Pinneberg
Handball

Der Spion fährt im Wohnmobil vor

Jürgen Weber versorgt seinen Sohn Timo, den Ellerbeker Handball-Frauentrainer, mit wertvollem Videomaterial über die Oberliga-Gegner.

Ellerbek. "Film ab!" Jürgen Weber hat in einer hinteren Reihe der Tribüne Platz genommen und bedient seine Video-Kamera, die er auf einem Stativ angebracht hat. Der 60-Jährige lässt den Film einfach durchlaufen, Hauptsache, die Bilder sind hinterher auf dem Chip hinterlegt. Weber weiß: Die Aufnahmen, die er danach häufig auf eine CD überträgt, haben ihre eigene Bedeutung. Von ihnen kann sein Sohn Timo Jarama, 30, profitieren.

Der ist Trainer der Ellerbeker Handball-Frauen und nutzt die Unterstützung seines Vaters zur Videoanalyse, die ihm wertvolle Aufschlüsse über Taktik, Spielweise und Bewegungsabläufe bei den Spielerinnen der verschiedenen Oberliga-Gegner bringen. Seit fast 20 Jahren begleitet Vater Weber seinen Sohn beim Handball - bis zum Ende der vergangenen Saison noch bei den Männern der Halstenbeker TS. "Ich habe ihm viel zu verdanken", sagt Timo Jarama, der nach der Hochzeit den Familiennamen seiner Frau, einer Halb-Peruanerin, angenommen hatte. "Ich kann mich voll und ganz auf ihn verlassen."

Jürgen Weber, der Mann, der im Wohnmobil vorfährt. Kein hinterhältiger Spion, sondern in ganz offizieller Mission. Er darf das, und es ist inzwischen auch gang und gäbe, dass sich beim Handball neugierige "Filmteams" vielerorts auf den Rängen einfinden. Der Diplom-Ingenieur der Technik-Informatik hat aus diesem Engagement heraus ein intensives Hobby gestaltet, das mit weiteren Reisen verbunden ist.

In regelmäßigen Abständen macht sich der in Hamburg-Eidelstedt wohnhafte Handball-Fan mit seiner Frau Angela in seinem stattlichen 2,3-Liter Turbo-Diesel (100 PS) auf und fährt quer durch Schleswig-Holstein zum Beobachten der Ellerbeker Klassenrivalen. "Ich spreche meine Aufgaben vorher mit Timo ab", sagt der Vater. "Ich versuche genau die Bilder mitzubringen, die er gebrauchen kann und die ihm weiterhelfen. Sonst würden diese Wochenendausflüge keinen Sinn machen."

Das kürzliche 22:22 auswärts gegen den Kieler Vorortverein TSV Altenholz brachte interessante Erkenntnisse. Da war Action im Spiel, es kam einiges rum für die anschließende optische Nachbetrachtung. Ein Wochenendtrip wäre indes nur halb so schön, würde das Ehepaar "Spionage" und Freizeit nicht miteinander verbinden. "Wir fahren manchmal am Nordostseekanal und an Flüssen entlang, besuchen Märkte, lassen es uns richtig gut gehen, weil alles stressfrei ist", sagt Angela Weber.

Die Gattin gewährleistet auch, dass im hoch modernen Wohnmobil unterwegs für alles gesorgt ist. Sie kocht Kaffee, setzt Tee auf, putzt die Fenster, räumt auf, alles muss ja seine Ordnung haben. Wenn das Wetter gut ist, kann es sein, dass die beiden nach einem entspannten Tag erst spät abends wieder nach Hause kommen.

Kürzlich mussten die Webers übrigens einige Zeit auf ihr geliebtes Wohnmobil verzichten. Das wurde eingeparkt von einem anderen Wagen angefahren und musste in die Werkstatt. Jürgen Weber: "Zum Glück hatte der Fahrzeughalter seine Telefonnummer hinterlassen, sodass der Schaden nicht zu unseren Lasten gegangen ist." Mittlerweile wurde der Blechschaden repariert, und die Fahrt kann für das Ehepaar weitergehen.

Eine der jüngsten Touren führte Jürgen und Angela Weber zur Abwechslung mal zu ihrem zweiten Sohn Oliver. Der 32-Jährige, der nebenbei in der Politik tätig ist (FDP Norderstedt), hat im letzten Sommer die Fallschirmspringer-Prüfung abgelegt. Er übt sein Hobby auf dem Flugplatz von Hartenholm (Kreis Segeberg) aus. Die Gemeinde liegt nicht weit entfernt von Todesfelde, einem Gegner Ellerbeks in der Oberliga. Und wieder einmal lief der Film in Jürgen Webers Kamera ab ...

Am Sonntag um 16 Uhr steigt das Spitzenspiel gegen Stockelsdorf

An diesem Sonntag lässt es sich das Familienoberhaupt nicht nehmen, in der Harbig-Halle in die Rolle des Kameramanns zu schlüpfen. Um 16 Uhr steht für die Ellerbekerinnen die im Oberliga-Titelkampf richtungsweisende Spitzenpartie gegen den ATSV Stockelsdorf auf dem Programm. Bei einem Erfolg würden die TSV-Frauen die Gäste aus der Nähe von Lübeck wieder an der Spitze ablösen. Coach Jarama hat keine größeren Personalsorgen, nur der Einsatz der zuletzt verletzten Kim Höhne und Anna Lena Seemann ist noch in Frage gestellt.