Fußball

Spartenleiter irritiert sein eigenes Team

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Wolfgang Helm

Andreas Wilken hilft als Schiedsrichter aus und entscheidet ungewollt Schenefelder Turnier zugunsten von Kummerfeld.

Schenefeld. "Diesen Turniersieg wollten wir unbedingt", sagte Benjamin Wolter, der trotz einer Knöchelprellung auf die Zähne biss. Den Umschlag mit den 200 Euro Prämie bekamen die mit einem Mix aus erster und zweiter Mannschaft angetretenen Fußballer des Kummerfelder SV dann auch. Auf dem Zahnfleisch krochen sie zum 3:3 in der entscheidenden Begegnung gegen Blau-Weiß 96 II.

Das Unentschieden reichte letztlich, um die erste Mannschaft der Gastgeber beim von den Schenefeldern ausgerichteten Bauzentrum-Sandhack-Cup aufgrund der um einen Treffer besseren Tordifferenz (25:13 gegenüber 30:19) auf den zweiten Rang zu verweisen.

Über den Spielplan mit 21 Partien jeder gegen jeden hätte man streiten können. Dann nämlich, wenn die Schenefelder Erste nach ihrem rauschenden 10:6 über Eintracht Rellingen als frühzeitiger Sieger festgestanden hätte. So aber setzten sich Trainer Selcuk Turan und seine Schützlinge mit ihren 13 Punkten auf die gut besuchte Tribüne und harrten der restlichen fünf Partien mit noch jeweils zwei Auftritten der Konkurrenten SV Osdorfer Born und Kummerfelder SV.

Die Osdorfer, die es am Ende auf zwölf Zähler brachten, erwiesen ihnen zunächst den Gefallen, gegen Kickers Halstenbek (Torschütze: Marvin Braßat) und gegen Eintracht Rellingen (Jesper Cordes) jeweils nur 1:1 zu spielen. Den ersten Rang konnte den Schenefelder Landesliga-Fußballern damit nur noch der KSV streitig machen. Die Halle tobte, als die bis dahin sieglose zweite Schenefelder Mannschaft nach Toren von Andreas Bojens, Björn Borken und Thorben Wieck rasch 3:0 führte. Blau-Weiß II-Torwart Torge Ziemer wuchs über sich hinaus, ohne das 1:3 von Sören Brinkmann und das 2:3 von Marcel Gertschat per Eigentor verhindern zu können.

Dann kam eine Minute vor Schluss die Szene, die der Schenefelder Ersten den Turniersieg kostete. Ihr Abteilungsleiter Andreas Wilken, der als Schiedsrichter einsprang, pfiff und kontrollierte mit einem flüchtigen Blick nach hinten die Zeitnahme. Die irritierte Schenefelder Zweite stellte die Arbeit ein und gewährte Brinkmann freie Schussbahn - 3:3. Wilken winkte den Treffer durch. "So ist Andreas. Im Zweifelsfall pfeift er gegen die eigene Mannschaft", sagte Selcuk Turan in gespieltem Zorn.

Kickers-Torhüter Klaus Scheel zieht sich einen Handbruch zu

Grund zur echten Verärgerung hatten aber der Kummerfelder Fabian Jensen (Verdacht auf Bänderverletzung) und Kickers-Torwart Klaus Scheel (Handbruch), die sich auf dem Parkett der Sporthalle Achter de Weiden erheblich verletzten. Da war es eine Wohltat für Andreas Wilken, ausgerechnet von den knapp gescheiterten Akteuren des SV Osdorfer Born viel Lob für die Organisation zu hören. Mit Applaus wurden bei der Siegerehrung auch Sponsorin Gunda Sandhack, Torge Ziemer als bester Keeper, Dennis Schuster (Osdorf) als bester Spieler sowie Jesper Cordes und Sören Brinkmann als erfolgreichste Torschützen (je 8) bedacht.

"Dieser Erfolg stimuliert unsere Teams für den Abstiegskampf in der Bezirks- und Kreisliga", glaubt Brinkmann. Gleichzeitig warben die Kummerfelder für den zweitägigen famila-Cup, den sie am kommenden Wochenende mit 19 Teams in den Halle Ossenpad ausrichten.

Am Schönsten war es jedoch, Thomas Schroeder wieder auf der Bank von Blau-Weiß 96 II zu sehen. Nach jenem entsetzlichen 10. Dezember 2011, an dem sein Sohn Marcel auf tragische Weise ums Leben kam, und einem ebenso furchtbaren Jahr 2012, als er selbst schwer erkrankt mit dem Tode rang, strahlt der Coach, 49, Tatendrang aus.

"Ich weiß, dass ich es nicht übertreiben darf. Aber ich bin wieder da und total motiviert für den Neubeginn", versichert der vom Schicksal so schwer getroffene Schenefelder Trainer. Bei der Mannschaft zu sein, das tut ihm sichtlich gut.

Bauzentrum Sandhack-Cup von Blau-Weiß 96: Blau-Weiß 96 - Blau-Weiß 96 II 5:2, Eintracht Rellingen - Kickers Halstenbek 2:3, SuS Waldenau - SV Osdorfer Born 1:3, Kummerfelder SV - Blau-Weiß 96 4:3, Blau-Weiß 96 II - Kickers Halstenbek 2:2, Eintracht Rellingen - SuS Waldenau 4:3, Blau-Weiß 96 - SV Osdorfer Born 3:3 Kickers Halstenbek - Kummerfelder SV 1:5, Blau-Weiß 96 II - Eintracht Rellingen 1:3, SuS Waldenau - Blau-Weiß 96 3:5, Kummerfelder SV - Eintracht Rellingen 4:0, SV Osdorfer Born - Blau-Weiß 96 II 5:0, Blau-Weiß 96 - Kickers Halstenbek 4:1, SV Osdorfer Born - Kummerfelder SV 3:2, Blau-Weiß 96 II - SuS Waldenau 1:6, Eintracht Rellingen - Blau-Weiß 96 6:10, Kickers Halstenbek - SV Osdorfer Born 1:1, SuS Waldenau - Kummerfelder SV 3:8, SV Osdorfer Born - Eintracht Rellingen 1:1. Kummerfelder SV - Blau-Weiß 96 II 3:3, Kickers Halstenbek - SuS Waldenau 1:2.

Abschlusstabelle: 1. Kummerfelder SV 13 Punkte, 25:13 Tore, 2. Blau-Weiß 96 13/30:19, 3. SV Osdorfer Born 12/16:8, 4. Eintracht Rellingen 7/16:22, 5. SuS Waldenau 6/18:21, 6. Kickers Halstenbek 5/9:16, 7. Blau-Weiß 96 II 2/9:24.

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