Barmstedt

Sie vermitteln Zufriedenheit mit dem eigenen Dasein

Barmstedt Knights gewinnen E-Ball-Cup für Hockey-Rollstuhlsportler. Bis zu 700 Zuschauer sorgen mit Trommeln und Tanzeinlagen für stimmungsvollen Rahmen

Barmstedt. Die erste Mannschaft der BMTV Barmstedt Knights hat den selbst ausgerichteten 1. norddeutschen E-Ball-Cup im Elektro-Rollstuhlhockey gewonnen. Sechs Siege, ein Remis und 14:2 Tore lautet die eindrucksvolle Bilanz, die die "Rollstuhl-Ritter" von Trainer Kay Rollmann in der Barmstedter Sporthalle am Heederbrook aufs Parkett legten. "Ich gönne den Jungs den Erfolg sehr", sagte Uwe Dannenberg, Gruppenleiter der Knights.

"Wir haben die Gegner hervorragend unter Druck gesetzt und gut attackiert", machte Dennis Mingorance Sanz sogleich den Grund für den Erfolg aus. Er erzielte vier herrliche Treffer mit seinem bis zwölf Stundenkilometer schnellen Rollstuhl. Wie die meisten der insgesamt 80 Teilnehmer lebt Mingorance Sanz mit einer Muskelschwäche. Seit er 13 ist, kann er nicht mehr laufen. Wie alle Teilnehmer beeindruckte er mit seiner Lebensfreude. Die Veranstaltung war mehr als ein sportlicher Wettkampf, bei dem auf einem 24 Meter langen und zwölf Meter breiten, von Banden umrandeten Feld ein Golfball mit an Rollstühlen montierten Schlägern ins gegnerische Tor bugsiert werden sollte.

"Gerade Menschen ohne Handicap können unglaublich viel von den Rollstuhlsportlern lernen, vor allem Zufriedenheit mit dem eigenen Dasein", sagte Katharina Boye, die Spartenleiterin Gesundheitssport beim Barmstedter MTV. Sie organisierte mit viel Einsatz und Geschick das Turnier gemeinsam mit Dannenberg, sie kümmerte sich um die diversen Belange von 80 Rollstuhlfahrern und 120 Betreuern. Die logistische Herausforderung, den Mannschaften aus Berlin, Schleswig-Holstein, Niedersachen und Hamburg erstmals ein Turnier zu bieten, welches nicht in einer Einrichtung für behinderte Menschen stattfand, gelang. Allein 60 Rollstuhlfahrer wurden in Schulen am Heederbrook (Gymnasium/Albert-Schweitzer Schule/James-Krüss-Schule) untergebracht.

Die Turniertage hielten dann nicht nur für Boje ganz besondere Momente bereit. "Bei der Disco in der Turnhalle haben die Rollstuhlfahrer eine Polonaise geboten. Das war wunderbar mit anzusehen", sagte sie. "Wir sind zur Musik alle hintereinander hergefahren. Das war lustig", sagte Mingorance Sanz.

Auch rund um das Feld ging die Post ab. Beim Einfahren durften sich die Teams über Klassiker wie "Hells Bells" oder "Let`s get ready to rumble" freuen. In der Spitze verfolgten die Spiele bis zu 700 Zuschauer - und die machten reichlich Krach. Besonders hervor taten sich einmal mehr die Fans der Raisdorf Panthers, einer Internatsmannschaft aus Kiel, die der Veranstaltung mit Trommeln und Tanzeinlagen ein spezielles Flair gaben. "Ich kann mir schon vorstellen, dass dieses Turnier auch der Sache der Integration gedient hat", sagte Spieler Malte Dannenberg. Mit dieser Vorstellung steht er bestimmt nicht alleine da.