Westerhorn

Premiere für die Rollstuhl-Ritter

80 Behindertensportler und 120 Betreuer reisen im Mai zu Turnier nach Barmstedt an. Das ist eine logistische Herausforderung.

Barmstedt/Westerhorn . Dies dürfte das größte Turnier im Behindertensport sein, das es bislang im Kreis Pinneberg gegeben hat. Am 9./10. Mai kommen 16 Mannschaften mit 80 Rollstuhlfahrern aus ganz Norddeutschland in Barmstedt zusammen, um in der Heederbrookhalle erstmals den E-Ball-Himmelfahrts-Cup auszuspielen. Gastgeber sind die Barmstedt Knights (zu Deutsch: Ritter), wie sich die Abteilung aus neun E-Ball spielenden Rollifahrern im Barmstedter Männer-Turnverein (BMTV) nennt. "Seit Jahren fahren wir zu den Himmelfahrtsturnieren nach Rheinsberg, Dinklage oder Stade. Da war es schon lange ein Traum von uns, diese Veranstaltung einmal selber auf die Beine zu stellen", sagt Trainer und Gruppenleiter Uwe Dannenberg.

Seine beiden Söhne Steffen, 23, und Malte, 20, sind das Herz des Teams. Beide sind von Kindheit auf den Rollstuhl angewiesen, haben die Krankheit Muskeldystrophie geerbt. Das hinderte sie nicht daran, Abitur beziehungsweise den Realschulabschluss zu machen. Und seit acht Jahren betreiben sie Rollstuhlhockey, zunächst in Hamburg, seit 2009 in Barmstedt. Ihre Mitspieler sind Spastiker und andere Muskelerkrankte, erzählt Trainer Dannenberg. "Die Spieler leiden aber nicht unter ihren Krankheiten. Das sind mitunter die fröhlichsten Menschen der Welt."

Mit ihrer Spielfreude wollen die Barmstedter Ritter am Vatertag die Zuschauer für ihren Lieblingssport begeistern. Die 16 Teams treffen mit jeweils vier Spielern aufeinander und müssen in zweimal 15 Minuten einen Golfball möglichst oft in das 2,40 Meter breite, aber nur 25 Zentimeter hohe Tor befördern. Damit ihnen das gelingt, ist ihr Elektro-Rollstuhl mit einer beweglichen Kufe ausgerüstet, mit der sie den Ball in jede Richtung schieben können. Im Gegensatz zum eigentlichen Rollstuhlhockey, bei dem die Spieler im Rollstuhl den Hockeyschläger mit der Hand führen, ist beim E-Ball der Schläger fest am Fahrzeug montiert, den die Spieler per Joystick bedienen können.

Anfangs probierten die Dannenbergs auch die manuelle Art dieses Sports aus. "Das war im August 2009 in Kiel. Das sind wir mit 0:45 Toren gnadenlos untergegangen. Das sollte uns nicht wieder passieren." Und so sind sie zum E-Ball gewechselt. Seitdem ging es sportlich bergauf. Die Barmstedt Knights entwickelten sich zu einer Art "Vizekusen" im E-Rollstuhlsport. So haben sie die drei letzten Himmelfahrtsturniere der großen Vereine in Rheinsberg und Dinklage jeweils als zweitbestes Team abgeschlossen. Zu Hause in Barmstedt wollen sie das Turnier endlich auch einmal gewinnen.

Für die Organisation, Unterbringung und Verpflegung der Mannschaften an zwei Turniertagen ist Katharina Boye verantwortlich, die beim BMTV den Gesundheitssport leitet. "Das wird ein Abenteuer-Urlaub für Rollies", sagt sie, die seit Monaten alles akribisch vorbereitet. So werden neben den 80 Sportlern 120 Betreuer nach Barmstedt kommen. Diese alle unterzubringen und zu versorgen, ist eine logistische Herausforderung, sagt Boye. 60 Personen werden bei Gastfamilien wohnen, weitere 60 Schlafplätze werden in der Albert-Schweitzer-Schule am Heederbrook eingerichtet. Der Rest pendelt oder hat sich privat eingemietet.

Eröffnet wird das E-Ball-Turnier am 9. Mai von Bürgermeister Nils Hammermann, der "Feuer und Flamme für diesen mitreißenden Sport" ist. Die Siegerehrung ist am Freitag um 20 Uhr. "Unser Ziel ist es, diesen Sport bekannter zu machen und die Integration in den normalen Sportalltag zu schaffen", erklärt Spartenleiterin Boye.

Für Steffen und Malte Dannenberg ist E-Ball wie Fußball mit anderen Mitteln. "Uns macht es Spaß, mit Gleichgesinnten gegen andere Teams zu spielen", sagt Steffen. Und dabei immer besser zu werden. Mit ihren Rollstühlen, die bis zu 16 km/h schnell sind, bewegen sie sich filigran und beinahe artistisch in jede denkbare Richtung. Von ihrer Behinderung ist da nichts zu spüren.