Uetersen

"Notarztwagen rufen, schnell"

Uetersens Fußballer Eddy Enderle geht nach Schuss ins Gesicht zu Boden. TSV 0:1 gegen Blankenese

Uetersen. Den Fans des TSV Uetersen, der das Spitzenspiel der Fußball-Landesliga gegen die SV Blankenese 0:1 (0:1) verlor, fuhr der Schreck in die Glieder. Zunächst hatte sich Eddy-Morton Enderle noch aufgerappelt, als er den Ball mit voller Wucht ins Gesicht geschossen bekam.

Der 22 Jahre alte Defensivspieler schüttelte sich kurz an der Seitenlinie und trat dann wieder auf den Rasen - um gleich darauf wie vom Blitz getroffen zu Boden zu sinken (44.). "Den Notarztwagen rufen, schnell", rief Trainer Peter Ehlers. Betreuer Uwe Wolter und Ersatzspieler Kevin Koyro trugen den fast besinnungslosen Sohn von Abteilungsleiter Bernd Enderle in die Kabine. Dann kündigten die Sirenen aus der Ferne auch schon das Eintreffen der Rettungssanitäter an.

24 Stunden später gab die fürsorgliche Mutter Sabine Entwarnung: "Eddy ist aus dem Pinneberger Krankenhaus zurück und ruht sich jetzt aus. Er hat eine Gehirnerschütterung erlitten, der Verdacht auf einen Nasenbeinbruch hat sich zum Glück nicht bestätigt." Doch da ist noch etwas anderes, was Kopfschmerzen macht. Vergangene Woche hatten sich die Uetersener aufgefordert gesehen, die Zusammenarbeit mit Stürmer Mikail Pekdemir - neun Treffer in 17 Partien, damit bester TSV-Torschütze - zu beenden. "Lieb und nett sein reicht nicht im ambitionierten Landesliga-Fußball", sagte Bernd Enderle. "Wir können es vor der Mannschaft nicht verantworten, einen unzuverlässigen Spieler mit durchzuziehen." Trainer Peter Ehlers präzisierte, was gemeint ist: "Wenn einer von 30 Trainingseinheiten 20 nicht mitmacht, ganz ehrlich, was soll ich mit ihm anfangen?"

Gegen die Blankeneser wurde Pekdemir noch nicht vermisst. Es wäre kein Spiel nach dem Geschmack des Konterstürmers gewesen. Die Gäste machten "die Räume dicht" und ließen mit Ausnahme von Distanzschüssen keine Torchancen zu. Aufregung herrschte allerdings in der 78. Minute, als Trainer-Neffe Philipp Ehlers im SVB-Strafraum elfmeterverdächtig zu Fall kam. "Den darf er dann auch mal geben, wenn er schon den gegen uns pfeift", beschwerte sich der Onkel über Thorsten Bliesch. Gemeint war die achte Minute, als Jan-Marc Schneider über die Beine von TSV-Keeper Christoph Richter stürzte und der Unparteiische des Niendorfer TSV auf den Kreidepunkt deutete. Schneider selbst übernahm die Ausführung - 0:1. Von da an war es ein Spiel wie maßgeschneidert für die Gäste.

Bemerkenswert war noch die 48. Minute. Da beraubte Bliesch die Blankeneser eines klaren Vorteils, in dem er voreilig ein Foul pfiff. Schneider wäre auf dem Weg zum 0:2 vermutlich nicht mehr aufgehalten zu wesen. Die SVB-Seele kochte, zu Recht. Bliesch bewies Größe und entschuldigte sich sofort, so laut, dass es jeder hören konnte.

Am Ende waren die Blankeneser dann der große Sieger des ersten kompletten Spieltags der Hammonia-Staffel im neuen Jahr. Der Tabellendritte TBS Pinneberg kam im Heimtreffen gegen die HSV-Dritte nämlich nicht über ein 1:1 (1:0) hinaus. Aus der hohen Überlegenheit der Gastgeber resultierte lediglich ein Elfmetertreffer von Alessandro Schirosi nach 24 Minuten Spielzeit. Der Neuzugang vom SV Lurup war selbst gefoult worden. Mit ihrem Ausgleich in der 58. Minute stellten die Männer mit der Raute auf der Brust dann den Spielverlauf auf den Kopf.