VfL Pinneberg

"Mussten unser Gesicht wahren"

Im Ablösestreit mit dem SC Egenbüttel verzichtet der VfL Pinneberg ab sofort auf seinen Stammtorhüter Stefan Steen.

Pinneberg. Torwart Stefan Steen verzichtet auf besondere Feierlichkeiten anlässlich seines 26. Geburtstags am Sonnabend und trägt stattdessen mit einer überragenden Leistung einen Tag später zum Auswärtssieg des VfL Pinneberg in Niendorf bei. So hätten sich Fußball-Romantiker das kommende Wochenende vorgestellt.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Am Dienstag teilte Ligaobmann Manfred Kirsch dem Keeper mit, dass die Pinneberger ab sofort auf seine Dienste verzichten. "Um unser Gesicht zu wahren, konnten wir gar nicht anders reagieren", sagt Kirsch. Die weitreichenden Konsequenzen allerdings bereiteten ihm "eine schlaflose Nacht und Magengrummeln". Im Oberliga-Spielbetrieb nehmen die Pinneberger nämlich einen Qualitätsverlust zwischen den Pfosten in Kauf.

Bereit, die Lücke sofort zu schließen, stehen nur Neuzugang Dennis Zimmermann, zuletzt Reservist des TSV Uetersen, und David Poerschke, Keeper der zweiten Mannschaft, den die Reserve dringend im Kampf um die Bezirksliga-Meisterschaft benötigt. Die Pinneberger wollen sehen, ob der Markt noch einen fähigen Schlussmann hergibt, der mindestens ein halbes Jahr nicht mehr kickte und deshalb sofort für den VfL spielberechtigt ist. Zur neuen Saison kommt dann Tim Brüggemann vom Bramfelder SV (vorher FC Elmshorn), der während der Saison 2007/2008 schon einmal am Rosengarten unter Vertrag stand, seinerzeit aber nur selten Berücksichtigung fand.

Auf eine Feststellung legt Manfred Kirsch höchsten Wert: "Wir wollen keine Schlammschlacht mit dem SC Egenbüttel." Von diesem Club war Stefan Steen 2011 zum VfL gewechselt. Die Pinneberger ließen sich diese Verpflichtung die in den Statuten festgelegte Ablösesumme (1500 Euro plus Mehrwertsteuer) kosten. Als Steen nun seine Rückkehr zum SCE am Ende der Saison ankündigte und beide Seiten die Bedingungen abklopften, kam es zu unterschiedlichen Auffassungen. Kirsch forderte 750 Euro plus Mehrwertsteuer als Entschädigung, "damit halten wir uns exakt an die Richtlinien".

SCE-Geschäftsführer Dirk Förster bot nur 400 Euro, "als Verhandlungsgrundlage", sagt er, während Kirsch die Summe als "allerletztes Angebot" auffasste. Stefan Steen drohte die Nichtfreigabe und eine Zwangspause bis zum 1. November. "Daraufhin teilte er uns mit, nicht mehr für uns spielen zu wollen. Diesem Wunsch haben wir entsprochen" - so begründete Manfred Kirsch die Trennung von einem Spieler, der sportlich nichts schuldig blieb und für seinen neuen (alten) Club nun "schon" im August spielberechtigt sein wird. Manfred Kirsch schloss das Kapitel mit folgenden Worten: "Der Vorstand des VfL wünscht Stefan Steen auf seinem weiteren Lebensweg alles Gute."

Der FC Elmshorn versorgte sich gründlich mit Torleuten, nachdem Stammkeeper Robert Cohrs im November eine schwere Handverletzung erlitt. Beste Chancen, die neue Nummer eins zu sein, räumt Teamchef Eugen Igel nun dem reaktivierten Ole Springer (früher FC St. Pauli II) ein, "so stark, wie er beim 1:2 gegen sein Ex-Team hielt". Auch auf anderen Positionen hat Trainer Achim Hollerieth vor dem Gastspiel des Tabellenzweiten beim zwei Zähler schlechteren Tabellenvierten Eintracht Norderstedt die Qual der Wahl, so dass die Zuversicht blüht.

"Alle haben in der Vorbereitung toll mitgezogen. Wir wissen um die Herausforderungen der nächsten Wochen und Monate und sind bereit, sie anzunehmen", sagt der Coach. Die Tatsache, dass sein Team witterungsbedingt bereits mit fünf Spielen in Rückstand geraten ist, brachte Hollerieth auf folgenden Gedanken: "Es macht doch erfahrungsgemäß in Hamburg keinen Sinn, Spiele im Februar anzusetzen. Ich plädiere für zwei Englische Wochen im September, dann, wenn es noch schön ist und die Zuschauer besonders gerne zum Fußball gehen." Die Partie in Norderstedt soll auf jeden Fall angepfiffen werden, zumal die Gastgeber über einen Kunstrasen als Ausweichplatz verfügen. Spielbeginn: Freitag, 19.30 Uhr. Hinspiel: 1:1. HA-Tipp: 4:2 für den FCE.

Blau-Weiß 96 - TBS Pinneberg: In Bestbesetzung und mit dem 4:1 beim HSV III im Rücken gehen die Schenefelder davon aus, dem Tabellendritten Kummer bereiten zu können. Per Handschlag sagte Mittelfeldspieler Tugay Hayran vom Nachbarn VfL für die kommende Serie bei TBS zu. Spielbeginn: Freitag, 19.30 Uhr. Hinspiel: 4:1 für TBS. HA-Tipp: 3:1 für TBS.