrannen.. Im luftleeren Raum schwebten die Spieler, die ihre Lust auf Leistung mit einem 4:0-Erfolg im Nachholtreffen beim SC Vier- und Marschlande nach Toren von Thorben Reibe (15., 23., 66.) und Milos Ljubislavljevic (84.) deutlich zum Ausdruck gebracht hatten. Im Anschluss an das letzte Punktspiel am Freitag, 24. Mai, um 19 Uhr gegen den VfL Pinneberg sollte der souveräne Titelgewinn nochmals gefeiert werden, doch dazu wird der Mannschaft vielleicht nicht mehr zumute sein.

"Unsere Serie mit dem Aufstieg nicht krönen zu dürfen, das wäre ganz großer Mist", hatte Torjäger Jan Lüneburg betont. Wie alle anderen auch hockte der von höherklassigen Clubs umworbene Stürmer auf glühenden Kohlen. Für sich fällte er diese Entscheidung: "Wenn wir die Aufstiegsrunde nicht absolvieren, dann ist das Spiel gegen die Pinneberger mein letztes für den FC Elmshorn." Dann schuf Melzer Gewissheit: Nicht der FCE, sondern Eintracht Norderstedt bestreitet die Regionalliga-Aufstiegsrunde.