Pinneberg

"Ich hatte doch vor ihm gewarnt"

Tipps von Flemming Lüneburg ersparen dem VfL Pinneberg nicht das 1:3 gegen Bruder Jan und den FC Elmshorn

Pinneberg. Im Hotel Mama ist es ja doch am schönsten. Unter einem Dach mit Mutter Gesa und Vater Thorsten am Heidgrabener Weg in Klein Nordende fühlen sich Jan Lüneburg, 22, und Flemming Lüneburg, 21, einfach nur pudelwohl. Zwei Wochen kreisten die Gespräche beim Abendessen, das die Familie nach Möglichkeit geschlossen einzunehmen pflegt, nur um "das Spiel".

Als es aber darauf ankam, kniff die Chefin des Hauses. Gesa Lüneburg wollte sich den Zwiespalt ersparen, den einen Jungen jubeln und den anderen automatisch leiden zu sehen. Die Fußballer von Oberliga-Spitzenreiter FC Elmshorn mit Jan als zweifachem Torschützen gewannen beim VfL Pinneberg mit Flemming auf der rechten Seite 3:1 (1:1).

Jan sucht sich einmal die Ecke aus und trifft danach aus 30 Metern

"Dabei hatte ich noch vor meinem Bruder gewarnt", ärgerte sich Flemming. "Ihn ganz eng decken und auf keinen Fall aus größerer Entfernung zum Schuss kommen lassen", hatte er den Pinneberger Innenverteidigern Mark Müller und Dennis Zimmermann empfohlen. Auch andere Geheimnisse rund um das FCE-Team, dem er vergangene Saison noch angehörte, habe ihm VfL-Trainer Michael Fischer in der Mannschaftsbesprechung vor dem Anpfiff entlockt.

Flemming Lüneburgs Insiderwissen half den Gastgebern nicht weiter. Das lag auch daran, dass die Spieler des Oberliga-Spitzenreiters über höhere Qualitäten als die Pinneberger verfügen. Sascha de la Cuesta schoss einen Freistoß in einem Bogen um die Pinneberger Abwehrmauer herum - 0:1 (3.). Nach gekonntem Duett mit Milos Ljubisavjlevic durfte sich Jan Lüneburg die Ecke aussuchen. Er wählte die rechte, 1:2 (48.). In der 56. Minute blickte Jan Lüneburg nur kurz hoch und jagte VfL-Torwart Sascha Dittrich dann den Ball aus 30 Metern um die Ohren - 1:3 (56.). Was Flemming Lüneburg in diesem Moment dachte? Jugendfrei ausgedrückt: "So ein riesengroßer Mist."

Über das alles wurde hinterher in Klein Nordende noch diskutiert. Auch über die Chance für Flemming Lüneburg, die Partie interessanter zu gestalten. In Rechtsaußenposition legte er es darauf an. Der Ball rollte ein paar Zentimeter am linken Pfosten vorbei ins Toraus (63.). Sechs Minuten später winkte ihn Trainer Fischer dann vom Platz, um mit Fabian Knottnerus versuchsweise frischen Wind zu entfachen. Flemming Lüneburg fügte sich der personellen Maßnahme, ohne mit der Wimper zu zucken. In Elmshorn nach seinem nicht geringen Beitrag zur Landesliga-Meisterschaft ausgebootet worden zu sein, wurmt ihn aber immer noch.

"Der FCE ist von seinem ursprünglichen Weg, vornehmlich auf Talente der näheren Umgebung zu setzen, abgekommen. Alles ist jetzt dem Erfolg untergeordnet, man sieht es schon an den Nachbesserungen im Januar", sagt der Mittelfeldspieler, der wie sein Bruder den Beruf des Einzel- und Außenhandelskaufmanns erlernte. Als er im Sommer 2012 die eigene sportliche Perspektivlosigkeit erkannte, sei es unumgänglich gewesen, das Nest zu verlassen.

Vater Thorsten Lüneburg glaubt fest an Pinneberger Klassenerhalt

Thorsten Lüneburg, früher Torjäger in Diensten des Hummelsbütteler SV, TuS Hoisdorf und natürlich Rasensport, jetzt DFB-Stützpunkttrainer, spendete Trost. "Von euch bin ich angetan. Um den Klassenerhalt müsst ihr euch nicht sorgen", lobte der Vater den jüngeren Spross. "Die Woche der Wahrheit vom 23. bis 30. April mit den Heimspielen gegen Paloma, Bergedorf 85 und Meiendorf wird es zeigen", glaubt Michael Fischer.

Der VfL-Coach hofft dann auf mehr Szenen wie in der 29. Minute, als Lennart Dora nach Ecke von Sonay Hayran herrlich den Ausgleich köpfte. Dora und VfL-Stürmer Sören Badermann sind trotzdem eingeladen, demnächst wieder etwas mit Thorben Reibe zu unternehmen. "Die Verbundenheit zu diesen beiden Spielern ist noch eng", so der Elmshorner Defensiv-Stratege, der als Torschützenkönig letzte Serie vom VfL an die Krückau gewechselt war.

Mit seinem Foul an Nikola Maksimovic, das der Schiedsrichter mit Gelb ahndete, versprühte Reibe ("Ich ging als Pinneberger und kam als Elmshorner.") als einziger etwas Gift. Einer wie er fehlt den Pinnebergern. Oder Flemming Lüneburg beginnt damit, auch mal auf dem Rasen ein bisschen auszuteilen.

Oberliga-Spiele des Wochenendes:

SV Rugenbergen - Buchholz 08

Spielbeginn: Sonnabend, 13 Uhr. Hinspiel: 2:2. HA-Tipp: 2:1 für Buchholz.

SV Halstenbek-Rellingen - Altona

Spielbeginn: Sonntag, 14 Uhr. Hinspiel: 1:1. HA-Tipp: 2:2.

Germ. Schnelsen - VfL Pinneberg

Spielbeginn: Sonntag, 15 Uhr. Hinspiel: 2:1 für den VfL. HA-Tipp: 1:1.

Bramfelder SV - FC Elmshorn

Beginn: Sonntag, 15 Uhr. Hinspiel: 3:2 für Elmshorn. HA-Tipp: 2:0 für FCE.