Volleyball

Dem Favoriten die Meisterfeier verdorben

| Lesedauer: 4 Minuten
Frank Will

Die Drittliga-Volleyballer des VfL Pinneberg bringen Spitzenreiter Lindow/Gransee die erste Saisonniederlage bei.

Pinneberg. Selten erfüllte sich eine Prognose so exakt wie die von Sebastian Rieck, Zuspieler im Volleyballteam des VfL Pinneberg, vor dem Topspiel der Dritten Liga Nord gegen Tabellenführer SV Lindow/Gransee. "In unserer Halle feiern normalerweise wir unsere Siege und nicht unsere Gegner Meisterschaften", sagte der Steller, und genauso kam es. In einem intensiv geführten Match, das die Bezeichnung Topspiel in jeder der 98 Minuten verdiente, setzten sich die Gastgeber vor 200 Zuschauern mit 3:1 ((20:25, 25:22, 25:19, 25:19) durch und sorgten dafür, dass die zuvor unbesiegten Gäste (20:2 Zähler) in einem Spiel ebenso viel Sätze abgab wie in allen zehn vorangegangenen Partien zusammen.

Das Gefühl des Triumphes kosteten nach dem von Lars Lydorf krachend verwandelten Matchball Spieler und Fans des VfL noch eine gute Stunde nach Abpfiff aus. 15 Pinneberg Volleyballer hockten gemeinsam im Mittelkreis des Hallenparkett, feierten jeden einzelnen mit Gesängen und tanzten zu den Klängen der "Star-Wars"-Titelmusik Polonaise.

Als Sieger durften sich dabei alle fühlen, die den Triumph über das Topteam aus Brandenburg möglich gemacht hatten - die Spieler, die zuvor auf dem Feld gestanden hatten, der erkrankte Mittelblocker Maurice Camplair, Trainer Joachim Müller, Physiotherapeut Niels Niemann, die ehemaligen Aktiven Kai Schefe und Florian Kühn, vor allem aber die Pinneberger Fans, die ihre Mannschaft zuvor unermüdlich angefeuert hatten. "Ein Sieg über ein Team wie Lindow-Gransee kannst du nur mit mannschaftlicher Geschlossenheit erreichen", sagte der starke Zuspieler Tobias Kranich. "Individuell sind wir zwar klar unterlegen, aber eine Mannschaft ist halt mehr als die Summe ihrer Teile."

Ein Pinneberger Ass zu Beginn hatte den Gästen gleich gezeigt, dass der Tabellenzweite (20:6), der dank des Überraschungssieges nach Pluspunkten mit dem Spitzenreiter (20:2) gleichzog, die Begegnung nicht abschenken würde. Auch vom 0:1-Satzrückstand zeigte sich das Heimteam unbeeindruckt. Im Verlauf des zweiten Durchgangs übernahmen die Pinneberger dann die Kontrolle über das Spielgeschehen, verunsicherten dadurch die erfolgsverwöhnten Gäste. Vor allem im Spielelement Aufschlag/Annahme brillierten die Gastgeber, kamen immer wieder zu direkten Service-Punkten. Auch der Block stand sicher. "Das ist nicht unbedingt unsere Stärke, hat es uns Abwehrspielern aber einfacher gemacht, die harten Angriffsschläge des Gegners immer wieder zu entschärfen", sagte VfL-Libero Christian Rieck.

Für die zunehmend frustrierten Gäste, die immer mehr reagierten als agierten, rückte das Spielgeschehen dagegen in den Hintergrund. Vor allem Lindows Zuspieler Maik Schmiedecke rieb sich in Diskussionen mit dem Schiedsgericht auf, sah dafür die Verwarnungskarte und wurde wenig später von seinem Coach ausgewechselt.

"Wir haben schnell gemerkt, dass Lindow nach dem bisherigen Saisonverlauf nicht damit umgehen konnte, plötzlich harte Gegenwehr und Leidenschaft auf der anderen Netzseite zu haben", sagte VfL-Trainer Joachim Müller, ohne sich aber darüber zu wundern. "Das ist vermutlich auch relativ normal, wenn man bis dahin zehn Spiele lang nach Belieben durch die Dritte Liga spaziert ist." Angetan war der Pinneberger Coach aber davon, dass sein Team das im Training formulierte Vorhaben, der Übermannschaft der Dritten Liga Nord die erste Saisonniederlage beizubringen, so souverän hatte umsetzen konnte. "Das war schon ein kleines Meisterstück meiner Mannschaft."

Im ausgelassenen Jubel der VfL-Fans auf der Empore schwang aber auch Enttäuschung mit, bestreiten die Pinneberger Volleyballer doch 2012/13 keine Drittliga-Heimspiele mehr in der Halle an der Richard-Köhn-Straße. Stattdessen ist die Mannschaft von Joachim Müller noch dreimal in fremden Hallen gefordert, die Gegner heißen VC Norderstedt, Oststeinbeker SV und SV Warnemünde, allesamt Teams, die entweder um den Klassenerhalt kämpfen oder hinter den Erwartungen zurückblieben und somit zu Hause etwas gutzumachen haben.

Unabhängig vom Ausgang dieser Begegnungen kann den Pinnebergern aber eines schon jetzt niemand mehr nehmen. "Wir freuen wir uns darüber, dem künftigen Meister die vermutlich einzige Saisonniederlage beigefügt zu haben und klar gemacht zu haben, dass hier in der Jahnhalle nicht irgendwelche Gästeteams die vorzeitige Meisterschaft feiern, sondern dass wir hier den Ton angeben", sagte VfL-Abwehrspezialist Stephan Wendt.

Pinneberg: Tobias Kranich, Daniel Pötz, Sebastian Rieck, Stefan Imke, Christian Rieck, Bahne Dieckmann, Janosch Maas, André Kulisch, Lars Lydorf, Stephan Wendt, Christian Copf, Lars Rückborn.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport